SAM Böhmenkircher fordern lückenlose Aufklärung

Böhmenkirch / Thomas Hehn 22.03.2018
Auf den Heidhöfen bei Böhmenkirch gibt es nach dem Großbrand massive Vorwürfe gegen SAM und Behörden: Es habe kein Notfallkonzept gegeben, um Umweltschäden zu verhindern.

Lief bei der Bekämpfung des Großbrandes in der Galvanik der Firma SAM auf den Heidhöfen alles korrekt ab? Gemeinderätin Ilona Ackermann aus den Heidhöfen hat daran inzwischen erhebliche Zweifel.

Wie Ackermann am Mittwoch im Gemeinderat erläuterte, ist offenbar mehr Löschwasser in die Umwelt gelangt, als die Firma bisher angegeben hat. Unter anderem ist kontaminiertes Wasser auch auf landwirtschaftliche Flächen gelangt. Ackermann kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Behörden: „Lief da bei der Genehmigung alles korrekt ab, wenn Löschwasser in diesen Mengen ausfließt?“

Nachdem das Regierungspräsidium erst Tage nach dem Brand bekannt gegeben hatte, dass im kontaminierten Löschwasser nicht nur Säuren und Laugen, sondern mit Nickel auch Schwermetalle, gefunden wurden, fürchten die Anwohner um ihre Gesundheit.

Seit der Ansiedlung von SAM Ende der 90er Jahre seien die Heidhöfler massiven Geruchsbelästigungen und hohem Verkehrsaufkommen ausgesetzt. „Wir haben das jahrelang klaglos ertragen. Aber jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem die Geduld zu Ende ist,“ forderte  Ackermann eine schnelle und lückenlose Aufklärung durch SAM. Auf der Homepage der Firma stehe nur wenig, die Belange der Heidhöfler würden gar nicht erwähnt, beklagte Ackermann.

Proben erst nach zehn Tagen

Völlig unverständlich für sie ist, warum erst zehn Tage nach dem Brand die ersten Proben auf den betroffenen landwirtschaftlichen Flächen gezogen wurden. Dass die Beprobung durch ein von der Firma SAM beauftragtes und bezahltes Ingenieurbüro durchgeführt wurde, sieht Ackermann ebenfalls kritisch. „Warum wurde da von den Behörden kein neutrales Büro beauftragt?“

„Das geht mir auch alles zu langsam“, erwiderte darauf Bürgermeister Matthias Nägele. Er werde deshalb weiter mit Firma, Behörden und Polizei in Kontakt bleiben. Genehmigung und Überwachung der Betriebsabläufe bei SAM sei allerdings nicht Aufgabe der Gemeinde, sondern liege in der Zuständigkeit von Landratsamt und Regierungspräsidium.

Bei der folgenden Diskussion im Gremium war Philipp Elwert enttäuscht vom Umweltamt: „Wenn da erst zehn Tage später Proben gezogen werden, ist eventuell schon einiges versickert.“ Dass man so große Mengen an Löschwasser in Versickerungsbecken leitet, hält Elwert ebenfalls für bedenklich. „Im Einleitungskataster der Gemeinde müsste doch stehen, was bei SAM alles gelagert wird“, ergänzte der Gemeinderat. Andrea Zahn wollte wissen, ob der Brand Auswirkungen auf die Kläranlage gehabt habe. „Es sei nur ein ganz kleiner Teil des Löschwassers angekommen und der habe keine Probleme bereitet“, antwortete der Bürgermeister. „Wurde dort auch auf Schwermetalle untersucht?“, hakte Alexander Aubele nach. Das werde von einem unabhängigen Labor gemacht, so Nägele.

 Der von Ackermann zum Schluss gestellte Antrag an die Verwaltung, für eine lückenlose Aufklärung der Öffentlichkeit hinsichtlich der Vorgänge bei SAM zu sorgen, wurde vom Gremium  einstimmig befürwortet. „Die Bürger auf den Heidhöfen müssen wissen, was im Löschwasser drin war und welche Auswirkungen das hat“, versprach der Bürgermeister eine Informationsveranstaltung, wenn die Ergebnisse vorliegen.

Kataster erfasst gefährliche Stoffe

Die Gemeinde hat 2016 ein „Indirekteinleiterkataster“ erstellen lassen. Darin wird aufgeführt, welche grundwassergefährdende Stoffe Betriebe in der Gemeinde einsetzen.

In der Galvanik der Firma SAM lagern demnach durchschnittlich 13 Tonnen Natronlauge, 18 Tonnen Schwefelsäure, 13 Tonnen Salzsäure, 4 Tonnen Calciumhydroxid und 3 Tonnen Äznatron.

Für Nickel sind im Kataster keine Mengenangaben aufgeführt. Vermerkt ist nur, dass bei der Entsorgung von Nickelschlämmen die Grenzwerte eingehalten werden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel