Ebersbach Auf Tour durch Ebersbachs Unterwelt

Auf seinen Kopf achten mussten die Besucher in den dunklen Kellerräumen: Mancher Durchgang ist nur 1,50 Meter hoch.
Auf seinen Kopf achten mussten die Besucher in den dunklen Kellerräumen: Mancher Durchgang ist nur 1,50 Meter hoch. © Foto: Sabine Ackermann
Ebersbach / Sabine Ackermann 14.09.2018
Welche alten „Gewölbe“-Keller aus Ebersbach Geheimnisse verbergen, weiß Stadtarchivar Uwe Geiger. Die „dunkle“ Erkundung in der Altstadt kam gut an.

Die Teilnahme erfolgt auf eigene Gefahr: „Für Personen mit eingeschränkter Mobilität nicht möglich, für Personen mit Platzangst oder Spinnenphobie ungeeignet“, so die Warnhinweise vor der Tour durch die sonst verschlossenen Ebersbacher Kellergewölbe. „Wir besuchen Orte, die der Öffentlichkeit normalerweise verborgen bleiben“, macht Stadtarchivar Uwe Geiger am Treffpunkt Stadtmuseum Lust auf die bevorstehende Exkursion. Leider seien nur wenige Keller öffentlich zugänglich.

Wegen des geringen Platzes werden die 23 Besucher in zwei Gruppen aufgeteilt. Bevor es auf Stein- oder knarrenden Holztreppen ins Dunkel hinabgeht, verrät Geiger am Museums-Schaukasten etwas zur Historie der Gebäude und gibt einige Tipps zur Sicherheit. Gut am Geländer festhalten und am Wichtigsten – Kopf einziehen. Und er sollte recht behalten. Im Laufe des unterirdischen Rundgangs vergisst dies der ein oder andere und bekommt es sofort schmerzlich zu spüren.

Gleich vier Keller befinden sich unterm Stadtmuseum, zwei kleinere nachträgliche eingebaute Räume sind städtisches Eigentum. Wann die dazukamen, sei  nicht bekannt, so Uwe Geiger und ergänzt: „Gewölbekeller sind schwer zu datieren, bei Holz ist eine zeitliche Einordnung einfacher“. Gerade mal 1,50 Meter hoch ist der Durchgang, und die beiden Kellerräume wirken recht aufgeräumt, nur wenig steht herum. Eine angefressene Kernseife in einem Trog sorgt für Lacher.

Dagegen bleibt der gut erhaltene Gewölbekeller, der seit Mitte des 19. Jahrhunderts der Familie Walter vom Wirtshaus „Hecht“ gehört, verschlossen. Früher hätten die Hausbesitzer aus Not oft ihre Keller verkauft, erklärt Uwe Geiger, warum die Eigentümer von Keller und Haus manchmal nicht dieselben sind. Im Rathaus angekommen,erfahren die Besucher im Foyer, dass sich in den modernen klimatisierten Untergeschossräumen unter anderem das Stadtarchiv befindet.

In dem Gebäude in der Martinstraße (ehemals Dr. Rössling) verbergen sich gleich zwei riesige Gewölbekeller, die bis auf eine halb verweste Maus komplett leer sind. Das Haus wurde 1815 für den Traubenwirt Paul Kielmann als Wein- und Bierkeller erbaut und später zum Wohnhaus aufgestockt. Heute ist im Hochparterre der Waldorfkindergarten.

Auf dem Weg zum nächsten Objekt, verkürzt der Gästeführer die Zeit mit Wissenswertem aus Ebersbach – Beispiel Friedhof: Hier wurde für die im Jahr 1840 verstorbene Ehefrau des Amtmanns Geyer (Maria Geyer geb. Caspart) eine gemauerte Gruft erstellt – erst 1910 habe man diese beim Ausheben eines neuen Grabes wiederentdeckt. „Das war damals so ungewöhnlich, dass sogar die Zeitung „Unterer Filstal- und Schurwaldbote“ darüber berichtete“, weiß der Stadtarchivar. „Wunderbar, ich habe immer wieder was dazu gelernt“, lobt Richard Berner aus Göppingen. Auch Ulrich Langer ist sehr angetan. „Ich bin hier, um meinen geschichtlichen Horizont zu erweitern“, verrät der Uhinger Gemeinderat. Viele Teilnehmer hätten gerne in die „Unterwelt“ des alten Pfarrhauses geblickt, doch der Schlüssel dazu ist leider in Privatbesitz.

Dann die Krönung der Runde – der Blick in die Kellerräume der einstigen Bäckerei Otto Danner, wobei es seine Enkelin Gisela Schubert ist, die einen mit ins Untergeschoss nimmt. Das Gebäude ging 1846 für wenig Geld in den Privatbesitz des Ururgroßvaters Ludwig Danner und wurde fortan mehrfach umgebaut und aufgestockt. Damit der Keller die zusätzliche Last trägt, wurden dort zwei stabile Metallstützen durch das Gewölbe eingezogen, die man heute im Keller noch gut sehen kann.

Schon beim steilen Abstieg schlägt einem der typisch modrige Geruch entgegen. Obwohl die Gastgeberin überall fleißig gefegt hat, es knirscht bei jedem Schritt. Die Mauersteine sind porös, bröckeln ab, der Staub rieselt. Im größten der drei Räume befinden sich ein Licht- und Zirkulationsschacht sowie lange Holzregale, wo früher eingeweckte Kirschen und Zwetschgen sowie Kisten voll mit Äpfeln lagerten. Und auch Mostfässer. „Die musste ich als Kind immer ausputzen, da war ich so fünf, sechs Jahre alt“, erzählt Gisela Schubert und erinnert sich lachend: „Im Badeanzug bin ich da immer reingeklettert und habe die Holzfässer tüchtig mit Bürste und heißem Wasser geschrubbt“. Anschließend habe der Großvater nachgeschaut, ob´s auch gut gemacht war, „damit der Most nicht so schnell kippt, musste es immer sehr sauber sein“. Danach durfte sie sich bei der Bäckerei Süß ein Eis holen. Bis zu ihrem 14. Lebensjahr habe sie das sehr gerne gemacht, verrät die 60-Jährige.

Die Tour der kleinen Kellerrunde endet in den beiden 1812 erbauten Gewölbekellern unter der Stadtbibliothek am Kirchberg. Früher habe dort der ehemalige Feuerlöschteich für feuchte Stellen an den Wänden gesorgt. Zum geselligen Abschluss gab es vom „Imker-Besen“ der Familie Schuler aus Bünzwangen einen guten Most zu trinken.

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