Gammelshausen Blumendorf a. D.

Gammelshausen kann sich derzeit nicht mehr mit dem Titel Blumendorf schmücken, findet der Gemeinderat. Vielleicht später wieder. Foto: Staufenpress
Gammelshausen kann sich derzeit nicht mehr mit dem Titel Blumendorf schmücken, findet der Gemeinderat. Vielleicht später wieder. Foto: Staufenpress
JÜRGEN SCHÄFER 02.11.2013
Ist Gammelshausen noch ein Blumendorf? Der Gemeinderat winkt ab. Er will dieses Prädikat nicht als Logo auf seiner neuen Internet-Seite präsentieren - mindestens vorläufig nicht.

30 und 40 Jahre ist es her, dass sich Gammelshausen das Attribut "Blumendorf" erwarb - dank der Landes- und Bundessiege im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden". Aber der Ruhm ist ebenso verblasst wie der Wettbewerb selbst. Der neue Schultes Daniel Kohl trat bereits mit dem Vorsatz an, den Glanz des Blumendorfs wieder aufzupolieren.

Wie kritisch es um das Prädikat steht, wurde jetzt im Gemeinderat deutlich. Fast alle Räte taten sich schwer, Gammelshausen im Internet als Blumendorf zu präsentieren. "Es ist nicht mehr wie es früher war", seufzte Hans Hohlbauch. "Es bedarf sicher einer Auffrischung", räumte Friedrich Weiß ein. Für Dr. Christoph Grünwald, einen Zugezogenen, war das Blumendorf immer schon altbacken. "Ich kenne das nur vom Briefbogen." Er findet das aktuelle Logo gut, das auch schon etwas anderes zeigt: ein stilisiertes Haus als Ort der Begegnung. Was aber nicht jedem gefällt. Gegenvorschlag von Bernhard Mürter: "Streuobstdorf" - weil Streuobstwiesen derzeit in aller Munde seien.

Martin Brückner, der den neuen Internet-Auftritt von Gammelshausen erstellt und seit einiger Zeit selbst am Ort wohnt, hätte das Markenzeichen hochgehalten und noch zugespitzt: "Blumendorf am Albtrauf" - ein wahres Alleinstellungsmerkmal. Er baute eine goldene Brücke: Wenn es nicht mehr so weit her sei damit, könne das Logo ja auch Vision und Ansporn sein. Nach dem Motto: Was nicht mehr ist, kann ja wieder werden.

Damit konnten sich die Räte zaghaft anfreunden. Ganz im Sinne des Schultes. Aber Grünwald mahnte: Man solle sich nicht unter Zugzwang setzen, indem man das Logo ins Internet stelle und dann hektisch Blumenkübel auf die Straße stelle. "Wir brauchen ein Brainstorming."

Keine Blumenkübel, sagt Heinz Rieker. Man solle es wie damals machen: Paten für Gemeindeflächen gewinnen. Ob so oder anders, will der Gemeinderat bei einer Klausur im Januar diskutieren. Bis dahin bleibt die Internetseite, die im Dezember starten könne, ohne Logo.