Ebersbach / Uhingen Aufregung wegen geplanter Windkraftanlagen zwischen Baiereck und Büchenbronn

Windkraftanlage auf der Alb. Zwischen Büchenbronn und Baiereck will ein Investor drei Anlagen errichten.
Windkraftanlage auf der Alb. Zwischen Büchenbronn und Baiereck will ein Investor drei Anlagen errichten. © Foto: Staufenpress
Ebersbach / Uhingen / KARIN TUTAS 21.06.2016
Der mögliche Bau von drei Windkraftanlagen zwischen Baiereck und Büchenbronn versetzt Bürger der beiden Ortschaften mächtig in Wallung. <i>Mit Kommentar.</i>

So einen Andrang hat der Ebersbacher Bürgermeister Sepp Vogler während seiner Amtszeit noch nie erlebt. Rund 80 bis 100 Zuhörer kamen zur jüngsten Sitzung des Gemeinderats - so viele, dass schlichtweg die Stühle nicht ausreichten. Die "Information zum Thema Windkraft" hat viele Bewohner von Büchenbronn sowie aus dem Uhinger Teilort Baiereck auf die Beine gebracht.

Genauer gesagt geht es um den im Regionalplan Windkraft ausgewiesenen Standort "ES02". In dem Waldgebiet zwischen Büchenbronn und der Straßenkreuzung bei der Königseiche will die Firma Uhl Windkraft aus Ellwangen drei Windkraftanlagen errichten. Das Unternehmen hatte bei der Ausschreibung der Fläche des Eigentümers Forst BW den Zuschlag erhalten.

Als das Unternehmen vor Kurzem seine Pläne in Baiereck vorstellte, schlug den Planern ein eisiger Wind entgegen. Am Abend zuvor nämlich hatte die Bürgerinitiative "Pro Schurwald" zu einer Informationsveranstaltung geladen. Deren Sprecher warnte vor einer massiven Beeinträchtigung der Lebens- und Wohnqualität, die auf die Baierecker zukommen werde.

Bürger glauben, schlecht informiert worden zu sein

Auch im Ebersbacher Stadtteil Büchenbronn meldeten sich darauf besorgte Bürger zu Wort: "Wir wussten gar nichts", erklärt Ingrid Schüle, die Büchenbronner seien erst von den Uhingern über das Vorhaben informiert worden. Die Anwohner sähen in diesem Punkt die Stadt in der Pflicht. "Wir sind grundsätzlich für Windenergie", betont Schüle. "Aber wir wollen Informationen, um die Vor- und Nachteile abwägen zu können."

Der Ebersbacher Bürgermeister Sepp Vogler weist den Vorwurf, die Bürger würden nicht informiert, zurück. "Alle Gemeinderatssitzungen zum Regionalplan Windkraft waren öffentlich." Im übrigen sei die Stadt beim Bau von Windkraftanlagen nicht Herr des Verfahrens, sondern werde im Planungsverfahren lediglich als Träger öffentlicher Belange gehört. Aber bislang sei noch kein Antrag gestellt. Diesen will das Ellwanger Unternehmen in den nächsten Wochen einreichen, erklärt Karl-Heinz Linke, Planer bei der Firma Uhl, die drei Anlagen mit einer Gesamthöhe von 217 Metern und einer Leistung von 3,45 Megawatt bauen wolle.

9000 Quadratmeter Fläche

Zuvor lädt die Stadt an diesem Freitag zu einer Informationsveranstaltung ein. Dies sei ohnehin vorgesehen gewesen, erklärt Sepp Vogler. Dabei sollen neben der Firma Uhl auch Vertreter der Windkraftgegner von "Pro Schurwald" Gelegenheit bekommen, ihre Einwände gegen das Vorhaben vorzutragen.

Die Bürger hielten vor allem das für den Bau der Anlagen notwendige großflächige Abholzen des als Naherholungsgebiet dienenden Waldes für bedenklich, erklärt Ingrid Schüle. Dauerhaft nehmen die drei Anlagen rund 9000 Quadratmeter Fläche in Beschlag, bestätigt Karl-Heinz Linke. Dazu komme noch ein Flächenbedarf von rund 1500 Quadratmeter für Anlieferung und Montage, die dann wieder aufgeforstet würden. Jedoch müsse auch für die dauerhaft abgeholzte Fläche an anderer Stelle wieder Wald gepflanzt werden. Der Ebersbacher Gemeinderat habe jedoch erst jüngst eine von Forst BW gewünschte Aufforstung zwischen Ebersbach und Büchenbronn abgelehnt, erklärt Roland Albig vom Bau- und Umweltamt.

Info Die Bürgerinformation zum Thema Windkraft findet am Freitag ab 18 Uhr im Bürgersaal des Ebersbacher Rathauses statt.

Mehr zum Thema:
- Die Bürgerinitiative "Pro-Schurwald" klärt in Baiereck über mögliche Auswirkungen der geplanten Windkraftanlagen am "Sümpflesberg" auf.

Ein Kommentar von Karin Tutas: Sturmlauf ist verfrüht

Ruhig Blut. Noch besteht kein Grund für all die Aufregung. Das Genehmigungsverfahren für den Bau von drei Windkraftanlagen zwischen Büchenbronn und Baiereck hat noch nicht begonnen. Nicht einmal ein Antrag dafür ist bislang eingereicht worden und schon kochen die Emotionen hoch. Auch im Ebersbacher Gemeinderat wurde vor drei Jahren heftig über Vorranggebiete für Windenergie gestritten. Letztendlich hat das Gremium aber eine strategisch richtige Entscheidung getroffen. Denn wären im Regionalplan Windkraft keine rechtskräftigen Aussagen über Standorte festgelegt worden, könnten die Anlagen überall errichtet werden - sofern die Abstände zur Wohnbebauung eingehalten werden. Dass die Errichtung der Rotoren einen Eingriff in die Landschaft bedeuten würde, ist unbestritten. Ebenso Fakt ist aber, dass die Energiewende nicht mehr umkehrbar ist. Kohlekraftwerke oder Atomreaktoren haben keine Zukunft, Strom muss dezentral erzeugt werden. Aber wo, wenn den Investoren von Windkraftanlagen nahezu allerorten ein eisiger Wind ins Gesicht bläst? Vor dem Bau steht ein Genehmigungsverfahren. Die Investoren müssen nachweisen, dass sie naturschutzrechtliche Auflagen ebenso erfüllen wie solche für Schallschutz oder Beschattung. Die Bürger sollten sich die Argumente des Investors und der Windkraftgegner anhören und abwägen. Jetzt schon Sturm zu laufen, ist verfrüht.

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