Schunkeln, Singen, Klatschen, Lachen, Staunen, Wundern – dafür steht die 98. Prunksitzung der Fasnetsgesellschaft Wiesensteig. Wenn diese sechs Attribute zusammentreffen, dann ist die Fasnet Wiesensteig voll im Gange. Zum Schunkeln, Singen und Klatschen motivierten bestens die Wiesensteiger Straßenmusikanten und die Musikkapelle Melody, da hielt es keinen Zuschauer mehr auf dem Stuhl. Staunend und durchaus bewundernd schaute das Publikum den Tänzen der drei Garden zu: Hoch die Beine beim französischen Tanz Cancan, bei der Spagatpirouette und dem eingesprungenen Spagat – diese Choreografie präsentierte die Prinzengarde mit perfektem Dominoeffekt. Jubelnder Beifall war ihr verdienter Lohn.

Die Sweeties verführten mit einem Showtanz mit choreografischen Bildern in den Urwald. Gewundert dürfte sich das Publikum bei der Travestieshow von Emily Island haben, wie Emily es schaffte, im fedrigen Negligé auf hochhackigen Stilettos einen lasziven Tanz auf die Bühne zu bringen. Obendrein sang sie mit großartiger Stimme, etwa den Song „Ich würd es wieder tun“. Moderator und Vizepräsident Christoph Baumeister, der souverän durch den Abend führte, war bei der Verabschiedung von Emily nur kurz aus dem Konzept geraten. „Nenn mi ned Schatz, des fänd i scho irgendwie komisch“, flachste er und das Publikum im quasi ausgebuchten Residenzschloss johlte.

Prinzenpaar stellt sich vor

Spätestens jetzt war die Stimmung am Siedepunkt angelangt, wohlwollend beobachtet vom Prinzenpaar Jenny und Michael und dem Hofnarr Heiko. Die drei hatten sich eingangs den Wiesensteigern vorgestellt: Der Wirtschaftsinformatiker, der die Weltmetropole New York für den Prinzenmantel hinter sich ließ, die nichtschwäbische Partymaus, die grad Schwäbisch lernt – „des isch ed verkehrt“ – und der Banker Heiko, der gerne Schabernack treibt und „auf jeder Party der Letzte ist“.

Nicht fehlen durfte der Sketch mit Ingrid Wacker und Georg Schirling von den Wiesensteiger Theaterfreunden. Sie kitzelten die Lachmuskeln mit Plänen zur Silberhochzeit. Überraschung gelungen – das muss man dem sportlichen Männerballett des TSV zugestehen: Sie surften und schwammen als die „Filsretter“ auf eine Welle aus rollenden Körpern.

Der Biber wirbt für Zahnpasta

Da das Publikum an diesem Abend doch tatsächlich auf eine Büttenrede verzichten musste, weil sich kein Redner gefunden hatte, nahm sich der Elferrat der politischen Themen Wiesensteigs an. Christoph Baumeister zappte sich durch das TV-Programm und landete stets bei noch bizarreren Werbeclips. Für „Parship“ schippten sie Schnee, der sich heuer außergewöhnlich hoch an den Wiesensteiger Straßen türmte; der „schreckliche Biber des Jahres“ wurde zum Modell bei der Zahnpasta-Werbung. Und in der Sendung „Rares gegen Bares“ wurden doch tatsächlich Parkplätze versteigert. Schaffen wir es oder nicht? Vor diese Frage stellten die Filstalhexen in ihrem 40. Jubeljahr die Zuschauer: Bei dem Ratespiel stellten sich die Hexen Aufgaben, und das Publikum sollte einschätzen, ob sie diese meistern. Die Auflösung gab’s per Videobeweis.

Info Eine weitere Prunksitzung ist am kommenden Samstag, 16. Februar, wieder im Schloss. Nur noch wenige Karten gibt es bei Schreibwaren Zimmermann oder, wer sein Glück versuchen mag, an der Abendkasse. Und dann, so verspricht es der Elferrat, gibt es auch eine Büttenrede.