Rechberghausen Verkehr im Schurwald: „Alleine geht es nicht“

Aus dem Rathaus blickt man direkt auf die sich durch den Ort schiebenden Fahrzeuge. Und der Verkehr nimmt weiter zu, zeigen Studien.
Aus dem Rathaus blickt man direkt auf die sich durch den Ort schiebenden Fahrzeuge. Und der Verkehr nimmt weiter zu, zeigen Studien. © Foto: Giacinto Carlucci
Rechberghausen / Kristina Betz 06.07.2018
In Rechberghausen wurde das Verkehrsproblem im Ort beraten. Alleine komme man nicht weiter, ist man sich einig.

Wenn es um das Thema Verkehrsbelastung geht, wird es emotional – ganz besonders im Rechberghäuser Gemeinderat. Der Ort kämpft seit Jahren mit Staus. Besonders die Anwohner leiden unter dem Verkehrschaos. „Wenn es so weitergeht, stellen mein Nachbar und ich unsere Autos quer“, droht Hermann Bäuchle in der Sitzung. Er ist Anwohner der Faurndauer Straße und genauso wütend wie Hermann Thonhofer. Er plädiert zu Beginn  der Sitzung für einen Tunnel durch den Ort und stellt seine Pläne vor. „Seit über 20 Jahren mache ich an der Sache rum und es tut sich nix“, sagt er in Richtung Verwaltung und Gemeinderat. Die reagieren mit Verständnis.

„Ja, ein Tunnel wäre die beste Lösung“, sagt Bürgermeisterin Claudia Dörner. Mehrheitlich einig ist man sich in Rechberghausen, dass eine große Lösung ohne Hilfe kaum machbar ist. „Als Gemeinde schaffen wir es ohne Hilfe nicht“, macht Dörner mehrfach deutlich. Sowohl Wäschenbeuren als auch Birenbach und die Stadt Göppingen brauche man als Partner im Boot. „Denn wir haben hier ein Problem der ganzen Raumschaft, nicht bloß von Rechberghausen“, betont Markus Malcher von den Unabhängigen Bürgern. Nicht nur er widerspricht der Stadt Göppingen, deren Oberbürgermeister Guido Till festgestellt hatte, dass Rechberghausens Verkehrsproblem „hausgemacht“ und dem „viel zu kleinen Kreisverkehr“ geschuldet sei.

Auch Claudia Dörner wundert sich über diese Aussage und verweist auf das Untersuchungsergebnis der „Modus Consult“, das 2016 feststellte, dass eine Verbreiterung der Kreiselfahrbahn keine „rechnerische Leistungssteigerung“ erbringen würde. Gleichzeitig gebe man zu, dass der Kreisverkehr Defizite habe. „Eine bauliche Anpassung ist jedoch nicht möglich“, gibt Claudia Dörner zu bedenken.

Das große Problem sei auch, dass das Verkehrsproblem in Rechberghausen seit Jahren nicht in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird, legt Thomas Möck von der SPD den Finger in die Wunde. Das sei „ein schmerzlicher Aspekt“, pflichtet auch Markus Malcher bei und findet: „Das hätte uns richtig weitergeholfen.“ Ein „Teilerfolg“ wurde die im Herbst beginnende Sanierung der Krettenhofstraße genannt. So könne man den „alternativen Streckenabschnitt“ zumindest „stabilisieren“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Viel Kritik wurde am Konzept der Schurwaldquerungen geäußert, das im Frühjahr 2012 in Kraft trat. Einigkeit herrschte darüber, dass man die Einschätzung des Regierungspräsidiums (RP) 2013 nicht teilen könne. Das RP stellte damals fest, dass die Ziele des Konzeptes erreicht seien und es gelungen sei, den „weiträumigen Schwerlastverkehr auf die Bundesautobahnen zu lenken“. Die Einschätzung der Rechberghäuser sei eine andere: Der Verkehr habe seit der Umsetzung „merklich zugenommen“, stellt die Bürgermeisterin fest und stößt damit auf Zustimmung bei den Gemeinderäten. „Das Lenkungskonzept ist gescheitert, das wurde alles auf unserem Rücken ausgetragen“, bestätigt Malcher (UB).

Eine innerörtliche Lösung gibt es nicht, ist sich auch Franz Steeb (CDU) sicher. Er bringt eine Umfahrung über die B 10, den Stauferpark, den Krettenhof, um Wäschenbeuren herum auf die B 29 ins Spiel. „Das wäre die billigste Lösung, ohne große Brücken oder Tunnel“, so Steeb in der Sitzung.

Einen ganz anderen Aspekt spricht Martina Zeller-Mühleis (Grüne) an. „Jeder will die Umfahrung, ein solches Bauprojekt geht aber immer auf Kosten von anderen Gemeinden und Landschaften, die verbaut werden.“ Wichtiger sei, zu überlegen, wie man mit dem Verkehr umgeht. Über 80 Prozent seien innerörtlichem Verkehr zuzuschreiben. Aber auch für die Grünen-Fraktion im Gemeinderat ist klar: „Der Tunnel wäre nach wie vor die Ideallösung.“

Hermann Thonhofer hört das gerne. Er verfolgt die Diskussion gespannt, macht sich immer wieder Notizen. Man habe die Lösung verschlafen, mahnt er in seinem Redebeitrag zum Beginn der Sitzung. Bereits 1994 habe es erste Gespräche gegeben. „Es gehen viel Zeit, Geld und Nerven jeden Tag verloren auf der B 297.“

So geht es nach der Beratung weiter:

Info Bei einer Bürgerinformationsveranstaltung im Herbst sollen mit den betroffenen Kommunen und Verkehrsexperten Problemlösungen diskutiert werden. Es soll auch ein Experte dazugezogen werden, der die Verkehrsströme misst und bewertet.

Zahlen Nach dem Vorbild Wäschenbeurens will auch Rechberghausen jetzt „Echtzahlen, keine Rechenzahlen“ erheben.

Tunnel Das „Tunnelansinnen“ soll weiterverfolgt werden. Genauso die Reaktivierung der Bahntrasse.

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