Hi, ich bin der Dominik.“ Wären nicht zahlreiche Gäste im klassischen Business-Look und entsprechendem Habitus im gediegenen Rahmen des IHK-Gebäudes in Göppingen anwesend gewesen, man hätte glauben können, in einem Jugendtreff oder bei einer Selbsthilfegruppe gelandet zu sein. Wobei letzteres nicht ganz falsch ist. Denn mit dem „Agile Meetup Filstal“, dessen erstes Treffen auf Initiative des Göppinger Vorzeige-Unternehmens Team Viewer stattfand, soll eine Art Selbsthilfegruppe der Unternehmen aus der Region geschaffen werden. Selbstverständlich mit anderen Begriffen umschrieben: Eine Community, die sich regelmäßig zu Fragestellungen rund um agile Entwicklungs- und Projektmanagement-Prozesse trifft und den Austausch pflegt. Softwareentwickler Sebastian Hoerz von Team Viewer hatte das vor gerade einmal sechs Wochen angeregt. In kurzer Zeit wurde dann von der IHK die Veranstaltung organisiert.

Dass die Umgangsformen – zumindest beim Hauptreferenten beziehungsweise „Scrum-Master“ – anders waren, liegt am Thema selbst, das revolutionären Charakter hat. Die Anrede fremder Menschen mit„Du“ ist dabei nur ein Teil einer neuen Unternehmenskultur. Sie soll Firmen zukunftsfähig machen. Sagt Dominik, der mit Nachnamen Maximini heißt und Leiter des Geschäftsbereichs „Agility Methoden“ bei der Consulting-Firma NovaTec ist. Er hat Hierarchien, überkommenen Strukturen und altem Denken den Kampf angesagt.

Wie aktuell das Thema ist, zeigt das Interesse an der Veranstaltung. Statt der erwarteten 40 kamen 70 Gäste zum Auftakt. Experten meinten, so sagte IHK-Präsident Wolf Martin zur Begrüßung, dass der Treiber der Digitalisierung Agilität heiße. Konkret bedeute das, schnell, mobil und in Teams zu arbeiten, transparent und dezentral zu entscheiden sowie vernetzt zu denken.

 Nichts weniger als ein „Kampf der Kulturen“ stand dann beim Vortrag von Dominik Maximini im Raum. Die klassische Unternehmenskultur im Gegensatz zum aus dem Software-Bereich stammenden Projektmanagement Scrum, das bei agilen Methoden laut Maximini einen Marktanteil von 85 Prozent hat. Wichtig sei beim Umbau die Rolle der Führungskräfte. Sie müssten absolut glaubwürdig sein. Die Führung müsse den Wandel tragen und nicht ertragen. Entwicklungsprozesse müssten aber auch von unteren Eben nach oben weiter gegeben  werden.

Zuvor hatte Team Viewer-Geschäftsführer Stefan Gaiser von den positiven Erfahrungen seit dem Einstieg in die digitale Transformation berichtet. Mit Hierarchieebenen übergreifenden Workshops seien die Mitarbeiterbindung und das Unternehmen gestärkt worden. Die Fluktuation sei erheblich gesunken, Umsätze in manchen Bereichen hätten sich verdoppelt oder verdreifacht. Die Mitarbeiter bekamen Vertrauen, Ressourcen und die Sicherheit im Falle des Scheiterns die berufliche Vita nicht zu zerstören. Stefan Gaiser schwärmte von einer „unglaublichen, sich selbst verstärkenden Dynamik“.

Am Ende des Abends wussten die 70 Gäste nicht nur über Scrum und Agility Bescheid, sondern verstanden auch, dass die Auftritte von Daimler-Chef Zetsche ohne Krawatte und in Jeans nicht die Spätausläufer einer Midlife-Crisis sind.