Aichelberg Bauwerke gestern und heute

Präsentation im Schatten: Am Fuße der Stützmauer der alten Autobahntrasse bei Aichelberg erzählte Gästeführerin Maria Stollmeier (links) von der ehemaligen A-8-Route.
Präsentation im Schatten: Am Fuße der Stützmauer der alten Autobahntrasse bei Aichelberg erzählte Gästeführerin Maria Stollmeier (links) von der ehemaligen A-8-Route. © Foto: Timo Nagel
TIMO NAGEL 17.08.2015
Im Rahmen des "Sommers der Ver-Führungen" wandelte eine Wandergruppe rund um den Aichelberg auf den Spuren vergangener Großbauprojekte und bekam einen kleinen Vorgeschmack auf die Zukunft.

Rund um den Aichelberg begegnet man heutzutage Fahrradfahrern und Wanderern, die die Natur genießen. Aber vor 50 Jahren bot sich ein ganz anderes Bild. "Heute kann man es sich kaum noch vorstellen, aber hier verlief einmal eine wichtige Autobahntrasse", erzählt Maria Stollmeier. Nach dem Neubau der A 8 wurde die Strecke am Aichelberg großflächig renaturiert. Die Wandergruppe, welche sich im Rahmen des "Sommers der Ver-Führungen" auf die Spuren großer Bauwerke und Bauprojekte begeben hatte, staunt nicht schlecht darüber, wie sehr sich die Gegend in den letzten Jahrzehnten verändert hat.

Von der alten Autobahntrasse, die sich auf zwei getrennten Fahrbahnen die Alb hinauf gewunden hatte, stehen heute nur noch die gewaltigen Stützmauern. Zwar kann man von den Mauern aus eine herrliche Aussicht auf das Tal genießen, aber der Gedanke, dass sich hier bei einem Gefälle von stellenweise acht Prozent einst Lastkraftwagen den Berg hochgekämpft haben, dazu noch auf Kopfsteinpflaster, fällt den meisten schwer.

Erschlossen wurde die Strecke bei Aichelberg bereits 1936 mit dem Bau der Reichsautobahn. Maria Stollmeier räumt aber gleich zu Beginn mit einem historischen Irrtum auf: Das Gerede, dass Adolf Hitler die Autobahn "erfand", um dadurch die Massenarbeitslosigkeit zu bekämpfen, sei falsch. Schon zu Zeiten der Weimarer Republik lagen derartige Pläne vor. Der Grundgedanke war die freie Fahrt. "Es sollte ein Straßennetz geben ohne Geschwindigkeitsbegrenzung und fast immer gerade aus", so Stollmeier. Die Planer gingen allerdings von einer Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern aus. Mehr sei technisch für normale Autos wohl kaum möglich gewesen. Es verwundert also nicht, dass aus dem Gedanken der freien Fahrt bald die bittere Realität des Staus wurde.

In Sachen Stau war der Aichelbergaufstieg vorne dabei, ebenso in der Unfallstatistik. Mit einem Spitzenwert von 75 000 Autos innerhalb von 24 Stunden, der in den 80er Jahren erreicht wurde, war klar, dass die Strecke überlastet und ein Neubau unausweichlich war. Auch die Mentalität der Menschen änderte sich im Laufe der Zeit. In ihrer Präsentation mit vielen alten Bildern und Fotos erläutert Maria Stollmeier, wie stolz die Anwohner auf ihre Autobahn waren. Die Strecke hat es sogar zum Postkartenmotiv gebracht. Alle Welt sollte wissen, dass Aichelberg den Anschluss zur Welt gefunden hat. "Zum Teil standen die Häuser keine 20 Meter von der Fahrbahn entfernt."

Was bleibt, ist die planerische und bauliche Leistung. Und nicht weit entfernt kann man heute ein ebenso beeindruckendes Bauprojekt betrachten: die ICE-Neubaustrecke Stuttgart-Ulm. Mit einer Länge von rund 8800 Metern wird der aus zwei Röhren bestehende Boßlertunnel der fünftlängste Tunnel Deutschlands sein. Von der Besucherplattform aus lässt sich der gewaltige Bohrkopferahnen. Wie bei der Autobahn, so zeigt sich auch beim Neubau der Bahnstrecke, dass der technische Fortschritt immer auch neue Infrastrukturelle Rahmenbedingungen braucht.

Die acht Kilometer lange Wandertour hatte Maria Stollmeier selbst geplant. Die gelernte Elektrotechnik-Ingenieurin ist seit Beginn bei der Schwäbischen Landpartei dabei. "Wir sind im Moment hoch zufrieden", meint die Gästeführerin. Dennoch müsse man mit der Zeit gehen und versuchen, die Klientel zu erweitern. Deshalb werden von der Schwäbischen Landpartie neben klassischen Wandertouren auch andere Aktivitäten wie Bogenschießen oder E-Bike-Touren angeboten.

Schon ver-führt?

Freie Plätze Beim Sommer der Ver-Führungen sind in den kommenden Tagen unter anderem bei diesen Veranstaltungen noch Plätze frei:

Angebote Renaissance, Rebenstiege und Rosenthal - rund um den Schlossplatz, Erlebniskräutergarten, Familienspaß in Kloster und Falknerei, Blütenträume im Donzdorfer Schlossgarten, Schatzsuche auf der Orgelempore der Stadtkirche für Kinder und Familien, die Burg Hohenstaufen und Staufer.

Ausgebucht Führung durch die Abfüllanlage von IQ 4 You, Mineralbrunnenbetrieb Bad Überkingen, Göppinger Kaffeerösterei - vom Zauber der braunen Bohnen (Noch freie Plätze beim Zusatztermin am 20. August, 15 Uhr).

Anmeldungen direkt beim jeweiligen Veranstalter. Informationen zu den einzelnen Angeboten gibt es unter www.landkreisgoeppingen.de