Donzdorf Bilder vom Frontalltag

700 Originaldokumente aus dem Ersten Weltkrieg hat Hobbyhistoriker Wolfgang Holl bei Donzdorfer Familien auftreiben können.
700 Originaldokumente aus dem Ersten Weltkrieg hat Hobbyhistoriker Wolfgang Holl bei Donzdorfer Familien auftreiben können. © Foto: Beate Schnabl
BEATE SCHNABL 15.11.2014
Wie haben Donzdorfer Bürger die Schrecken des Ersten Weltkrieges erlebt? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Ausstellung von Wolfgang Holl.

Im "Eisernen Buch" von Donzdorf sind die Namen der Kriegsteilnehmer aus dem Ort aufgeführt, die im Ersten Weltkrieg an der Front waren. "593 Soldaten waren einberufen worden, 89 davon sind gefallen", weiß Wolfgang Holl.

Der Kriegsausbruch jährt sich heuer zum hundertsten Mal. Grund für den Donzdorfer Hobbyhistoriker, zu diesem Thema eine Ausstellung vorzubereiten, die diese Kriegsjahre aus Sicht der Donzdorfer darstellt.

Die Idee entstand vor einem Jahr. 2009 hatte Holl bereits aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Kriegerdenkmals eine Ausstellung ausgearbeitet, die sich den Gefallenen und Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg widmete. "Die kam so gut an. Jetzt möchte ich an die Gefallenen und Vermissten aus dem Ersten Weltkrieg erinnern", erklärt er.

Der junge Hobbyhistoriker hat nun weitaus mehr Material zusammengetragen. Anhand der Namensliste aus dem Eisernen Buch hat Wolfgang Holl bei den Nachfahren der damaligen Kriegssoldaten nachgefragt und um Fotografien und Zeitdokumenten gebeten. "Ich habe sehr viele Absagen erhalten, weil in vielen Familien nichts mehr davon zu finden war", erzählt Wolfgang Holl.

Letztendlich konnte er doch 700 Fotografien auftreiben. Knapp 430 Bilder davon waren verwertbar. Die hat Holl alle eingescannt, über ein Fotolabor ausdrucken lassen, auf große Tonkartons aufgeklebt und beschriftet. So erzählt die Ausstellung nicht nur von den Gefallenen und Heimkehrern, sondern dokumentiert Donzdorf zu jener Zeit, zeigt auch Bilder vom Frontalltag der Soldaten sowie aus dem Lazarett, aber auch von Schlachtfeldern und zerstörten Gebäuden. "Alle Bilder, Fotografien und Postkarten habe ich von Donzdorfer Familien erhalten", betont Holl, dem es wichtig ist, die Schrecken dieses Weltkrieges dem Betrachter deutlich vor Augen zu führen.

Info Die Ausstellung "100 Jahre Erster Weltkrieg - Vergessene Schicksale unserer Ahnen" im Foyer der Stadthalle wird morgen am Volkstrauertag um 11 Uhr eröffnet und ist bis zum 12. Dezember jeweils von Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Außerdem wird Wolfgang Holl an allen vier Mittwochabenden um 17 Uhr über Donzdorf im Ersten Weltkrieg referieren.