Organist Gregor Simon, ein wahrer Meister seines Fachs, gastierte mit einem ungewöhnlichen Programm in der Eislinger Christuskirche. Gezeigt wurde der Stummfilm „Our hospitality“ von und mit Buster Keaton aus dem Jahre 1923 mit begleitender Orgelimprovisation.

Der Film spielt im Amerika Anfang des 19. Jahrhunderts. Zwischen den Familien McKay und Canfield herrscht seit Langem eine Blutfehde. Eines Nachts erschießen sich der Vater des einjährigen William McKay sowie der verfeindete James Canfield gegenseitig. Nach dem tragischen Tod seines Vaters wächst William bei einer Tante im damals noch provinziellen New York auf. Nach seiner Volljährigkeit wird ihm der Landbesitz seines Vaters übertragen. Auf der Reise dorthin lernt er Virginia Canfield kennen und verliebt sich in sie, ohne zu wissen, dass sie die Nichte des Kontrahenten seines Vaters ist. Sie lädt ihn in das Haus ihrer Familie ein. Doch Virginias Brüder sinnen noch immer auf Rache. Ihre Mordversuche werden allerdings vom traditionellen Gesetz der Gastfreundschaft gebremst, denn solange William das Haus nicht verlässt, darf er nicht angegriffen werden. William bleibt deshalb tagelang bei ihnen. Nach abenteuerlichen Verfolgungsjagden rettet er Virginia an einem Wasserfall das Leben. Die Fehde wird mit der Heirat der beiden beendet, die Kontrahenten legen die Waffen beiseite und versöhnen sich.

Gregor Simon musizierte in freier Weise, jedoch immer nah am filmischen Geschehen. Zwei Elemente sind laut Gregor Simon bei der Vorbereitung einer solchen Aufführung unabdingbar: zum einen beste Kenntnis des Films durch mehrfaches Anschauen, zum anderen profundes Wissen der Disposition, wie im vorliegenden Fall der historischen Link-Mühleisen-Orgel.

Eingangs, aber auch mehrfach an anderen Stellen des Filmes waren friedvolle Bildabläufe zu sehen, die jedoch auch humoristische Passagen beinhalten, die sich sehr gut musikalisch widerspiegelten. Entsprechend konnte man durch Gregor Simons Orgelspiel zarte bis mittellaute Melodiken und Passagen hören, die der Künstler mit ungewöhnlichen Harmoniefolgen unterlegte, etwa die recht abenteuerliche Zugfahrt von New York gen Westen. Der Orgelkünstler Simon konnte die Filmpassagen, die sich in der Dramatik steigerten (Szenen im wilden Fluss bis zum Wasserfall) mit seiner hervorragenden Spieltechnik und Musikalität sowie differenzierter Registrierungsauswahl hervorragend interpretieren. Angesichts der Länge des Films – 75 Minuten – ist dies eine bewundernswerte Konzentrations- und Interpretationsleistung des Künstlers. Eckhart Naumann