Eschenbach Kinder: Auf der Suche nach den Krebs-Ursachen

In Eschenbach gibt es statistische Auffälligkeiten bei Kinderkrebs und Kinderleukämie.
In Eschenbach gibt es statistische Auffälligkeiten bei Kinderkrebs und Kinderleukämie. © Foto: Staufenpress
Eschenbach / Dirk Hülser 25.09.2018
Eschenbach prüft seit Jahren eine statistische Auffälligkeit bei Kinderkrebs. Am 16. Oktober informieren Experten den Gemeinderat nichtöffentlich.

Wenn am Dienstag der Kreistagsausschuss für Umwelt und Verkehr über den neuen Vertrag mit dem Müllofen-Betreiber EEW berät, geht es am Rande auch um die Voralbgemeinde Eschenbach. „Gesundheitliche Auswirkungen“ ist Punkt 4.5.2 der Sitzungsvorlage überschrieben, hauptsächlich geht es hier um die statistisch erhöhte Zahl an Kinderkrebs-Fällen in der Gemeinde: „Das Deutsche Kinderkrebsregister und das Landesgesundheitsamt empfehlen, die Entwicklung der Erkrankungsraten in den kommenden Jahren zu beobachten.“

Im Bereich der Kinderkrebs-Erkrankungen und Leukämie bei Kindern liegt Eschenbach bundesweit auf Platz 178 und 172 – bei rund 11.000 Gemeinden in Deutschland, wie Dr. Claudia Spix, stellvertretende Leiterin des Kinderkrebsregisters, erläutert. Mit 28-prozentiger Wahrscheinlichkeit könne nicht ausgeschlossen werden, dass dies noch im Bereich von Zufallsschwankungen liege, steht in der Sitzungsvorlage der Kreisverwaltung. Dies bedeutet im Umkehrschluss: 72 Prozent beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass die höheren Fallzahlen kein Zufall sind.

Ohne die Kommune beim Namen zu nennen, wird in der Vorlage beschrieben, was in Eschenbach alles unternommen wird: Die Gemeinde prüfe „alle möglichen Ursachen für die erhöhte Krebserkrankungsrate.“ Diese Ursachen könnten demnach sein: „Schadstoffbelastungen in Innenräumen (zum Beispiel Kindertagesstätten, Schulen), Radioaktivität (zum Beispiel im Trinkwasser), Altlasten in Deponien oder Industriegeländen, genetische Disposition, immunologische Veränderungen in der Bevölkerung und Pestizide.“ Das nahegelegene Müllheizkraftwerk wird nicht als möglicher Verursacher erwähnt. Gründe für die statistische Auffälligkeit seien bislang nicht gefunden worden: „Eine konkrete Ursache für diese isolierte Häufung konnte bislang noch nicht ermittelt werden.“

Nicht begeistert ist die Eschenbacher Verwaltung darüber, dass nun das 2200-Einwohner-Dorf im Zusammenhang mit erhöhten Krebszahlen genannt wird. Alexander Slawinski, der Leiter der Bau- und Ordnungsverwaltung, möchte sich auch nicht näher dazu äußern, welche Anstrengungen derzeit unternommen werden: „Ich habe die Sitzungsvorlage nicht gelesen, wenn die Kreisverwaltung irgendwas reinschreibt, weiß ich es auch nicht.“

Bürgermeister Thomas Schubert ist derzeit im Urlaub, deshalb spricht Slawinski über das Thema, er befürchtet: „Das kriegt einen völlig falschen Zungenschlag, wir bewegen uns im Rahmen der Statistik.“ Am 16. Oktober werde der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung von Fachleuten über das Thema ausführlich informiert. „Wir verheimlichen nichts, möchten Fakten aber kontrolliert nach außen tragen.“

Slawinski betont, „wir sind seit Jahren an dem Thema dran“. Allerdings wolle die Verwaltung nun „nichts vorschnell veröffentlichen“. Die Krebszahlen seien „nicht unmittelbar mit dem Müllheizkraftwerk in Verbindung zu bringen“. Wie hoch die Fallzahlen genau sind, ist derzeit nicht öffentlich bekannt. Expertin Claudia Spix unterstreicht, dass in derart kleinen Dörfern schon ein einziger Krebsfall erhebliche Auswirkungen auf die Statistik haben könne.

Doch das Thema sorgt in der Gemeinde für Aufregung, seit der Name Eschenbach in diesem Zusammenhang vor wenigen Tagen bekannt wurde. „Ich habe schon Anfragen bekommen, ob man jetzt um sein Leben fürchten muss“, berichtet Slawinski und liefert die Antwort gleich mit: „Mitnichten!“

Bürgermeister Schubert ruft zum Protest auf

Präsenz: Vor den entscheidenden Sitzungen der Kreisräte zum Thema Vertragsverlängerung beim Müllheizkraftwerk hat sich Eschenbachs Bürgermeister Thomas Schubert im „Voralb-Blättle“ zu Wort gemeldet. Er verweist auf die Resolution des Gemeinderats gegen eine Kapazitätserhöhung des Müllofens und fordert die Eschenbacher Bürger auf, am heutigen Dienstag zum Ausschuss und vor allem am 12. Oktober zum Kreistag zu kommen, „um ihre Protesthaltung gegen die beabsichtigte Entwicklung zum Ausdruck zu bringen“.

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