Unmut Baustelle zerrt an den Nerven

Eine Baustelle ist jetzt der südliche Teil der Heininger Ortsdurchfahrt bis zur Bahnlinie.
Eine Baustelle ist jetzt der südliche Teil der Heininger Ortsdurchfahrt bis zur Bahnlinie. © Foto: Jürgen Schäfer
Heiningen / Jürgen Schäfer 10.11.2018

Geschimpft wurde immer mal: Wegen der Umleitung als solche, wegen dieser und jener Verkehrsführung, wegen Engstellen und Schleichverkehr. Aber lange war es verhältnismäßig ruhig um die Großbaustelle in der Heininger Ortsdurchfahrt. Jetzt blitzen schärfere Töne auf. Bürgermeister Norbert Aufrecht und die Baufirma werden von einigen Heiningern in der Zeitung angegriffen, durch Berichterstattung und Leserbriefe. Sie wehren sich.

Keine Frage: Verwaist war die Baustelle am Abschnitt Richtung Göppingen am Brückentag nach Allerheiligen – entgegen der Ankündigung. Der Schultes und auch die Baufirma hatten zuvor extra Handzettel an die Anwohner verteilt, dass der Gehwegbau anstehe. Passiert ist dann nichts.

„Das hat mich auch geärgert“, sagt Aufrecht. Er verweist auf einen allgemeinen Hintergrund: „Wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass es zu wenig Leute im Tiefbau gibt.“ Das sei landauf landab so. In diesem Fall ist es aber an einer Ungereimtheit gescheitert, sagt die Baufirma. Der Gehwegpflasterer, ein Subunternehmer – wohlgemerkt ein anderer als beim Kleinpflaster in der Ortsmitte – sei zwar an dem Brückentag gekommen, habe dann aber nicht gewusst, soll er’s so oder anders machen, und ist wieder gegangen.

Ärgerlich auch für die Anwohner, für die es hieß: Kommando zurück, Einschränkungen verschoben. Aber Zeitverzug bedeutete das nicht, sagt Aufrecht. Denn: Das Gehwegpflastern läuft parallel, es könnte in einer beliebigen Woche erfolgen. Die Baufirma selbst hat, so sagt sie, genau an diesem einen Tag nach Allerheiligen nicht gearbeitet. Ein Tag Pause. „Das steht uns zu.“ Sie ist dann zum letzten Bauabschnitt gewechselt, zwischen Bezgenrieter Straße und alter Bahnlinie. Man sieht das auch.

Eine Tag Pause – mehr nicht: Das entgegnet die Baufirma auf die Kritik, dass immer mal wieder keine Arbeiter erschienen seien und die Baustelle nicht voran komme. Es ärgert die Straßenbauer gewaltig, das sie in dieses Licht gerückt würden. „Die reißen sich den Arsch auf“, sagt der Bauleiter über seine Leute. Bürgermeister Aufrecht ärgert sich auch, dass die Straßenbauer „heruntergemacht“ würden. Er sei mit ihnen durchaus zufrieden.

Die Anwohner auch, sagt die Baufirma. Man habe mit ihnen ein gutes Verhältnis, mit den Privaten wie mit den Geschäftsleuten. „Wir bekommen Kaffee und Kuchen. Der Getränkehändler spendiert uns Getränke.“ Nicht bekannt seien ihnen die Nachbarn im Rückraum, das seien gleich mal hundert Häuser in der Oberen Weingartenstraße. Von dort kam eine massive Kritik. Die ganze Verzögerung von sieben Wochen hätte gar nicht sein dürfen, sagt einer, der sich in Bauprojekten auskennt. Man hätte nicht überrascht sein dürfen von Betonpropfen an Hausanschlüssen und von Kabelarbeiten, mit denen die ENBW die Heininger beglückt hat. Der Bauleiter wundert sich, wie ein Ingenieur das sagen könne. Die Kamera befahre die Leitung bis zum ersten Hindernis, dann sei Ende, und was dahinter liege, sehe man nicht. Der Schultes betont noch einmal: Von den Kabelarbeiten der ENBW, über die man froh sei, habe man vorher nichts gewusst. Das seien die vier Wochen Verzögerung gewesen, nach den drei durch die Betongeschichten im Untergrund, die man teils von Hand habe wegkriegen müssen. Damit sei auch hinfällig, was man als Fertigstellungstermin vereinbart habe, sagt Aufrecht.

Sieben Wochen Puffer bis Weihnachten – so war die Gemeinde gestartet. „Das ist wahrscheinlich komplett aufgezehrt“, sagt Aufrecht. Es sei jetzt vom Wetter abhängig, ob die Baustelle dieses Jahr fertig werde. Einen Termin für das Asphaltieren gibt es. Er kann aber auch platzen.

Das Hin und Her an der Ortsdurchfahrt nach Göppingen – kurz war’s offen, dann wieder gesperrt – hat die Heininger geschlaucht. Jetzt kann Aufrecht bekanntgeben: Der Bus kann ab Montag wieder auf der Linie fahren, für ihn ist die Umleitung über Bezgenriet ausgestanden. Für den überörtlichen Verkehr gilt weiterhin: „Der muss draußen bleiben.“

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