Bad Boll Bedarf an neuen Wohnformen wächst

Bad Boll / PM 07.07.2014
Impulse zum generationenübergreifenden Wohnen gab die dritte Demografie-Tagung des Sozialministeriums in der Evangelischen Akademie Bad Boll.

"Außerfamiliäre Bindungen werden wichtiger für alle Generationen", sagte Ministerin Katrin Altpeter, die die Tagung in Bad Boll vor 170 Vertretern aus Kommunen, Verbänden, Politik, Planungs- und Architekturbüros, aus der Bau- und Wohnungswirtschaft sowie bürgerschaftlich engagierte Menschen eröffnete. Der Bedarf an generationenübergreifenden Wohnformen werde auch im Land weiter wachsen. Dieser steigenden Nachfrage stünden noch zu wenige Angebote gegenüber. Die Ministerin lobte die guten Beispiele neuer Wohnformen im Land. Sie warb aber auch dafür, "sich von der Aufbruchsstimmung und Begeisterung auf der Tagung anstecken zu lassen".

Die Zahl der Haushalte werde weiter wachsen, prognostizierte Roland Vogelmann von der Bausparkasse Schwäbisch Hall und der Schwäbisch Hall Stiftung "bauen - wohnen - leben". Damit steige auch die Wohnungsnachfrage. Seit Mitte der 90er Jahre sei der Wohnungsbau jedoch schwierig geworden - was sich auf die Preise von Mieten und Immobilien auswirke. Das Leitbild müsse so heißen wie das Motto der Tagung: "Wohnen für Alle". Heute lebten bereits 53 Prozent im Eigenheim. Obwohl es auch mit einem Einkommen von 2000 bis 2500 Euro mit 51 Prozent relativ viele Immobilieneigentümer gebe, stünden den Haus- und Wohnungsbesitzern im Land 11 200 Wohnungslose gegenüber. Der Bedarf an preisgebundenen Sozialwohnungen liege bei 300.000 bis 400.000, zurzeit gebe es jedoch nur 65.000.

Ein Modell vom Kaiserstuhl: Dort hat der Verein "Bürgergemeinschaft Eichstetten" Mitte der 90er Jahre betreutes Wohnen, Kernzeitbetreuung und integratives Tagescafé im Dorf in die Hand genommen - unterstützt durch ehrenamtliche und bezahlte Kräfte. Gemeinsam mit den Angehörigen, unter Trägerschaft des Vereins, gesteuert durch die Gemeinde und bei der Fachpflege unterstützt durch die Sozialstation, gilt das Projekt ein erfolgreiches Beispiel, wie nachbarschaftliche Netzwerke Verantwortung übernehmen. Altbürgermeister Gerhard Kiechle: "Das Dorf übernimmt den Generationenvertrag."