Theater Bedrückend aktuelle Botschaften

Donzdorf.  / Annerose Fischer-Bucher 14.05.2018

Erschreckend aktuell war das Spiel um die „Troerinnen“, das schon der antike Schriftsteller Euripides im 5. Jahrhundert vor Christus auf die Bühne gebracht hat. Er hatte damals vergeblich die Athener vor einem Krieg gegen die Sizilianer gewarnt, der in einer Katastrophe endete. Und er hat den Helden des Trojanischen Kriegs, Odysseus, und weitere Krieger, wie sie noch von Homer im 8. Jahrhundert vor Christus besungen wurden, zu Zerrbildern von Helden gemacht. Die Layertruppe Mannheim unter der Regie von Eva Layer folgte in weiten Teilen dem inhaltlichen Konzept des griechischen Dichters, hat es jedoch szenisch frei bearbeitet und aktualisiert. Die Gruppe brachte zudem ihre multikulturelle Vielfalt ein, denn die 16 Schauspieler besitzen meist einen Migrationshintergrund. Chorische Teile der Frauen ergänzten sich mit identifizierendem Spiel der einzelnen Figuren, die ständig zu erzählenden oder kommentierenden Passagen wechselten wie im antiken Chor üblich, was Distanz erzeugte.

Am beeindruckendsten waren die Klageszenen der troischen Frauen, die als Kriegsbeute zwischen den Ruinen des zerstörten Troja und den Schiffen der griechischen Sieger auf ihre Verschleppung warten. Einige Schicksale wurden besonders herausgehoben: das der alten trojanischen Königin Hekabe (Nil Kikik), das ihrer Tochter Kassandra (Aysegül Özbay), die als Seherin und Priesterin die Irrfahrten des Odysseus voraussagt, und die Opferung von Polyxena (Serena Fattiroso) durch die Griechen. Bedrückend auch das Schicksal der Hektorgattin Andromache (Deniz Özbay), deren kleiner Sohn auf Betreiben von Odysseus (Fatih Peker) getötet wird, was dessen persönliche Bestialität zeigt.

Mehrere Botschaften des Schlag auf Schlag gespielten Stücks waren bedrückend aktuell: Vergewaltigungen sind von jeher ein Mittel der Sieger. Denn der Krieg  bringt das Dunkelste im Menschen hervor, nicht nur bei Männern. Die Sieger verschleiern durch Scheinheiligkeit ihre Absichten, aber man kann sie an ihren Taten erkennen, was der Bote Talthybios, grandios gespielt von Fatih Peker, mehrfach erkennen lässt. Die gesamte Truppe erbrachte eine respektable Leistung und zeigte die Vorläufigkeit eines triumphalen Sieges. Jean Paul Sartre, einer der vielen Bearbeiter des Stoffes, lässt in seiner Version von 1965 den Gott Poseidon – die Götter spielten in der Donzdorfer Aufführung nur eine marginale Rolle – sagen: „Führt nur Krieg, ihr blöden Sterblichen, verwüstet nur die Felder und die Städte … und foltert die Besiegten. Ihr werdet dran verrecken. Alle.“

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