Integration Begegnungen von Mensch zu Mensch

Das Grillfest ist eines von vielen Mosaiksteinchen auf dem Weg zur gelingenden Integration.
Das Grillfest ist eines von vielen Mosaiksteinchen auf dem Weg zur gelingenden Integration. © Foto: Andrea Maier
Uhingen.  / Andrea Maier 20.08.2018

Moumen beobachtet ­jeden Handgriff ganz genau. Thea Stephan, die hauptberuflich die Kita Schmiedefeld leitet und sich um Sprachförderung in den Uhinger Kindergärten kümmert, schneidet Gemüse. Ute Langer hackt Anzündholz klein und wuchtet mit Elfie Weber den Grillrost zurecht. Sonja Riesner-Hendlmeier schaut auf die sich ständig mehrenden Schüsseln auf der Bierbank beim CVJM-Häuschen. Dort treffen sich die Frauen und Männer von Refugiu, dem Uhinger Begleiterkreis für Geflüchtete,  heute zum Grillnachmittag.

Ziel ist Hilfe zur Selbsthilfe

„Wir sind gut strukturiert“, sagt sie und meint nicht nur das perfekt vorbereitete Grillfest. Um sich nicht zu verzetteln, so Thea Stephan, sei ein Organigramm für alle Haupt- und Ehrenamtlichen erstellt worden. Sprachförderung, Gesundheit, Beschäftigung und Arbeit, Unterkunft, sowie das offene Café mit Kinderbetreuung und einer Kreativgruppe sind die sechs Säulen des Engagements der rund 60 Ehrenamtlichen, die sich bereit erklärt haben, den mehr als  200 geflüchteten Menschen zu helfen.

Sieben oder acht Personen kümmern sich um jeweils zwei bis drei Familien. Nein, nicht kümmern. „Wir bieten unsere Hilfe zur Selbsthilfe an. Die Leute soweit zu begleiten, dass sie sich selbst kümmern, das steht für uns an erster Stelle“, stellt Elsbeth Seiser richtig. Die agile Seniorin war für die mittlerweile geschlossene Sammelunterkunft in Nassachmühle zuständig, sprich: sie hatte dort so ziemlich alles im Blick, was das Zusammenleben einander fremder Menschen in der fremden Kultur eines fremden Landes anbelangt. Viele der ehemaligen Bewohner haben mithilfe der Ehrenamtlichen eine sogenannte „Anschlussunterkunft“ gefunden. „Anfangs, im Frühjahr 2016, als vorwiegend zutiefst erschütterte Menschen aus Syrien und Afghanistan kamen, waren wir selbst oft schockiert“, berichtet Günther Heimsch über die Anfänge des Begleiterkreises. Der Sozialarbeiter im Ruhestand engagiert sich seither insbesondere für die Sprachförderung. Während einige von bewegenden Einzelschicksalen, von Höhe- und Tiefpunkten ihres mitmenschlichen Engagements berichten, malt Moumen stolz seinen Namen. „Die Kinder sind höchst motiviert“, Günther Heimsch ist fasziniert von der Lernenergie der Kinder und Jugendlichen, die oft als Dolmetscher für die Erwachsenen fungieren müssen.

Martina Bartos eilt lachend herbei: „Die Damen wollten sich noch hübsch machen.“ Sie entschuldigt sich für die Verspätung und stellt Gladis, Queen und Maria vor. Die jungen Frauen sind unsicher, kennen niemand, halten sich fast an dem Neugeborenen fest, das Gladis auf dem Arm hält. „Kinder sind oft eine Brücke“, weiß Martina Bartos. Die Verwaltungsangestellte der Stadt Uhingen ist neben den Integrationsmanagern des Landkreises haupt- und ehrenamtlich engagiert: Kontakte knüpfen, Nähe gewinnen, zum Miteinander einladen, ermuntern, unterstützen.

Alltagskultur ist wichtig

„Sprache ist der Schlüssel,“, betont Martina Bartos, „doch auch unsere Alltagskultur, zum Beispiel Pünktlichkeit, können wir im Miteinander viel besser an die Menschen bringen.“ Vater Husseini hilft Werner Lorenz am Grill, während seine Frau und die Kinder fröhlich den Tisch mit Schlemmereien füllen. „Es ist schön, so eine Gruppe, die gemeinsam etwas schafft, das trägt“, Martina Bartos, die Refugiu mit initiiert hat, lächelt still, während Moumen genau guckt, wie Thea Stephan Senf auf eine Grillwurst streicht.

Das Grillfest ist nur eine von vielen Unternehmungen, bei denen Hiesige und noch Fremde Kontakt finden können. Alltagssituationen miteinander zu erleben und dabei ganz ungezwungen voneinander zu lernen, ist ein wertvoller Schritt zu mehr Verständnis und zu gelingender Integration.

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