Lokalgeschichte Aus alten Steinen wieder aufgebaut

Kreisarchäologe Dr. Reinhard Rademacher und Bürgermeister Herbert Juhn besichtigen eine neu sanierte Ringmauer auf der Bad Ditzenbacher Ruine Hiltenburg.
Kreisarchäologe Dr. Reinhard Rademacher und Bürgermeister Herbert Juhn besichtigen eine neu sanierte Ringmauer auf der Bad Ditzenbacher Ruine Hiltenburg. © Foto: Markus Sontheimer
Bad Ditzenbach / Eva Heer 05.05.2018

Höhenangst sollte man besser nicht haben. Der kleine, bewachsene Trampelpfad, der zur sanierten Außenmauer der Hiltenburg über Bad Ditzenbach führt, gibt die Sicht über die steile Albkante frei. Die Mauer leuchtet hell und matt in der Sonne. Vom Tal aus lenkt ihre Patina die Blicke auf den Bad Ditzenbacher Hausberg. Ihr nun instand gesetzter Zustand ist das Werk der auf historische Restaurierungen spezialisierten Firma Dengel aus Schöntal, die sich bereits bei vorangegangenen Arbeiten auf der Burg bewährt hat.

„Die Mauer war ursprünglich in einem Top-Zustand“, erläutert Kreisarchäologe Dr. Reinhard Rademacher. Doch Starkregen und Frost haben ihr in den vergangenen Jahren schwer zugesetzt. „Es sind Steine herausgebrochen und die Sicherheit von Besuchern war gefährdet“, sagt Rademacher. Das Burgplateau ist ein beliebtes Ausflugsziel, gerade auch für Familien mit Kindern.

Viele Jahrzehnte war die Außenmauer überhaupt nicht zu sehen. Sie war mit dichtem Buschwerk überwuchert, von Wurzelwerk durchzogen. Bei der Sanierung 2012/2013 hat man den Bewuchs entfernt und die damals noch ordentlich erhaltene Mauer frei gelegt. Im vergangenen Sommer nun hat die Spezialfirma die 20 Meter lange Ringmauer saniert – historisch so korrekt wie möglich,  mit Baumaterial, das auch im Mittelalter verwendet wurde.

Zunächst habe man Facharchitekten hinzugezogen, schon wegen der Statik, erzählt Rademacher: Dann die losen Stellen abgetragen, so dass zunächst nur der Kern der mittelalterlichen Mauer stehen blieb. Schließlich wurde die Schale nach außen – mit Originalsteinen aus dem Burggelände – neu aufgezogen. „Die Mauerkrone läuft nun schräg, dass das Wasser dort nicht mehr steht, sondern ablaufen kann“, freut sich der Kreisarchäologe. So kann es keinen Schaden im Mauerwerk anrichten. Die Mauer sei nun geringfügig höher als sie war, erläutert er. Denkmalpflegerisch sei die Maxime, den Istzustand zu erhalten und so wenig wie möglich verändern.

Beteiligt war auch die Gemeinde: Mitarbeiter des Bauhofs  haben Steinmaterial aus dem Steilhang geholt, mit einem Kleinbagger und mit Handarbeit, erzählt Bürgermeister Herbert Juhn: „Eine Herausforderung für alle Beteiligten.“ Parallel dazu haben Archäologiestudenten der Universitäten Tübingen und Bamberg den Aushub gesiebt und sortiert, immer auf der Suche nach Keramik- oder Metallteilen, nach Knochen oder anderem archäologisch wertvollem Material. Die im Burgareal ausgebuddelten Steine schließlich hat man in die Mauer verbaut.

Und immer mit dabei: Der  rührige Förderverein „Burgruine Hiltenburg“, der sich sowohl finanziell, als auch mit Manpower an den Arbeiten beteiligt hat. 85 000 Euro habe die Mauersanierung gekostet, sagt Juhn. Es habe einen Zuschuss vom Land gegeben und die Spende des Fördervereins. Den Rest hat die Gemeinde finanziert. Der Landkreis beteiligte sich mit der Kreisarchäologie, die alles begleitet: „Herr Rademacher bringt sich immer sehr stark ein“, lobt Juhn.

Seit 2005 schon wird die Burgruine über Bad Ditzenbach in mehreren Bauabschnitten saniert. Das Konzept sei „voll aufgegangen“, sagt Herbert Juhn. Die Ruine werde sehr gut als Ausflugsziel angenommen, besonders wenn der Turm geöffnet habe, der mit einer kleinen Ausstellung die Geschichte des historischen Gemäuers illustriert.

Info Der Turm der Burgruine Hiltenburg ist bis zum 31. Oktober an  Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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