Neujahrskonzert Blechbläserglanz und Orgel-Gloria am Rechberg

Das Trompetenensemble Stuttgart und Kirchenmusikdirektor Klaus Rothaupt an der Orgel präsentierten in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg vorwiegend barocke Kompositionen auf hohem Niveau.
Das Trompetenensemble Stuttgart und Kirchenmusikdirektor Klaus Rothaupt an der Orgel präsentierten in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg vorwiegend barocke Kompositionen auf hohem Niveau. © Foto: Giacinto Carlucci
Ulrich Kernen 09.01.2018

Im Glanz von Trompeten, Pauken und Orgel“ – unter diesem Motto stand das festliche Neujahrskonzert des Stuttgarter Trompetenensembles in der Wallfahrtskirche Sankt Maria auf dem Hohenrechberg.

Das Ensemble, bestehend aus Christian Nägele, Johannes Knob­lauch, Joachim Jung (Trompete/Corno da caccia) und Uwe Arlt (Barockpauken/Perkussion), hatte sich auf dieser Station seiner Tournee einen besonderen Ort mit einem ganz eigenen Flair ausgesucht. Als Partner an der Orgel war Kirchenmusikdirektor Klaus Rothaupt gewonnen worden, der auch durch einige Solostücke eigene Akzente setzte.

Das Programm enthielt fast ausnahmslos Werke des Barock. In diesem Zeitalter waren Blechblasinstrumente und Pauken stets dem fürstlichen bzw. dem göttlichen Bereich vorbehalten. Sie erschallten kräftig, wenn die Gottheit oder der Fürst Einzug hielt oder wenn ihm gehuldigt wurde. Mit ihrem Klang verband man unbegrenzte Macht und blendende Schönheit.

Auch die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer hatten den Rechberg erklommen, um zu erleben, was man mit barockem Glanz und festlicher Pracht verbindet: strahlende, „goldene“ Trompetenklänge, verbunden mit mächtigen Pauken. Die erfahrenen Könner des Trompetenensembles lösten diese Erwartung aufs Schönste und ausgiebig ein. In vier Suiten und anderen fürstlichen Festmusiken von Jean-Joseph Mouret bis hin zu Jeremiah Clark wechselten repräsentative Fanfaren mit zahlreichen gravitätischen Tänzen ab. Den beein­druckenden Höhepunkt markierte zum Schluss „The Prince of Denmark’s March“. Da konnte nicht ausbleiben, dass sich Wiederholungen einschlichen und sich das Ohr daran „satt“ hörte, obwohl das eine und andere Stückchen folkloristisch für Auflockerung sorgte.

Die Orgel mischte sich mit den Blechbläsern und verstärkte den Sound. Ab und zu übernahm sie auch den Gegenpart oder gar die Führung, wie in der Toccata von Alessandro Scarlatti. Ein einziges, kurzes Stück stach allerdings aus dem sonst rein barock eingestellten Programm heraus: der ­hochromantische, intime „Abendsegen“ aus der Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck. Der intensive Gesamtklang verfehlte seine Wirkung zwar nicht, widersprach aber dem ­Charakter eines schlichten ­Schlaf­liedchens. Es ist nicht ­verwerflich, den Geschmack eines breiteren Publikums zu bedienen, aber auch ein Ensemble von der Klasse des Stuttgarter Trompeten­ensembles muss aufpassen, dass sich hier kein Kitsch untermischt.

In einer anderen musikalischen Sphäre waren die Solo­stücke für Orgel angesiedelt. Sie nahmen erstaunlich breiten Raum ein. Das Choralvorspiel zu „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ von Dietrich Buxtehude entpuppte sich als vielschichtige, fröhliche Fantasie. Bachs „Pastorella“ BWV 590 wechselte zwischen weichen Pastoralrhythmen und zarten, apart klingenden Flötchen. Klaus Rothaupt setzte dem wenig später die technisch anspruchsvolle „Fuga sopra Magnificat“ BWV 733 dagegen. Mit „Al post communio – Pastorale“ von Domenico Zipoli hatte Rothaupt ein ausgesprochen kühnes und originelles Werk ausgesucht, das die Hörer ein ums andere Mal verblüffte.

Auf hohem Niveau bot die ­„Königin“ der Instrumente die Vielfalt ihrer instrumentalen und musikalischen Möglichkeiten. Ein festliches Neujahrskonzert mit ganz verschiedenen Facetten.

Wie entsteht der Trompetenton?

Die Lippenschwingung des Bläsers erzeugt eine stehende Welle und wird mit der oszillierenden Luftsäule im Instrument synchronisiert. Die Note c1 erfordert etwa 250 Schwingungen pro Sekunde, c3 bereits 1000 Schwingungen.

Die Klangvielfalt wird u.a. bestimmt durch die Schwingungsform der Lippen und die Mensur (Abmessungen und Maßverhältnisse des Instruments). Die „Stütze“ ist die Kontrolle der Atemführung (mittels Zwerchfell und Bauchmuskulatur). Einfluss hat auch der Durchmesser und Verlauf des Mundstückschafts und des Mundrohres.