Blutspende Mann aus Treffelhausen spendet 150 Mal Blut

Michael Lung hat schon einige Blutspender-Ehrungen hinter sich: Für seine 150. Blutspende erhielt er vom DRK die  goldene Ehrennadel mit Lorbeerkranz und eingravierter Spendenzahl. Von der Gemeinde gab’s zur Stärkung ein Vesperpaket mit Spezialitäten aus der Albgemeinde.
Michael Lung hat schon einige Blutspender-Ehrungen hinter sich: Für seine 150. Blutspende erhielt er vom DRK die goldene Ehrennadel mit Lorbeerkranz und eingravierter Spendenzahl. Von der Gemeinde gab’s zur Stärkung ein Vesperpaket mit Spezialitäten aus der Albgemeinde. © Foto: Thomas Hehn
Treffelhausen / Thomas Hehn 09.11.2018
Zwischen vier und sechs Liter Blut sind im Körper. Mit 150 Blutspenden hat sich Michael Lung ein Dutzend Mal leer pumpen lassen, um zu helfen, das Leben anderer Menschen zu retten.

Irgendjemand kann’s brauchen. Ich hoffe, dass ich irgendwann auch mal was kriege, wenn ich’s brauche.“ Michael Lung macht kein großes Aufheben um sich, denkt eher bescheiden schwäbisch-praktisch. Dabei hat der Treffelhausener vermutlich schon vielen Menschen das Leben gerettet.

Lung ist Blutspender und kommt inzwischen auf 150 freiwillige Blutspenden. Bedenkt man, dass im menschlichen Körper nur rund fünf bis sechs Liter Blut zirkulieren und bei jeder Blutspende ein halber Liter abgezapft wird, hat sich der aktive Feuerwehrmann rein rechnerisch damit über ein Dutzend Mal komplett leer pumpen lassen, um anderen Menschen das Leben zu retten.

Der 56-Jährige spendet seit seinem 18. Lebensjahr. „Das war damals eben so üblich“, erinnert der Familienvater von drei mittlerweile erwachsenen Kindern an die Anfänge. Das rege Vereinsleben im Dorf nahm die restliche Angst vor dem Pieks: „Ich war im Musikverein. Da hieß es: Morgen ist Blutspende, wer geht mit?“ Dass man den Termin auf keinen Fall verschwitzte, dafür sorgte zusätzlich noch der DRK-Ortsvereinsvorsitzende. „Der ist mit dem Lautsprecherwagen durchs Dorf gefahren und hat die Leute zur Spende aufgerufen“, erinnert sich Lung an den legendären Ortsgruppen-Chef Joachim Binder. Das damals bis heute fast ebenso legendäre reichliche  Vesper bei den Blutspende-Aktionen machte den freiwilligen Spendern zusätzlich Beine. „Dort gibt’s nicht nur Butterbrezeln“, schwärmt Lung von gemischtem Braten, Schnitzel und leckeren Fleischküchle.

Da lässt sich mancher Stich verschmerzen. Der Treffelhausener hat „mit der Nadel noch nie Probleme gehabt.“ Nach über 150 Einstichen sehen Lungs Unterarme auch gar nicht so aus wie bei einem Junkie. „Schwestern und Ärzte merken aber schon, dass die Venen vernarbt sind“, räumt Lung ein. Andere sind nicht so robust. In den 28 Jahren, die Lung nun schon Blut spendet, hat er schon einige umfallen sehen. „Die waren aber nach einer Viertelstunde auf der Liege alle wieder fit“, beruhigt der Routinier.

Lung ist ständig auf Abruf

Ursprünglich ging Lung nur in Böhmenkirch zur Blutspende. Inzwischen ist er auch regelmäßiger Gast bei der Blutspendezentrale in Ulm, die  neben dem Universitätsklinikum Ulm noch 130 weitere Einrichtungen mit Blutprodukten, Stammzell- und Zelltherapiepräparaten versorgt. Im Unterschied zur üblichen Vollblutspende werden in der Blutspendezentrale gleich vor Ort einzelne Bestandteile aus dem Spenderblut filtriert, die für spezielle Einzelfälle wie etwa Risiko-Operationen benötigt werden. Weil Thrombozyten zum Beispiel nur wenige Tage haltbar sind, werden die Spender in Ulm  kurzfristig angefordert. „Da ist man quasi ständig auf Abruf“, erläutert Lung, der vor  allem Thrombozyten und Granolozyten spendet (siehe Info).

Die ständige Verfügbarkeit  wird mit 70 Euro pro Spende honoriert. „Verdient ist dabei aber nix“, versichert Lung. Im Gegensatz zur freiwilligen (und unentgeltlichen) Blutspende, die nach 20 Minuten vorbei ist,  dauern die weitaus aufwändigeren Blutzellspenden zwei bis drei Stunden. Für eine Granolozyten-Spende muss Lung sogar alle zwei Tage insgesamt  dreimal nach Ulm. „Da ist die halbe Woche der Vormittag weg“, erläutert Lung und ist dankbar, dass auch der Arbeitgeber mitzieht. Bei Strassacker Metal-Technologies in Süßen ist Gleitzeit, da kann sich der Konstruktionsleiter seine Arbeit einteilen. „Aber reinarbeiten muss ich die Fehlstunden natürlich.“

Unser Blut und seine Bestandteile

Ein Erwachsener hat 4,5 bis 6 Liter Blut im Körper. Rund 55 Prozent machen das flüssige Blutplasma aus. Im Plasma werden für den Stoffwechsel der Zellen benötigten Energielieferanten wie Zucker, Fette und Mineralien sowie Hormone, Spurenelemente und letztendlich auch die Blutzellen transportiert.
Zu den festen Blutzellen gehören

Erythrozyten: Sie sind für den Transport von Sauerstoff von der Lunge zu den Zellen und den Abtransport des Abfallproduktes  Kohlendioxid  zur Lunge zuständig.

Thrombozyten, auch Blutplättchen genannt, sind für die Blutgerinnung und den Wundverschluss verantwortlich.

Leukozyten oder weiße Blutkörperchen sind die Gesundheitspolizei im Körper, die körperfremde Krankheitserreger angreift oder Antikörper gegen die Erreger bildet.

Bei Blutzellspenden werden über eine Zentrifuge nur einzelne  Bestandteile aus dem Blut gefiltert und das Restblut dem Körper direkt wieder zurückgeführt. Bei der sogenannten Apherese verliert der Spender nur zwischen 50 und 200 Milliliter Blut, bei der normalen Blutspende sind es 500 Milliliter.

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