Musik Band 2nd truth macht Straßenmusik in England

Ebersbach / Claudia Burst 15.06.2018
Eigentlich wollte die Ebersbacher Rockband 2nd truth nur ein Foto schießen. Es entstand ein Musiktrip durch England.

Rolf Skoda, Kurt Stritesky und Stefan Pelikan quellen fast über vor Begeisterung. Fünf Tage waren die Mitglieder der Ebersbacher Rockband „2nd truth“ Ende Mai auf einer ausgesprochen unbürokratischen Musiktour in England und fanden es „absolut geil, einfach klasse, super cool“.

„Das beste war, dass wir dann sogar am berühmten Brighton Palace Pier einen Auftritt hatten“, schwärmt Rolf Skoda, der Sänger, Gitarrist und Komponist der Band, die fast ausschließlich eigene Stücke spielt.

Dabei war die ursprüngliche Idee für einen Trip nach England nur gewesen, ein Foto für den Band-Song „Brexit“ zu schießen, der Titelsong für eine gleichnamige CD der Band werden soll. Weil es in Dover das „Brexit Mural“ des berühmten Straßenkünstlers Banksys gibt, schien das der passende Hintergrund dafür zu sein.

„Wir dachten zuerst, wir fliegen dort hin, leihen uns Instrumente, spielen vor dem großen Wandbild und fotografieren das“, sagt Skoda.

Musikinstrumente ausleihen ohne Beziehungen – schwierig. Deshalb entschieden die Männer und ihre Fotografin Angela Bopp, mit dem Bandbus und eigenen Instrumenten nach Dover überzusetzen. „Wir überlegten, dass wir dann ja gleich mehrere Videos drehen könnten – vor dem Banksy-Kunstwerk, im Sonnenuntergang am Strand von Brighton oder vielleicht in London mit dem Big Ben im Hintergrund“, erzählt Rolf Skoda, wie die Erst-Idee Fahrt aufnahm und in der Planung eines Musiktripps durch englische Pubs gipfelte. „Das allerdings war dann nach den ersten Telefonaten mit entsprechenden Musik-Kneipen ziemlich demotivierend“, stellt Skoda fest. Er hatte sich im Vorfeld „besondere Pubs“ rausgesucht, die einen Namen in der Musikwelt haben und zur Musik der Ebersbacher besonders gut passten. „Um dort aufzutreten, hätten wir mit deren Agenturen in Verbindung treten müssen oder gar noch dafür zahlen, dass wir Musik machen.“

„2nd truth“ ließen sich nicht irritieren, packten am 23. Mai ihre Instrumente inklusive „Reise-Schlagzeug“ und batteriebetriebener Verstärker in den Bus und fuhren los. „Das Banksy-Kunstwerk in Dover befindet sich an einer belebten Straßenkreuzung mit einer Art größere Verkehrsinsel davor. Wir packten einfach unsere Instrumente und legten dort los.“

Die drei Männer strahlen, wenn sie davon erzählen, wie ihnen die Autofahrer begeistert zuwinkten, die Banksy-Touristen sie fotografierten und die Leute Beifall klatschten. „Straßenmusik in England ist in bestimmten Städten erlaubt“, weiß Angela Bopp, die sich über die gelungenen Fotos und Videodrehs freut.

Am nächsten Tag reisten die vier nach Brighton und fragten ohne Voranmeldung in einem Café am Pier, ob sie ein bisschen spielen dürften. „Es war völlig unkompliziert“, wundert sich Kurt Stritesky heute noch und Stefan Pelikan sagt: „Das war eine Win-Win-Situation. Der Cafébesitzer verkaufte mehr Eis und wir hatten begeisterte Zuhörer.“

Musiker schmeißen Beer Party

Ob sie am nächsten Tag nicht wiederkommen wollten, habe der Wirt am Ende gefragt und auch die Besitzerin einer anderen Kneipe lud sie ein, bei ihr im „Pelican“ aufzutreten. „Aber leider hatten wir dem Wirt unserer Lodge bereits versprochen, dort eine German Beer Party zu schmeißen“, begründet Rolf Skoda, warum die Band diese Chance nicht nutzte. Die Beer-Party sei aber dann ein feucht-fröhliches und ebenfalls unvergessliches „Happening“ geworden. „Die Nachbarn der Lodge haben aus den Fenstern geschaut und „Zugabe“ gerufen“, erzählt Stritesky schmunzelnd.

In London residierte die Band schließlich in einem Hotel, in dessen Beat-Club früher Musikgrößen wie die Rolling Stones, Jimi Hendrix, Pink Floyd oder sogar die Beatles aufgetreten waren. „Aber die haben keine Musikkonzession mehr, wir durften deshalb nicht offiziell auftreten“, erzählt Rolf Skoda mit Bedauern. Trotzdem hätten sie in der Bar „ein bisschen“ gespielt – was allein wegen der Geschichte des Hauses ein Erlebnis war.

„Wir werden das nicht wieder machen – weil so klasse wie dieses Mal würde es bestimmt nie mehr“, sagt Skoda. Die Band freut sich jetzt aber auf mehrere Auftritte in der Region, eine tolle DVD mit Videos aus England – und über eine Einladung als Band zum Brighton Pride Festival im August.

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