Nahverkehr Bahn frei nach Kirchheim?

Grüner Vorstoß für die Wiederbelebung der Voralbbahn: Fraktionschef Andi Schwarz und der Göppinger Landtagsabgeordnete Alexander Maier (v.l.).
Grüner Vorstoß für die Wiederbelebung der Voralbbahn: Fraktionschef Andi Schwarz und der Göppinger Landtagsabgeordnete Alexander Maier (v.l.). © Foto: Giacinto Carlucci
Bad Boll / Joa Schmid 04.05.2018
Mit dem Boller Bähnle nach Kirchheim? Die Bürgermeister der anliegenden Gemeinden stehen Plänen aufgeschlossen gegenüber.

Im Bremserhäuschen will keiner der betroffenen Bürgermeister sitzen, im Gegenteil: Beim Thema Reaktivierung der Voralbbahn  drängen die Rathauschefs der Anliegergemeinden in den Führerstand. Da sind sich die Grünen-Landtagsabgeordneten Andreas Schwarz aus Kirchheim und Alexander Maier aus Göppingen beim Redaktionsbesuch sicher.  „Das Ding hat Charme und Potenzial“, sagt Schwarz und berichtet von einem Schulterschluss der Kommunen. Sie verstünden eine mögliche Reaktivierung der Bahnstrecke von Göppingen nach Bad Boll im Ringschluss mit Kirchheim als Chance für die gesamte Raumschaft. Direkt betroffen wären die Orte Göppingen, Ursenwang, Eschenbach, Dürnau, Bad Boll, Zell, Aichelberg, Weilheim, Holzmaden und Kirchheim. „Sie alle würden von einem attraktiven Schienenverkehr profitieren“, betont Schwarz, der auch Chef der Grünen-Landtagsfraktion in Stuttgart ist,  und rühmt augenzwinkernd seinen guten Draht zu Verkehrsminister Winfried Hermann.

Der ist womöglich auch nötig. Immerhin hatte Hermann noch sehr zurückhaltend reagiert, als sich die SPD-Landtagsabgeordneten Sascha Binder, Peter Hofelich und Andreas Kenner im Oktober vergangenen Jahres nach den Aussichten für eine Reaktivierung der Voralbbahn erkundigt hatten. Der Verein „Ein neuer Zug im Kreis“ und einzelne Gemeinden wie Bad Boll hatten sich  schon vorher immer mal wieder für eine Wiederbelebung der Strecke stark gemacht. „Da hat es immer mal wieder Vorstöße gegeben, aber passiert ist nur wenig“, bestätigt Alexander Maier. Erfolgversprechend sei eine derartige Initiative aber nur, wenn sie direkt von den Kommunen ausgehe. Deswegen haben sich die beiden Abgeordneten schon zum zweiten Mal mit deren Vertretern getroffen. „Da sind zum allerersten Mal beide Landkreise und alle Anliegerkommunen eingebunden“, sagt Maier.

Offenbar wollen jetzt alle an einem Strang ziehen, um die vielen offenen Fragen, die mit dem Projekt einhergehen, zu beantworten. Dafür sollen Gutachten, die bisher von einzelnen Gemeinden gemacht wurden, zusammengeführt und den beiden Landkreisen Göppingen und Esslingen zur Verfügung gestellt werden. Die jeweiligen  Kreistage, so der Plan, sollen aufgrund dieser Datenlage über eine weitere große Kosten-Nutzen-Analyse entscheiden. Ein Vorstoß der Freien-Wähler-Fraktionen im Esslinger und im Göppinger Kreistag geht schon  in diese Richtung. Beide  beantragen eine Voruntersuchung zur Schienenverbindung Kirchheim-Göppingen.  „Über diesen Antrag haben wir uns sehr gefreut“, sagt Andreas Schwarz. „Das Projekt steht und fällt mit der Wirtschaftlichkeit“, betont der Grünen-Fraktionschef, der aber selbst wenig Zweifel daran hat, dass sich die Investition lohnen würde. Tatsächlich hatte bereits ein älteres Gutachten aus Bad Boll bis zu 3000 Fahrgäste  täglich für die Voralbbahn prognostiziert.  

Die grünen Landespolitiker sind optimistisch, dass es jetzt vorangeht. Immerhin hätten sowohl der Bund als auch das Land mehr Mittel für den Nahverkehr zur Verfügung gestellt. „Wann, wenn nicht jetzt?“

Gleise sind großteils noch vorhanden

Vereinbarung: Zugute kommt den Plänen der beiden grünen Landtagsabgeordneten Andreas Schwarz und Alex Maier, dass  die Kommunen sich vor 20 Jahren verpflichteten, die Trasse frei zu halten. Diese Vereinbarung hat nach wie vor Bestand. Zwischen Bad Boll und Göppingen liegen die Gleise der 1989 stillgelegten Bahnstrecke noch. Auch die Gleise zwischen Holzmaden und Kirchheim sind noch da. Entfernt wurden sie vor und in Weilheim. Zwischen Weilheim und Bad Boll gab es noch nie eine Trasse. Zudem empfiehlt der Regionalverkehrsplan die Reaktivierung und Verbindung der Strecke, um einen Ringschluss von Göppingen bis Kirchheim zu erreichen.

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