Nahverkehr Bahn-Chaos auch im neuen Jahr

Kreis Göppingen / Dirk Hülser 09.01.2018
Acht ausgefallene Züge und mindestens 25 zum Teil erhebliche Verpätungen an einem einzigen Tag.

„Neues Jahr, neues Pech“ heißt es offenbar für die Bahnpendler auf der Filstal­stre­cke. Sven Detzer aus Donzdorf hat sich in einem Schreiben an die Bahn  gewandt und exemplarisch einen Tag, Donnerstag, 4. Januar, herausgegriffen. „Ich habe in nur elf Stunden – und meine Beobachtungen sind sicher nicht vollständig – 25 teils erhebliche Verspätungen, zwei Teil- und sechs Totalausfälle gezählt“, berichtet er.

Dabei hätte nach dem Fahrplanwechsel im Dezember eigentlich alles besser werden sollen. Bahn und Landesverkehrsministerium hatten versprochen, durch neues Zugmaterial, angepasste Zeiten und das Abschaffen der „kurzen Wende“ im Stuttgarter Hauptbahnhof das Chaos auf der Strecke zu beseitigen, was mehr als ein Jahr für Riesenärger unter den Bahnkunden gesorgt hatte. „Wie wollen Sie uns diese Qualitätsmängel erklären?“ fragt Detzer in seinem Schreiben an die Bahn – eine Antwort hat er bislang nicht bekommen. Auch eine Anfrage unserer Zeitung an die Pressestelle am Montag blieb bis Dienstagabend unbeantwortet.

Detzer listet sechs Totalausfälle auf, vier Regionalbahnen und zwei IRE. Zwei Züge fuhren entgegen dem Fahrplan nur bis Eislingen. Bei 25 anderen Zügen notierte Detzer Verspätungen bis 55 Minuten. Die Begründungen der Bahn dafür liefert er gleich mit – sofern sie bekannt wurden: Sie lauten „verspätete Bereitstellung“, „Überholung“, „Weichenstörung“, „technische Störung am Zug“, „verspätet vorausfahrender Zug“ oder „Verzögerungen im Betriebsablauf“. Detzer merkt noch an: „Und dabei muss man bedenken, es hatte keinen Schnee, keinen Frost, keine umgestürzten Bäume auf unserer Strecke, und zusätzlich führten die Schulferien zu einem erheblich reduzierten Fahrgastaufkommen.“ Schließlich fragt er: „Bereiten Sie schon eine weitere Erstattung eines Monatsbetrags unseres Jahrestickets vor?“ Im Herbst hatte die Bahn den Stammkunden bereits  den Gegenwert eines Monatstickets erstattet.

Eine Möglichkeit, die Abfertigung zu beschleunigen, sah die Bahn darin, dass in bestimmten Zügen in Bad Cannstatt nicht ein- oder ausgestiegen werden darf. Davon wissen die Lokführer offenbar nichts. Detzer fragt: „Wieso sagen eigentlich Ihre Lokführer auf der Fahrt nach Süßen am Bahnhof Bad Cannstatt durch, dass sich ,der Ausstieg in Fahrt­richtung rechts’ befindet, wobei uns der Halbkreis im Kursbuch doch sagt, dass dies ein ,Halt nur zum Zusteigen’ ist?“

ddd
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