Gericht Bluttat neben der Autobahn

Am Tatort untersuchen Ermittler der Polizei das Auto, in dem die Frau ihre Tochter getötet hat.
Am Tatort untersuchen Ermittler der Polizei das Auto, in dem die Frau ihre Tochter getötet hat. © Foto: Thomas Heckmann
JOCHEN WEIS 17.06.2015
Vor acht Monaten tötete eine Frau nahe Aichen ihre Tochter. Ab Mittwoch muss sie sich am Landgericht Ulm wegen der Bluttat verantworten.

 Es war am späten Abend des 19. Oktober, einem Sonntag, als einem Autofahrer auf der A 8 nahe Aichen eine Frau auffiel, die auf dem Mittelstreifen herumirrte.  Die Frau war blutverschmiert und hielt ein Messer in der Hand. Der Mann hielt an, kümmerte sich um die Frau und rief die Polizei: Die fand nur einige Meter weiter das Auto der Frau - abgestellt in einer Unterführung, darin ihre beiden Kinder, ein Mädchen und ein Junge. Das Mädchen lag zu diesem Zeitpunkt bereits reglos in dem Wagen. Wie sich herausstellte, hatte die Mutter, 36 Jahre alt, mit dem Messer mehrmals auf die Tochter eingestochen. Wie später eine Obduktion ergab, war die Elfjährige nicht sofort tot gewesen. Den Jungen - damals zweieinhalb Jahre alt - hatte die Mutter ebenfalls mit dem Messer attackiert, er überlebte aber schwer verletzt.

Die 36-Jährige hatte noch auf der Autobahn ihrem Helfer den Hinweis gegeben, dass sie ihre Kinder verletzt habe. Schon tagsdrauf gestand sie ihre Tat. Die Ermittlungen ergaben, dass sie in einer Tälesgemeinde lebt. Davor hatte die Frau zusammen mit ihrem Mann und den Kindern den Wohnsitz in der Schweiz. Weil ihr Mann ins Gefängnis musste, kam es zur Trennung. Sie zog in den Kreis Göppingen, von dort stammt auch die Familie.

Auf der Suche nach den Gründen für die Tat stellte ein Gutachter fest, dass die Frau unter Wahnvorstellungen litt, ausgelöst von einer depressiven Erkrankung. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft wollte die Mutter ihre Kinder im Rahmen eines erweiterten Suizids töten. Nachdem sie offenbar angenommen hatte, dass ihre Kinder tot sind, wollte sie demnach ihrem eigenen Leben ein Ende setzen. Nach Ansicht des Gutachters hatte die Frau wegen einer Paranoia ihr Dasein und damit auch das ihrer Kinder nicht mehr als lebenswert empfunden. Nach ihrer Festnahme kam die 36-Jährige in eine geschlossene Psychiatrie, möglicherweise ist sie wegen ihrer Erkrankung nur stark vermindert schuldfähig.

Weil die 36-Jährige nur leichte Schnittwunden hatte, hegte die Staatsanwaltschaft zunächst Zweifel an der Selbstmord-Variante, sah darin eine mögliche Schutzbehauptung. Allerdings deuteten einige Zeugenaussagen wiederum klar in Richtung Suizid: Demnach war sie auf der A8 mehrmals unvermittelt vor Autos aufgetaucht, die Fahrer mussten voll bremsen, um sie nicht mit ihren Wagen zu überrollen.

Am heutigen Mitttwoch nun (8.30 Uhr) beginnt vor dem Schwurgericht die Verhandlung gegen die Frau, bereits am Donnerstag geht es weiter. Der Vorwurf lautet Totschlag in Tateinheit mit versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung. Zwölf Verhandlungstage sind angesetzt, Mittwoch sollen zehn von insgesamt mehr als 30 Zeugen gehört werden. Sollte es sich herausstellen, dass die Frau wegen ihrer Krankheit dauerhaft schuldunfähig ist, aber weitere Taten begehen könnte, droht ihr laut Staatsanwaltschaft die dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie.