Region Bäume brechen, Preise noch stabil

Region / Thomas Hehn 30.08.2018
Experten erwarten eine Rekordernte bei Äpfeln und Birnen. Manche Bäume brechen unter ihrer Last schon zusammen. Dafür sind die Preise stabil. Doch wie lange noch?

Sie sagt: „Man sollte den Ast stützen, der bricht sonst.“ Mann sagt: „Ja, später.“ Später ist es dann zu spät. „Hab’s doch gesagt“, schimpft sie, als die Nachbarin den beiden ein Bild von der Tragödie in den Urlaub nachschickt: Der halbe Apfelbaum liegt am Boden. Zusammengebrochen unter der Last seiner Früchte.

Schwacher Trost: Wie dem Autor dieser Zeilen geht es derzeit vielen Obstwiesenbesitzern. Das liegt nicht  nur an der Obstschwemme. „Die Trockenheit der letzten Wochen erhöht die Gefahr des Astbruchs zusätzlich“, warnt der Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft (LOGL). Die Experten raten daher, zur Gewichtsentlastung die Bäume auf eine passende Verzweigung zurückzunehmen, bevor sie brechen. Allerdings sollte man dabei vorsichtig zu Werke gehen:  „Unter Spannung stehende Äste können beim Entfernen plötzlich hochschnellen“, warnt LOGL-Geschäftsführer Rolf Heinzelmann. Die Stummel sollte man möglichst bis auf den Astring am Stamm sauber absägen. Seien Fruchtäste mittig gebrochen, könne man diese auf eine passende, möglichst nach oben zeigende, Verlängerung absetzen.

Beim Winterschnitt neu aufbauen

Besonders Jungbäume sollten von Überbehang möglichst rasch befreit werden. Biegen sich Leitäste unter Last nach unten ab, kann es bei der weiteren Baumerziehung schwierig werden. „Hier steht noch der Kronenaufbau im Vordergrund. Abgebogene Leitäste müssen dann auf jeden Fall  beim Winterschnitt wieder neu aufgebaut werden“, so Heinzelmann.

Sollte es die nächsten Tage nicht gleichmäßig wenigstens 20 Liter pro Quadratmeter regnen, müsse in trockenen Lagen die hohe Ernteerwartung um bis zu 30 Prozent nach unten korrigiert werden, schätzt man beim Landesverband. Die Früchte fallen vorzeitig ab und erreichen nicht ihre normale Fruchtgröße.

Preise könnten fallen

Angesichts der Obstschwemme könnte man erwarten, dass die Preise ins Bodenlose fallen und sich das Bücken gar nicht lohnt. Die Befürchtung ist (noch) unbegründet. Mit 7 Euro für den Doppelzentner zahlen die Saftereien in der Region derzeit einen annehmbaren Preis. „Nach der schlechten Ernte durch die Nachtfröste bei der Blüte vergangenes Jahr sind die Lager leer. Wir brauchen dringend Nachschub“, erläuterte Geschäftsführer Andreas Junginger vom gleichnamigen Fruchtsaftbetrieb in Niederstotzingen. Küfer Hans Lehle in Kuchen bestätigt das, warnt aber gleichzeitig davor, dass sich das Preisniveau auch schnell wieder ändern kann. Und zwar nach unten. Der Saftmarkt sei längst europaweit bestimmt, erläutert Lehle und verweist auf Polen „Auch dort gibt es eine Rekordernte.“

Info Mit 12,6 Millionen Tonnen erwartet die World Apple and Pear Association (WAPA, Weltweite Apfel- und Birnen-Vereinigung) für 2018 in der EU die größte Apfelernte seit zehn Jahren. Allein knapp 4,5 Millionen Tonnen kommen aus Polen. Die deutsche Apfelernte wird bei voraussichtlich knapp 1 Million Tonnen liegen.

Trockenheit: Experten geben Tipps für den Garten

Die anhaltende Trockenheit stresst nicht nur die Bäume, sondern alle Pflanzen im Garten. Das Fachmagazin „Blumen – 1000 gute Gründe“  gibt Tipps, wie man Beete und Grünflächen vor den schlimmsten Schäden bewahren kann:

Den  Rasen jetzt nicht zu kurz zu schneiden, damit der Boden beschattet bleibt. Eventuell kurzen Rasenschnitt liegen zu lassen, damit der Boden bedeckt ist. Unkraut und Moos sollten ausgeharkt werden, sie konkurrieren sonst um Wasser und Nährstoffe. Wo die Grünfläche etwas schütterer geworden ist, kann man im September nachsäen.

In den Beeten sind die meisten Blumen bereits verblüht. Für die Einjährigen ist die Saison beendet. Haben sie ihre Samen verteilt, keimen die Sämlinge im nächsten Jahr wieder.

Wer sicher gehen will, sammelt die Samen jetzt ein und verteilt sie später nach Wunsch; trocken gelagert in einer Papiertüte halten Samen sich sehr gut.

Mehrjährige Pflanzen, die ihre Blüte hinter sich haben und vertrocknet aussehen, kann man jetzt zurückschneiden. Wichtig: In den Tagen zuvor sollte es gut geregnet haben. Hat die Erde genug Wasser und Nährstoffe, treiben viele Stauden nochmals aus. Bei Sträuchern kann man sogar auf eine kleine Nachblüte hoffen, wenn man  Verblühtes rechtzeitig zurückschneidet, wie etwa bei öfter blühenden Rosen.

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