Jubiläum Beim Fasching hat’s gefunkt

Stefanie und Thomas Ingerl sind seit 65 Jahren ein Ehepaar.
Stefanie und Thomas Ingerl sind seit 65 Jahren ein Ehepaar. © Foto: Sabine Ackermann
Ebersbach / Sabine Ackermann 18.08.2018

Am Sonntag ist es genau 65 Jahre her, dass sich Thomas und Stefanie Ingerl in der Herz-Jesu-Kirche Ebersbach das Jawort gaben und anschließend im damaligen „Bären“ in Bünzwangen feierten. „Gefunkt hat´s glei“, verrät der Jubilar, als er beim Fasching zum ersten Mal die sechs Jahre jüngere Stefanie zum Tanzen aufforderte. Mit zwei Kameraden sei er von Weiler zur Turnhalle Bünzwangen gelaufen, erinnert er sich und gibt mit verschmitztem Lächeln zu: „Bereits am Sonntag danach bin ich vor ihrem Haus vor Aufregung ständig hin- und her spaziert.“ Die Wurzeln des 92-Jährigen liegen in Rausenbruck, die südmährische Gemeinde heißt heute Strachotice und gehört zu Tschechien. Mit 17 Jahren wurde Thomas Ingerl eingezogen, im Folgejahr im Osten verwundet und kam nach Luxemburg in Gefangenschaft. Nach ihrer Vertreibung fanden seine Eltern und drei von vier Brüdern – der Älteste ist gefallen – in Weiler eine neue Heimat. Nach vier Jahren Freiheitsentzug fand Thomas Ingerl im Dezember 1948 dort ebenfalls sein Zuhause. Gemeinsam mit seiner Frau Stefanie baute er 1958 in Bünzwangen das Haus, wo sie heute noch wohnen und insbesondere ihren schönen Garten genießen und, so gut es noch geht, hegen und pflegen.

„Mit eigenem Gemüse und Obst habe ich lange Zeit sehr gerne eingeweckt und gekocht, am liebsten Buchteln oder Powidldatschgerl aus meiner Heimat“, erzählt der quirlige Jubilar stolz, der sich nie zu schade war, auch im Haushalt mit anzupacken. Nach und nach kamen Beate, Ute und Rosemarie auf die Welt, die ihren Eltern sechs Enkel und diese wiederum ihren Großeltern drei Urenkel schenkten.

Ein schlimmer Schicksalsschlag war der Tod ihrer mittleren Tochter Ute, die Älteste lebt in Schlat und die Jüngste kümmert sich rührend um ihre Eltern, vorrangig um die leicht demente und gehbehinderte Mutter. „Unsere Beate wohnt direkt über uns“, sagt Thomas Ingerl und ist sehr froh darüber. Trotz vier Bypässen, die er bereits 1989 bekommen hat, ist er „gesundheitlich zufrieden, mir geht es soweit gut“. 42 Jahre lang, bis zur Rente 1998, hat er bei Zinser Texma die Maschinen bedient. Stefanie Ingerl habe anfangs in der Schwäbischen Textilfabrik und später, als die Kinder größer waren, beim Gurken-Kauffmann als Saisonarbeiterin die Haushaltskasse aufgebessert. „Wir haben eine gute Ehe, brauchen uns für nichts zu schämen“, betont Thomas Ingerl und seine Frau Stefanie – die Stillere von beiden – nickt. Auch wenn das Geld immer knapp bemessen war, hatte das Ehepaar früher viel Freude an Kurzreisen nach Mallorca, in die Ukraine oder nach Norwegen.

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