Bad Boll Bad-Affen in der Wandelhalle

Zu staunen gab's genug bei der Ver-Führung rund um Bad Boll, zu der die Gästeführerin der Schwäbischen Landpartie eingeladen hatte.
Zu staunen gab's genug bei der Ver-Führung rund um Bad Boll, zu der die Gästeführerin der Schwäbischen Landpartie eingeladen hatte. © Foto: Claudia Burst
CLAUDIA BURST 08.09.2015
"Isch des schee bei ons!" Immer wieder entfuhr einem Teilnehmer beim Sommer der Ver-Führungen dieser Ausruf. Sie alle wanderten in und um Bad Boll.

"Wer nicht ist, wie er sein soll, begebe sich schleunigst nach Bad Boll." Diesen launigen Spruch schrieb der ehemalige Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel einst ins Gästebuch des Bad Boller Kurhauses. Dass jedoch nicht nur das hufeisenförmige Kurgebäude aus dem Jahr 1823 einen Besuch in dem Gesundheitsdorf lohnenswert macht, sondern dass Bad Boll noch viel mehr schöne Plätze zu bieten hat, das stellte Christel Mühlhäuser im Rahmen des Sommers der Ver-Führungen unter Beweis.

30 Gäste - aus Boll, dem gesamten Landkreis und darüber hinaus - folgten der Gästeführerin der Schwäbischen Landpartie bei einem dreistündigen Spaziergang zu den "zehn schönsten Plätzen in und um Bad Boll". Dabei dauerte es nicht lange, bis sie die zweite Station erreicht hatten - die Wandelhalle aus der Biedermeierzeit, die sich ebenfalls im Kurpark befindet. "Hier flanierten die Kurgäste", erzählte Christel Mühlhäuser auf die ihr eigene unterhaltsame Art und führte aus, dass mit dieser "Highsociety" eine völlig fremde Welt auf die der bäuerlich geprägten Boller prallte. "Deshalb nannten die Boller die Kurgäste geringschätzig Bad-Affen", wusste sie zu berichten.

Vorbei am Brunnenschacht der ersten Schwefelquelle und dem Kneipp-Becken entdeckten die Ver-Führten bald die "Villa Vopelius", die Keimzelle der Evangelischen Akademie. "Das ist der schönste Platz in Bezug auf die Architektur", schwärmte die Gästeführerin von der aus ihrer Sicht gelungenen Kombination zwischen der gut erhaltenen Jugendstil-Villa und dem modernen Symposion, einem Glaskubus als Erweiterungsbau.

Im Haus präsentierte sie schon die vierte Station der Reise: den Literatursalon von Johann Christoph Blumhardt und dessen Sohn Christoph Blumhardt. Die beiden Pfarrer und Seelsorger, das zeigte das kleine Museum, kümmerten sich im Boll des 19. Jahrhunderts in dem als Heilanstalt genutzten Gebäude um illustre Gäste oder Patienten. Wie etwa Eduard Mörike, Effie Briest oder Hermann Hesse.

Weiter ging's ins Badwäldle. Eine 350 Jahre alte Eiche im Zentrum eines Steinlabyrinths hatte es auf die Bestenliste der Schwäbischen Landpartie geschafft. Sie beeindruckte nicht nur die Teilnehmer, auch mehrere Kinder tobten begeistert zwischen den Steinkreisen. Entlang einer "Mostbirnen-Allee" pilgerten die Gäste bis zu einem Bänkle unter einem besonders knorrigen Obstbaum-Exemplar. War hier bereits die Aussicht zum Schwärmen, so gerieten die Gäste oben beim Tempele, dem "Belvedere" des Königs Wilhelm I, vollends aus dem Häuschen. "Gucket mol dia Aussicht, isch des schee bei ons", so oder ähnlich reagierte fast jeder, als er aus dem Wald auf das freie Gelände trat.

Christel Mühlhäuser nutzte das Tempele, um ihre Zuhörer mit Boller Fruchtsaft zu stärken, bevor es am Schützenhaus vorbei zurück ging ins Badwäldle. Hier waren es der "Klangwald", die "Roten Bäume" und das "Lügenbrückle", die die Gästeführerin ihren Gästen als Teil des Erlebnisparks "Sinneswandel" präsentierte. Als Station Nummer 9 gelangte die Truppe zur Silberpappel. Der 200 Jahre alte Baum mit seinen 6,14 Metern Stamm-Umfang faszinierte die Besucher, aber auch die Weitsicht in der anderen Richtung verdiente die begeisterten Kommentare. Von hier aus führte Christel Mühlhäuser alle wieder zurück in den Ort. Ihr Ziel war jetzt die Sankt-Cyriakus-Stiftskirche im Zentrum Bolls. Auch zu diesem Gebäude wusste die Expertin viel zu berichten. Aber dass eine Kirche nicht nur ein besonderer Platz ist, sondern "vom Klang lebt", das stellten die Teilnehmer "aktiv" fest. Sie sangen alle gemeinsam "Großer Gott, wir loben dich". Ein schöner Abschluss für eine besondere Ver-Führung.