Absturz Aufwendige Bergung nach Flugzeugabsturz von Wolfgang Dallach

Rechberghausen / ARND WOLETZ 19.01.2015
Der beim Flugzeugabsturz in Rechberghausen getötete Pilot ist der der bekannte Konstrukteur und Kunstflieger Wolfgang Dallach.
Die Ursache des Flugzeugabsturzes in Rechberghausen vom Sonntagnachmittag ist noch völlig unklar. Am Montag wurden die Trümmer der sechssitzigen Maschine abtransportiert. Bei dem Unglück kamen der 63-jährige Kunstflug-Pilot, Konstrukteur und Unternehmer Wolfgang Dallach aus dem Ostalbkreis und seine 49-jährige Lebensgefährtin ums Leben.

Was sich in den letzten Minuten an Bord abspielte, bleibt vorerst rätselhaft. Ob technisches oder menschliches Versagen oder ein medizinischer Notfall an Bord das Unglück auslösten, müssen jetzt die Experten klären. Wie berichtet war die Maschine zwischen mehreren Häusern und einer Garage zerschellt. Dallach und seine Passagierin wurden aus der Kabine geschleudert und waren sofort tot.

Ob aus dem Flugzeug vor dem Absturz ein Notruf abgesetzt wurde, dazu äußerte sich die Polizei am Montag nicht. Auch ob und wann die beiden Leichen obduziert werden stand am Montagnachmittag noch nicht fest. Darüber werde vermutlich am Dienstag entschieden, sagte ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Ulm.

Sehr viele Augenzeugenberichte

Es hätten sich mittlerweile sehr viele Augenzeugen gemeldet, denen das Flugzeug bereits über Wäschenbeuren und Birenbach aufgefallen war, sagte Rudi Bauer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ulm. Bereits im tiefer gelegenen Birenbach soll die Piper kurz zuvor fast den Boden berührt haben, bevor die Maschine wieder hochzog und den Hang hinauf Richtung Rechberghausen flog. Die Augenzeugenberichte und die Ergebnisse der Expertenuntersuchungen müssten zunächst zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden. Mit schnellen Ergebnissen sei nicht zu rechnen, so Bauer.

Mit einem schweren Kran wurden am Montag die größeren Trümmerteile zum Teil über die Häuser hinweg geborgen. Das Cockpit der sechssitzigen Maschine war am weitesten von der Aufprallstelle weggeschleudert worden. Unmittelbar daneben waren auch die beiden leblosen Körper der Insassen gefunden worden. Andere Teile, wie eine auf einem Garagendach liegende Tragfläche, entfernten die Männer vom Technischen Hilfswerk. Die Wrackteile wurden auf einen Tieflader geladen und nach Braunschweig gebracht, wo sie in der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen genauer unter die Lupe genommen werden sollen. Das THW stützte mit Balken die Wand der einsturzgefährdeten Doppelgarage ab.

Der 63-Jährige Pilot Wolfgang Dallach war einst Deutscher Vizemeister sowie Vize-Europameister im Kunstflug und zeigte seine Flugkünste mit der von ihm konstruierten „Diabolo“ häufig bei Flugveranstaltungen, unter anderem war er regelmäßig Gast bei den Flugtagen auf dem Messelberg bei Donzdorf und auf der Hahnweide bei Kirchheim.

Das Flugzeug, mit dem er am Sonntag verunglückte, war eine sechssitzige Piper Comanche, Baujahr 1970. Mit ihr war Dallach von seinem Heimatflughafen Heubach gestartet. Ein Hobbypilot, der am Unfallort war und Wolfgang Dallach vom Flugplatz in Heubach kannte, konnte sich keinen Reim darauf machen, wie ein derart erfahrener und hochqualifizierter Flieger wie Dallach so verunglücken könne.

Der Augenzeuge Gregor Sabisch (61) berichtete, er sei am Sonntag gerade bei einem Spaziergang auf dem Weg nach Hause zum Kaffeetrinken gewesen. Von Oberhausen her kommend habe er um 16 Uhr gerade den Ortseingang erreicht, sei also nicht einmal 100 Meter von der Absturzstelle entfernt gewesen. Er habe zunächst das Flugzeug gehört, wie es von Birenbach her kommend mit lautem Motorengeräusch und im Steigflug die zwischen Oberhausen und Rechberghausen verlaufende Stromleitung überflog. Danach sei das Flugzeug aber schnell in Schräglage geraten und immer tiefer geflogen, bevor es in die Häuserreihe knallte, berichtete Gregor Sabisch.

Frank Zollinger wohnt im ersten Obergeschoss des Hauses, das zuerst von der Maschine gerammt wurde. Dach und Balkon wurden schwer beschädigt, aber nicht nur das: Ein schmiedeeisernes Gitter, das vor dem Toilettenfenster angebracht war, wurde ins Innere geschleudert und flog durch den Raum. „Wenn ich in diesem Moment auf der Toilette gewesen wäre, hätte es mich getroffen“, sagt Zollinger. Die Nachbarin Brigitte Kuhn (67) ist trotz aller Tragik dankbar, dass nicht noch mehr passiert ist. „Nicht auszudenken, wenn das im Sommer passiert wäre, wenn hier immer viele Nachbarn und Kinder im Garten sind“, sagt sie. 

Zur Person Wolfgang Dallach

Karriere: Wolfgang Dallach war früh vom Fliegervirus erfasst. Schon mit 21 Jahren erwarb er seine Pilotenlizenz und begann mit der Motorflugkunst. Weil ihm die damals vorhandenen Maschinen nicht reaktionsschnell genug waren, machte er sich selbst ans Werk. Heraus kam die „Diabolo“, mit der Dallach zehn Jahre lang in der Deutschen Kunstflug-Nationalmannschaft flog. Danach widmete er sich der Konstruktion von Ultraleichtflugzeugen. Vom Typ „Fascination“ konnte er 200 Exemplare bauen. 2006 übernahm ein Schweizer Unternehmen die Typenrechte und baut seither die Konstruktionen weiter.

Reaktionen: In Fliegerkreisen löste die Nachricht vom Tode Dallachs einen Schock aus. Das bestätigte auch Michael Baer, Sprecher der Fliegergruppe Donzdorf. Wolfang Dallach sei der Fliegergruppe sehr eng verbunden gewesen, früher auch als Mitglied. Er sei nicht nur ein begnadeter Flieger und Konstrukteur gewesen, sondern durch sein Charisma und menschlich angenehme Art auch für viele in der Fliegergruppe zu einer Art Mentor und Freund geworden. In der Fliegerszene reiße sein Tod eine Riesenlücke, die nicht so schnell wieder gefüllt werden kann, meinte Baer. Bei seinen regelmäßigen Auftritten bei den Donzdorfer Flugtagen war Dallach ein Publikumsmagnet.

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