Medizin Sozialminister ist begehrter Gesprächspartner

Manfred Lucha
Manfred Lucha © Foto: dpa
Kreis Göppingen / Dirk Hülser 29.12.2017
Der Sozialminister kommt nach Göppingen. Es geht um das Thema Schlaganfall.

Gleich mehrfach werden sich zu Jahresbeginn Vertreter des Landessozialministeriums mit Verantwortlichen der Alb-Fils-Kliniken und des Christophsbads treffen. Es wird vor allem um die Zukunft der Schlaganfallversorgung im Landkreis gehen.

Nach einem aktuellen Gutachten hatte Sozialminister Manne Lucha (Grüne) entschieden, dass künftig alle Schlaganfall-Patienten ins Christophsbad müssen. 250 der rund 900 Fälle werden bislang in der Klinik am Eichert behandelt. Die will sich mit Luchas Beschluss nicht abfinden, der Bescheid aus Stuttgart soll den Beteiligten aber nach den Gesprächen  zugestellt werden. Unterredungen mit Vertretern beider Kliniken sind noch nicht terminiert.

Am 9. Januar wird sich Bernhard Wehde, Geschäftsführer des Christophsbads, auf den Weg ins Sozialministerium machen, um über das Schlaganfall-Thema zu reden. Einen Tag später sind dann Vertreter der Alb-Fils-Kliniken – die kreiseigene GmbH betreibt die Geislinger Helfenstein-Klinik und die Klinik am Eichert  – nach Stuttgart eingeladen.

Schon einen weiteren Tag später, am 11. Januar, kommt Lucha dann nach Göppingen. „Zu dem Gespräch hatte ich ihn eingeladen“, sagt Landrat Edgar Wolff, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der kreiseigenen Alb-Fils-Kliniken ist. „Damit der Minister sieht, was wir tun.“ Es werde um die Themen Neubau, Medizinkonzept und wirtschaftliche Konsolidierung gehen – und auch um die Schlaganfallversorgung.

Wenn der Minister kommt, will das Christophsbad nicht hinten anstehen: „Er kommt am 11. Januar auch zu uns“, sagt Geschäftsführer Wehde. „Ich habe ihn mündlich eingeladen, denn ich sehe ihn ja hin und wieder.“ Auch Wehde will sein Krankenhaus präsentieren: „Es geht um die Psychiatrie, das Entlass-Management, er bekommt die Eltern-Kind-Station gezeigt und die Radiologie.“ Ursprünglich war Wehde gar nicht informiert worden, dass Lucha die Klinik am Eichert besucht: „Ich war ein bisschen überrascht, dass er kommt. Der Termin muss, soweit wir das wissen, schon länger stehen.“

Wie geht es dann weiter im Streit um die Zukunft der Schlaganfall-Versorgung? Wehde sagt: „Später wird es einen gemeinsamen Termin mit dem Ministerium geben.“ Dem pflichtet Landrat Wolff bei: „Es geht nach dem Fahrplan des Ministeriums und wird dann auch gemeinsame Gespräche geben.“ Dass Lucha anschließend neu entscheidet, ist allerdings unwahrscheinlich. Das Ministerium hat bereits durchblicken lassen, dass nach 15 Jahren Diskussion nun so verfahren wird, wie Lucha entschieden hat: Schlaganfälle werden, mindestens in den kommenden zwei Jahren, im Christophsbad behandelt.

Über Weihnachten 14 Patienten mit Schlaganfall

Notfälle Über die Weihnachtstage zwischen dem 23. und 26. Dezember wurde im Christophs­bad bei 14 Patienten ein Schlaganfall diagnostiziert.

Therapie Bei vier dieser Patienten bestand Grund zu einer sogenannten Lyse-Behandlung (Auflösung des Blutgerinnsels durch ein Medikament), bei zwei Pa­tienten musste und konnte das Gerinnsel (Thrombus) mit dem Katheter aus dem Hirngefäß entfernt werden (Thrombektomie). Die Thrombektomie wird im Christophsbad seit 2010 angewendet. Sie ist in der Regel nur in Großstädten oder Universitätskliniken in den  überregionalen Stroke Units (Schlaganfalleinheiten) möglich.

Fallzahlen Im Jahr 2016 wurden im Christophsbad 678 Patienten mit Schlaganfall behandelt, davon 113 mit einer Thrombolyse, 44 mit einer Thrombektomie.

Verlegung Im gleichen Zeitraum wurden in der Klinik am Eichert 250 Schlaganfälle diagnostiziert. 20 Mal wurde eine Thrombolyse vorgenommen. Da es laut dem Gutachter Professor Darius Günther Nabavi in der Klinik „keine separate Dokumentation der Verlegungszeiten“ gibt, kann er die Zahl der Patienten, bei denen eine Thrombektomie notwendig war, nur schätzen. Er geht „nach intensiver Recherche“ von „circa fünf Verlegungen ins Christophsbad“ aus, da dieser Eingriff nur dort möglich ist.

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