Flugtag Begeisterung fürs Fliegen ist ungebrochen

Donzdorf / Birgit Rexer 18.08.2018
1928 wurde die Fliegergruppe Donzdorf gegründet. Die Leidenschaft für ihr Hobby geben die Mitglieder jedes Jahr beim Flugtag weiter.

Bei den Donzdorfern war das Fliegen schon immer ein Thema“, erzählt Franz Hummel. Er zeigt ein gerahmtes Bild von der Gründung der Fliegergruppe Donzdorf im Jahr 1928, das seinem Vater gehört hat. Vor der efeubewachsenen Fassade des Donzdorfer Schlosses haben sich die Mitglieder vor dem ersten Schulgleiter der Gruppe, einem SG28, aufgestellt. „Damals war mein Vater mit dabei“, erinnert sich Hummel, an die Erzählungen seines Vaters, der damals 14 Jahre alt war. Treibende Kraft bei der Vereinsgründung waren Josef Müller und Wilhelm Holl.

Perfekte Voraussetzungen für das Segelfliegen bot der Messelberg mit dem steil abfallenden Hang. „Wenn ein Flieger vom Messelberg gestartet war und im Tal landete, ist das halbe Dorf zusammengekommen, hat das Flugzeug auf einen Leiterwagen geladen und wieder auf den Berg raufgezogen“, berichtet Hummel von den Erinnerungen seiner Mutter. Gebaut wurden die Segelflugzeuge direkt vor Ort. „Wir wohnten in der Nähe der Schule und als Kind habe ich zugesehen, wie im Keller des Schulgebäudes an Tragflächen gearbeitet wurde“, berichtet Hummel. Für den nötigen Schwung beim Start sorgte anfangs ein Gummiband. „Manche haben es auch nicht über die Bäume geschafft. Die mussten dann aus den Wipfeln geholt werden“, berichtet Franz Hummel von der Anfängen der Fliegerei auf dem Messelberg. Hinzu kam, dass die Einsitzer für die Schulung von Fluganfängern nicht perfekt waren.

Während des Zweiten Weltkriegs kam die Fliegerei in Donzdorf zum Erliegen. Erst 1951 wurde der allgemeine Flugverkehr von den Alliierten wieder freigegeben und auch die Flieger in Donzdorf konnten wieder ihrer Leidenschaft nachgehen. Auf den Schulgleiter SG38 folgte als zweites Segelflugzeug ein Grunau Baby. „Das Grunau Baby ist heute noch flugfähig und im Besitz des Vereins. Es wird auch beim Flugtag Donzdorf zu sehen sein“, betont der 63-jährige Erich Kurz, der federführend bei der Vorbereitung des Flugtags ist.

Später wurde dann mit dem Doppelraab der erste Doppelsitzer angeschafft, der die Flugausbildung erheblich einfacher machte. In dem Segelflieger sitzt der Fluglehrer erhöht hinter dem Schüler und kann von hinten direkt den Steuerknüppel bedienen. Da es auf dem Flugfeld auf dem Messelberg noch keine Halle gab, waren die SG38 und der Raab in einem Stall in Donzdorf untergestellt. „Eines Tages hat mich mein Vater geweckt und gesagt: ‚komm mit’“, erinnert sich Franz Hummel. Obwohl die Vereinsmitglieder schnell vor Ort waren, konnten sie den Brand an dem Wohnhaus und der Scheune nicht mehr löschen. „Damals sind beide Flugzeuge verbrannt“, erinnert sich der 74-Jährige. So mussten die Mitglieder der Fliegergruppe Mitte der Fünfzigerjahre noch einmal von vorne anfangen.

Das neue Segelflugzeug war ein Scheibe Bergfalke II. Zudem erwarb der Verein ein Grundstück, auf dem eine neue Halle und eine Werkstatt gebaut wurden. „Die Flugzeuge wurden als Bausatz gekauft und dann vor Ort zusammengebaut“, erzählt Erich Kurz, der über den Modellflug zum Segelflug gekommen ist. Um Geld zu sparen, wurde möglichst viel selbst gemacht. Gestartet wurde inzwischen mit Hilfe einer Seilwinde. Mit dem neuen Flugzeug, einem Zugvogel III, konnten jetzt auch längere Strecken geflogen werden. „Damals war das ein Hochleistungsflugzeug mit einer Reichweite von 300 Kilometern“, erzählt Hummel. Nach Stationen in Schwäbisch Gmünd und im Norden wurde das Flugzeug von einem Privatmann gekauft und ist seit diesem Jahr wieder in Donzdorf.

Zu den Highlights des Segelflugs gehörte damals das Hochgebirgsfliegen in Frankreich. Mitte der 60er-Jahre hatte der Verein 33 Mitglieder. Ende der 60er-Jahre wurde der Flugplatz auf dem Messelberg, der bis dahin eine Buckelpiste war, mit Hilfe von Bergepanzern der Bundeswehr planiert. Zudem entstand 1968 die erste Flugzeughalle. 1998 wurde auf dem Messelberg die Fliegerhütte eingeweiht, die der Fliegergruppe als Vereinsheim dient. Josef Kotrba rief 1990 die Gruppe der „Alten Adler“ ist Leben.

„Ich durfte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fliegen und habe mir damals gedacht, das darf es nicht gewesen sein“, erinnert sich der 84-Jährige. Auf seinen Aufruf an alle aktiven und passiven Mitglieder über 50 Jahre meldeten sich zwölf Personen. Seitdem organisiert die Gruppe Ausflüge und Treffen. Außerdem gibt es jährlich ein Alte-Adler-Fliegen.

Flugtag wirft Schatten voraus

Event: Der Flugtag auf dem Messelberg findet am 25. und 26. August statt. Am Samstag liegt der Schwerpunkt auf dem Modellflug, abends ist „Fire in the Sky“ geplant. Der Sonntag steht im Zeichen des Kunstflugs mit und ohne Motor. Namhafte Flugkünstler werden ihre waghalsigen Kabinettsstückchen am Himmel über dem Messelberg vorführen. Auch Formationsflug und Fallschirmflieger werden zu sehen sein. Außerdem können die Besucher zu Rundflügen, entweder mit dem Hubschrauber, mit der Broussard oder den Vereinsmaschinen, abheben.

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