Empfang Biathlet bleibt Heimat-Club treu

Uhingen / MARKUS MUNZ 04.05.2018

Das knappe Halbfinal-Aus in Madrid hat Simon Schempp halbwegs überwunden. Der Bayern-Fan war am Abend zuvor Augenzeuge beim 2:2 im Estadio Bernabeu und konnte nach dem Spiel auch die Mannschaft treffen. „Den Ausgang hätte ich mir anders gewünscht, aber es war trotzdem ein unbeschreibliches Erlebnis, in diesem Stadion dabei zu sein“, berichtet Schempp am Mittwochabend in Uhingen rund 300 Fans, die seinetwegen zum Empfang der Stadt ins Uditorium gekommen sind. Sie lassen sich die Gelegenheit nicht entgehen, zwei echte olympische Medaillen aus nächster Nähe zu betrachten.

Silber im Massenstart und Bronze mit der Staffel hat Simon Schempp im Februar bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang gewonnen. Besonders die spannende Entscheidung im Massenstart mittels Zielfoto zwischen ihm und Martin Fourcade lässt der 29-Jährige in der von NWZ-Sportredakteur Harald Betz moderierten Talkrunde noch einmal ausführlich Revue passieren: „Ich habe auf den Schlussspurt gesetzt und wollte links vorbei, aber er ist ebenfalls herübergezogen und hat seine Position verteidigt, das war sein Recht als Führender.“

Nur wenige Sekunden hielt die Enttäuschung über das denkbar knapp verpasste Olympia-Gold an. „Dann kam Arnd Peiffer zu mir, hat mich geschüttelt und gerufen: Junge, jetzt freu’ dich endlich mal“, erzählt Schempp. Er sei glücklich, mit Silber belohnt worden zu sein, zumal die Vorbereitung auf Olympia wegen anhaltender Rückenprobleme alles andere als optimal verlaufen war.

Schon beim Einmarsch durch das Spalier der Skizunft Uhingen brandet Beifall für den berühmten Sohn der Stadt auf. Smartphones werden in die Höhe gereckt. Noch bevor Bürgermeister Matthias Wittlinger den Empfang eröffnen kann, wird Schempp für die ersten Fotos in Beschlag genommen. Den Wünschen kommt er gerne nach, genauso wie er die ersten Fragen des Nachwuchses beantwortet. „Was magst du lieber, Laufen oder Schießen?“, will die neunjährige Emma wissen. Stehendschießen, verrät Schempp, der vor 14 Jahren ans Skiinternat Furtwangen gegangen ist, um von dort aus an die Weltspitze im Biathlonsport durchzustarten.

In Uhingen ist man stolz darauf, dass er immer noch für die Skizunft startet, betont der Vorsitzende Willi Hahner. „Hier habe ich angefangen und in der Skizunft werde ich meine Karriere beenden.“ Mit diesem Satz löst Schempp spontanen Jubel aus.

Das Karriereende ist freilich noch in weiter Ferne. In der nächsten Woche beginnt das Training für die neue Saison mit Wettkampfstätten in Übersee und der Weltmeisterschaft in Östersund als Höhepunkt. In Schweden will der zwölffache Einzel-Weltcup-Sieger seinen WM-Titel im Massenstart verteidigen. „Dein Fanclub wird dich auch dort unterstützen, die ersten Anmeldungen sind eingegangen“, verrät Willi Hahner.

Beim Thema Doping wird Schempp direkt: „Es muss schleunigst alles aufgeklärt und dann knallhart durchgegriffen werden. Ich bin mir sicher, dass ein Großteil der Athleten mit fairen Mitteln arbeitet. Wir Sportler setzen uns auch für härtere Strafen und strengere Kontrollen ein.“

Die Vorwürfe gegen die Internationale Biathlon-Union, Dopingfälle gegen Bestechung vertuscht zu haben, seien „ein Schlag ins Gesicht“. Zum Abschluss der Gesprächsrunde wird wieder der Bogen zum Fußball gespannt. Fußball-Fan Simon Schempp, der im USA-Urlaub Lothar Matthäus traf, glaubt an Jogis Jungs und setzt bei der anstehenden Weltmeisterschaft auf Deutschland.

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