Eislingen Begegnung mit der Kindheit

Der Bildhauer Bruno Raetsch bevorzugt Holz und Papier als Material für seine Arbeit - zumindest für die Werke dieser Ausstellung.
Der Bildhauer Bruno Raetsch bevorzugt Holz und Papier als Material für seine Arbeit - zumindest für die Werke dieser Ausstellung. © Foto: Kunstverein Eislingen
PM 20.02.2016
"Er erobert die Materie, ohne ihre charakteristische Eigenheiten zu nehmen", sagt ein Kunsthistoriker über die Arbeiten von Bruno Raetsch. Der eröffnet die Ausstellungen des Kunstvereins Eislingen.

"Bilder wachsen um mich herum./ Kompositionen verändern sich von einem zum anderen Tag./ Arbeiten werden verschoben, neu kombiniert oder weggeschmissen./ Das sind meine, an mir selbst, an meinen Stellvertretern/ vorgenommenen Korrekturen." So beschreibt Bruno Raetsch, der Künstler, der das Ausstellungsprogramm des Eislinger Kunstvereins eröffnet, seine Arbeit.

Bruno Raetsch kennt die Räume seit seiner Beteiligung an der 6. Biennale der Zeichnung 2014, nun kann er sie alleine nutzen und gestalten: Wieder wird die Galerie in der Alten Post eine ganz eigene Atmosphäre erhalten. Bruno Raetsch fährt fort: "Zorn und Harmoniesucht lassen sich gut in Holz oder Papier verpressen" und betont, dass er die Themen seiner Werke nicht in der Ferne sucht: "Das sind die unablässig weiter wachsenden Landschaften meiner Kindheit./ Für die muss ich nicht weit reisen./ Ich hab sie immer bei mir."

Der Kunsthistoriker und Kritiker Maurizio Vanni charakterisiert Raetschs künstlerische Motivation so: "Als Zeuge der eigenen Zeit hat er ein Ausdrucksmittel gewählt, das ihm erlaubt kämpferisch zu sein, mit der Kunst den eigenen historisch-existentiellen Moment zu leben. Der Ansatz ist immer etwas schmerzhaft und oft aggressiv: Er erobert die Materie, ohne ihr ihre charakteristischen Eigenheiten zu nehmen. In ihm ist der expressionistische Versuch, sich von der Schwere des Holzes zu befreien, und zwar durch immer rauere Oberflächen, Schnitte, Löcher, Einkerbungen, Kratzer und manchmal einen pechschwarzen Strich, der Physiognomien hervortreten lässt, entschlossen und provisorisch zugleich, die seinen Gestalten in eine mystische Innerlichkeit verleihen."

Bruno Raetsch wurde 1962 in Neuß geboren und wuchs in Potsdam auf. 1988 bis 1995 studierte er Bildhauerei an der Kunsthochschule Halle/Burg Giebichenstein, seit 2009 hat er eine Professur für Bildhauerei an der Kunsthochschule Halle/Burg Giebichenstein. Er lebt und arbeitet in Dresden. Die Vernissage findet am Freitag, 26. Februar, um 20 Uhr statt. Zur Einführung spricht Christian Gögger aus Esslingen. Bruno Raetsch ist bei der Vernissage anwesend.

Info Die Ausstellung vom 27. Februar bis zum 27.März ist in der Galerie in der Alten Post, Eislingen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 16 bis 18 Uhr, Sonntag und Feiertag von 14 bis 18 Uhr. Eintritt ist frei.