Wann werfen wir denn Körbe?“, möchte einer von den Jungs wissen. Logisch, dass die vielen Bälle alle Kinder zum Spielen einladen. „Werfen kommt ganz zum Schluss“, erklärt Werner Rieger und hakt zur Sicherheit nochmal nach: „Habt ihr alle schon Vorwärts- und Rückwärtsfahren geübt?“ Schließlich ist es für die Neun- bis Zehnjährigen eine ganz besondere Situation, alle müssen sich erst einmal mit dem Rollstuhl vertraut machen. Die Bad Boller Heinrich-Schickhardt-Gemeinschaftsschule hat sich für das Projekt „Handicap macht Schule“ des Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbands beworben und heute ist es nun soweit.

Basketballrollstuhlfahrer Werner Rieger zeigt in der Turnhalle, wie viel Spaß dieser besondere Sport macht. Zur Unterstützung hat er Selina Hahn mitgebracht, die 19-Jährige absolviert ein freiwilliges soziales Jahr. Und man staunt, nach ein paar Anfangsschwierigkeiten stellen sich die 17 Viertklässler bereits recht geschickt an. Kommen mit dem speziellen Rollstuhl gut klar – fahren damit Slalom um die niedrigen Hindernisse, nehmen eng die Kurven, üben das Wenden und Bremsen. Tiefer gelegt, die schräg gestellten Räder und der Ramschutz verhindern, dass man sich die Finger einklemmt und sorgen für eine bessere Stabilität.

Damit sich die Spieler nicht verletzen, gibt es auch einen Schutz für die Füße, „denn manchmal kann es recht eng zugehen“, weiß der 56-Jährige.  „Und für was ist das kleine Rad?“, möchte ein Mädchen wissen. Das Stützrad auf der Rückseite verhindert, dass man beim Zurücklehnen nicht nach hinten kippt.

Anschließend zeigt er den Jungen und Mädchen wie man es schafft, gleichzeitig den Rolli zu lenken und den Ball zu führen, besser gesagt, zweimal zu trippeln. „Mund zu, Augen und Ohren auf – es wird noch schwieriger“, sorgt Werner Rieger weiterhin für ungeteilte Aufmerksamkeit. „Ganz schön schwierig“, flüstert ein Mädchen, als sie Fachausdrücke wie Brustpass oder Druckpass hört. „Eure Arme sind nach vorne ausgestreckt und die Hände bilden einen Trichter, wobei die Daumen zueinander zeigen“, heißt es weiter. Dann geht’s endlich in Richtung Korb, und es dauert nicht lange und Jan trifft – was mit dem Beifall seiner Schulkameraden belohnt wird.

Auch Klassen- und Sportlehrerin Franziska Mayer ist begeistert, wie  interessiert ihre Schüler das Angebot annehmen und dem erfahrenen Trainer auch persönliche Fragen stellen. Wie er zum Beispiel duscht, sich anzieht, von einem Rollstuhl zum anderen kommt, seine Beine spürt, ob er Schwimmen, Skifahren oder Tennisspielen kann und den Bordstein oder die Treppen hochkommt. Erfahren von ihm, dass er mit 19 Jahren einen schlimmen Unfall mit dem Motorrad hatte. Dabei hat sich der Ausbilder für Mechaniker und Musiker so schwer verletzt, dass er sich von der Taille abwärts nicht mehr bewegen kann. Aber er lässt sich davon nicht unterkriegen.

Dass man auch mit diesem Handicap erfolgreich Sport machen kann, hat er schon mehrfach beim TSV Ellwangen sogar in der 2. Bundesliga beim  Rollstuhlbasketball bewiesen. Darüber hinaus ist er mit dem Handbike unterwegs, also mit einem Fahrrad, das allein durch die Arme angetrieben wird. „Ich fand’s richtig cool und hab mich gefreut, eine neue Sportart kennenzulernen“, sind sich nicht nur Anna, Annalie, Anthea, Chloe oder Finn einig.

Leuchtturmprojekt zur  Inklusion


Handicap „Handicap macht Schule“ ist das Leuchtturmprojekt des Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes zum Thema Inklusion im Sport.

Sportarten Mit den Sportarten
Blindenfußball und Rollstuhlbasketball lernen Schüler mit ihren Lehrern das Thema Sport mit Behinderung kennen. In den fünf Jahren von Ende 2013 bis 2018 wurden bereits 230 Schulen, über 500 Klassen und 10 ­­000 Schüler besucht.

Angebot Interesse? Die Turn- und Polizeisportgemeinschaft Frisch Auf Göppingen „Magics“ bietet Rollstuhlbasketball an. FA-Geschäftsstelle:
Tel. (07161) 68194.