Rechberghausen / ARND WOLETZ/sas Beim Absturz eines Sportflugzeugs in einem Wohngebiet in Rechberghausen ist am Sonntag gegen 16 Uhr der Kunstflieger Wolfgang Dallach und eine Frau ums Leben gekommen.

Die Gärten von zwei Häusern am Rande des Wohngebiets Sonnenberg in Rechberghausen sind von Trümmern übersät. Überall Feuerwehrautos, auf der Wiese Richtung Oberhausen steht ein Polizeihubschrauber. Auch knapp eine Stunde nach dem verheerenden Unglück auf dem Sonnenberg in Rechberghausen, liegt noch der Geruch von Flugbenzin in der Luft.

Ewald Wegerer, der in einem Einfamilienhaus in der Albstraße am Ortsausgang wohnt, ist der Schreck noch anzumerken. Er habe auf dem Sofa gesessen und gelesen, erzählt der 53-Jährige. Da habe ein ohrenbetäubender Krach ihn hochgeschreckt. Als er zum Wohnzimmerfenster hinausschaute, habe er nur gesehen, dass sein Garten voller Flugzeugtrümmer liegt. Sofort habe er seine Partnerin alarmiert, die sich ebenso im Haus befand wie deren 15-jährige Tochter und eine Freundin.

Kunstflieger Wolfgang Dallach abgestürzt

Nach dem ersten Schock eilte das Paar ins Freie. Zusammen mit anderen Nachbarn und herbeieilenden Passanten entdeckten sie schließlich zwei tote Insassen zwischen den Trümmern und Hauswänden und versuchten, erste Hilfe zu leisten, erzählt Ewald Wegerer. Es sei jedoch gleich klar gewesen, dass diesen Menschen nicht mehr zu helfen ist, sagen die beiden Augenzeugen

Die Polizei bestätigte am Sonntagabend, dass die beiden Insassen aus dem Ost-Alb-Kreis, der 63-jährige Pilot und seine 49-jährige Begleiterin, beim Absturz der Maschine gegen 16 Uhr getötet wurden. Bei dem Piloten handelt es sich nach Informationen unserer Zeitung um den in Fliegerkreisen bekannten Kunstflugpiloten und Konstrukteur Wolfgang Dallach*. Der 63-Jährige war zweimaliger  Vize-Europameister mit seinem Flugzeug „Diabolo“ . Bei den Flugtagen auf dem Messelberg bei Donzdorf und auf der Hahnweide bei Kirchheim begeisterte er häufig die Zuschauer mit seinen Flugkünsten. 

Rudi Bauer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ulm, sagte am Sonntagabend zum Unfallhergang, dass die einmotorige Piper aus Richtung Birenbach über die Felder gekommen sei. Das Flugzeug habe die Graf-Degenfeld-Straße überquert und eine Laterne touchiert. Dann rammte das Flugzeug das erste Obergeschoss eines Wohnhauses, riss Teile des Balkongeländers ab. Anschließend prallte die Maschine mit große Wucht gegen die Garage eines weiteren Hauses in der Albstraße. Schließlich bleibt das Wrack an der Mauer eines daneben stehenden dritten Gebäudes liegen. Bewohner der beschädigten Häuser oder andere Menschen seien glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen, sagte Bauer.

Kreisbrandmeister Dr. Michael Reick sagte am Sonntag, außer der Garage, die die Hauptwucht des Aufpralls abbekommen habe, sei keines der Gebäude einsturzgefährdet. In die Garagen-Wand habe das Flugzeug aber ein etwa drei Quadratmeter großes Loch gerissen. Es sei großes Glück, das es sich nicht um ein Wohngebäude handele.

Ursache derzeit unbekannt

Beim Eintreffen der Einsatzkräfte sei es zunächst darum gegangen, Brandgefahr auszuschließen und die Zahl der Opfer festzustellen, so Reick. Das Flugzeug habe mehr als zwei Sitze gehabt, deshalb sei zunächst nicht sicher gewesen, ob weitere Menschen in den Trümmern liegen.

Über die Ursache des Absturzes konnte die Polizei am Sonntag nichts sagen. Die Piper war nach ersten Ermittlungen gegen 15.30 Uhr in Heubach zu einem Rundflug gestartet. Die Experten der Bundesanstalt für Flugsicherheit aus Braunschweig seien an den Absturzort geeilt und hätten die Ermittlungen aufgenommen, so Rudi Bauer.

Ewald Wegerer, in dessen Garten die Flugzeugtrümmer lagen, sagte, er sei sicher, dass von der Maschine vor dem Absturz kein Motorengeräusch zu hören war. Nach bisher unbestätigten Angaben sollen weitere Zeugen berichtet haben, dass die Maschine bereits über Birenbach ins Trudeln geraten sei.

Die Feuerwehren von Göppingen, Birenbach und Rechberghausen waren mit über 65 Mann im Einsatz. Die Unglücksstelle wurde nach Polizeiangaben in der Nacht von der Bereitschaftspolizei ausgeleuchtet und abgesperrt. Die Gutachter werden bei Tagesanbruch genauere Untersuchungen vornehmen. Die Bergung der Flugzeugteile in den Vorgärten soll erst danach erfolgen. 

Den entstandenen Schaden bezifferte die Polizei am Sonntag auf 100.000 Euro an den Gebäuden und weitere 100.000 Euro am zerstörten Flugzeug.

Auch Rechberghausens Bürgermeister Reiner Ruf war am Sonntag zum Unfallort geeilt. Er sei bestürzt, sagte der Ratshauschef. Denn bis kurz vor dem tragischen Unfall habe die Schurwaldgemeinde noch fröhlich gefeiert. Eine halbe Stunde zuvor war der große Umzug des Narrensprungs zu Ende gegangen.
 



* Text aktualisiert am Montag, 19.01.2015 um 10.25 Uhr.