Verkehr Bio-Bau im Roggental

Bis zu vier Meter tief muss der Bagger graben, damit die Krainer Wand später auf sicherem Untergrund steht.
Bis zu vier Meter tief muss der Bagger graben, damit die Krainer Wand später auf sicherem Untergrund steht. © Foto: Thomas Hehn
Treffelhausen / Thomas Hehn 07.04.2018
Seit Mitte März wird die Straße im Roggental saniert. Wieder mal. Doch diesmal endgültig – hoffen die Verantwortlichen zumindest.

Flussbausteine aus Muschelkalk, Gabionen, Geozellen und als Krönung eine Krainer Wand. Die Sanierung der Straße im Roggental ist keine normale Baustelle, sie ist fast schon eine Spielwiese für Ingenieure. „So viele Techniken zur Hangsicherung auf einmal hat man selten“, bemerkt Kapo Johannes Ströhle von der Gruibinger Baufirma Moll anerkennend. „Wir wollten den Charakter des Naturschutzgebietes hier soweit wie möglich erhalten“, erläutert Projektleiter Gerhard Bredschneider vom Straßenbauamt Esslingen.

Man hätte auch klassische Betonstützmauern errichten können, um den ständigen Rutschungen der von der Eyb unterspülten Kreisstraße Herr zu werden. Aber das wäre nicht nur hässlicher, sondern noch weitaus teurer gekommen als die jetzt gewählte ­ingenieurbiologische Bauweise. Und die ist mit 2,5 Millionen Euro für eine Strecke von gerade mal 1,8 Kilometer schon teuer genug.

Die Bio-Bauweise ist da wesentlich ansehnlicher. Das fängt schon bei der Ufersicherung an: Hier werden auf Wunsch der Naturschutzbehörde 50 bis 70 Zentimeter hohe Flussbausteine aus frostsicherem Muschelkalk verwendet, um die Eyb künftig in ihrem Bachbett zu halten. Naturnah geht es an der Böschung weiter: Da wegen der im Bach vorkommenden Groppe, einer seltenen und geschützten Fischart (siehe Info-Kasten), am Bachufer nicht betoniert werden darf, bilden „Geozellen“ (mit Schotter gefüllte Kunststoffwaben) das Fundament für die später darauf aufgesetzten Gabionen. Die einen Kubikmeter großen mit grobem Schotter gefüllten Drahtkörbe sollen endgültig verhindern, dass die Straße zur Eyb hin abrutscht, wie es in der Vergangenheit immer wieder der Fall war.

Während dafür meist eine oder zwei Lagen Gabionen reichen, muss der Bagger an einer Stelle, an der die Eyb in der Vergangenheit besonders gern nagte, über vier Meter tief graben, bis er wieder auf stabilen Untergrund stieß. Hier kommt die Krainer Wand zum Einsatz: Um wieder auf Straßenniveau zu kommen, wird eine drei Meter hohe Gitterstruktur aus Holzstämmen aufgebaut, deren Hohlräume mit Schotter und Erde verfüllt werden. Zur weiteren Stabilisierung sollen an der künstlich angelegten rund 50 Meter langen Böschung tief wurzelnde Weiden angepflanzt werden.

Der an die jeweilige Situation angepasste punktuelle Wechsel der Sanierungstechnik ist indessen nicht der einzige Reiz für Ingenieure wie Bauarbeiter. „Ich habe die letzten 14 Monate in Stuttgart-Möhringen Kanalrohre verlegt. Da ist das hier die rein­ste Erholung“, freut sich Kapo Ströhle über seine neue Baustelle mitten in der Natur.

Info Die Sanierung im Roggental ist die zweite. Bereits 2012 wurde die Kreisstraße für 760 000 Euro auf 250 Metern befestigt.

Groppe: Erst gerettet, dann verfüttert?

Um die in der Eyb vorkommende seltene Groppe zu schützen, wurden die Fische evakuiert – mit elektrischem Strom. Durch die Spannung betäubt kamen die sonst tagsüber unter Steinen versteckten, scheuen Fische an die Oberfläche „und konnten dort einfach eingesammelt werden“, berichtet Projektleiter Gerhard Bredschneider vom Straßenbauamt Esslingen.

Neun Groppen gingen so ins Elektronetz. Die Fische wurden anschließend bachaufwärts im Bereich der Eybquelle wieder ausgesetzt. Ob man dem kleinen Fisch damit aber wirklich einen Gefallen getan hat? Gerhard Bredschneider hat da seine Bedenken. Bei der Rettungsaktion wurden nämlich auch noch etliche Forellen ­gefangen und zusammen mit den Groppen ausgesetzt. „Groppen gehören zu den Futter­fischen von Forellen“, gibt der Projektleiter zu bedenken.

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