Logistik  Auch nach Weihnachten geht noch die Post ab

Axel Raisch 08.01.2018
Im Briefverteilzentrum Salach gibt es regelmäßig bis in den Januar hinein den sendungsmäßigen „Nachschlag“ zum Fest.

Für die Mitarbeiter des  Logistikdienstleisters Deutsche Post bedeutet die Fortsetzung des erhöhten Sendungs-Aufkommens der Vorweihnachtszeit: ranklotzen. Auch im „Briefzentrum Göppingen“ mit Sitz in Salach laufen dann die Maschinen länger als sonst. Hier wird die gesamte Briefpost für den Postleitzahlenbereich 73 sortiert.

„Starkverkehr“ nennen wir das, erklärt Hugo Gimber, Sprecher der Pressestelle Süd der Deutschen Post DHL Group. Immer mehr wird im Netz gekauft, trotzdem wird vieles umgetauscht. Die Bescherung hat dann die Post, wenn die Geschenke nicht so ankommen wie gewünscht. Und deshalb ende die Flut der Sendungen nicht mit den Weihnachtsfeiertagen, so der DHL-Pressesprecher weiter.

Die rund 250 Mitarbeiter der Salacher Stammbelegschaft werden in dieser Zeit von 40 zusätzlichen Kräften unterstützt und auch die Sortiermaschinen laufen dann länger als sonst. Neben Abrufkräften und Ferienaushilfen, welche die Stammkräfte zusätzlich unterstützten, arbeiteten auch viele Teilzeitkräfte vorübergehend volle 38,5 Stunden pro Woche. „Bei den Ferienaushilfen handelt es sich oft um schon bekannte Saisonkräfte aus den Vorjahren“, erklärt Hugo Gimber.

Im Vorjahr hatte man noch mit zusätzlichen 25 Mitarbeitern die Mehrarbeit aufgefangen. 2017 sind weitere 15 dazugekommen, denn im Vergleich zum Vorjahr hat die Menge der Sendungen satt zugelegt. So sei die Paketmenge gegenüber 2016 bundesweit um über zehn Prozent gestiegen. „In der Woche vor Heiligabend beförderten wir an einzelnen Tagen über zehn Millionen Sendungen“, so Gimber weiter. Aber auch bei der Briefpost ist die Menge doppelt so hoch wie zu anderen Jahreszeiten, lediglich die Steigerungsraten gegenüber Vorjahren gibt es hier aufgrund neuer Medien nicht. Verschwunden ist der Brief nicht, aller Abgesänge in Zeiten von E-Mail und WhatsApp zum Trotz. Statt bundesweit rund 59 Millionen Briefen an einem durchschnittlichen Tag wurden in der Woche vor Weihnachten an einzelnen Tagen knapp 120 Millionen verschickt.

Und als ob die Flut an Päckchen und Paketen, Karten und Kuverts nicht schon Herausforderung genug wäre, scheinen diese auf ihre Weise einen Kontrapunkt zur allgemeinen Hektik zu setzen. Sie verlangen mit ihrer Individualität nach Sonderbehandlung durch menschliche Hände statt Objekte der Abläufe kalter Maschinen zu werden. „Je näher Weihnachten kommt, desto bunter werden diese Briefe und desto mehr werden es“, berichtet Pressesprecher Hugo Gimber. Viele sind mit Aufklebern verziert, auf einige haben Kinder kleine Bildchen und bunte Verzierungen gemalt. Statt der ganz normalen weißen Umschläge und viereckigen Postkarten kommen nun plötzlich viele Briefe in farbigen Kuverts mit bunten Aufklebern und Verzierungen an, ja sogar Karten in Tannenbaumform. Gimber: „So schön diese individuellen Grüße sein mögen, die Sortiermaschinen im Briefzentrum, genauer gesagt, die Adresslese-Sensoren, werden dann nicht selten vor Probleme gestellt“.

Das bedeutet nicht nur Stress für die Post, sondern möglicherweise auch Verzug bei der Zustellung. Denn, die gute alte Handsortierung kostet Zeit. „Eine unserer drei Sortiermaschinen für Standard- und Kompaktbriefe kann bis zu 40 000 Sendungen pro Stunde bearbeiten, eine routinierte Sortierkraft schafft etwa 1000 Stück pro Stunde“, erklärt Hugo Gimber. Trotzdem würden auch diese Herausforderungen routiniert bewältigt, versichert er, selbst wenn die Briefordnerei an Spitzentagen vor Heiligabend bis zu 320 000 Briefe bearbeite.

Unterm Jahr werden im Briefzentrum Göppingen allein in der Briefordnerei rund 130 000 Sendungen am Tag bearbeitet. Die Leistungsfähigkeit des Zentrums ist auf eine Kapazität von bis zu 1,5 Millionen Briefen pro Tag ausgelegt, die Maschinen wurden im 20 Jahre alten Zentrum in den vergangenen Jahren auf den modernsten Stand gebracht.

Daten und Fakten zum Briefverteilzentrum

Geschichte Am 28. November 1997 sind die Sortieranlagen im Briefzentrum Göppingen in Salach angelaufen. Seither hat sich in der riesigen Halle, deren Grundfläche (115 Meter mal 67 Meter) größer als ein Fußballfeld ist, fast alles verändert, wie Pressesprecher Hugo Gimber erläutert. Nur das Einzugs- und Versorgungsgebiet des Briefzentrums sei gleich geblieben, es umfasst das gesamte Gebiet, in dem die Postleitzahlen mit „73“ beginnen.

Kapazität Jeder Brief, der zwischen Ostfildern und Bopfingen und zwischen Kaisersbach und Bad Ditzenbach bei der Post eingeliefert werde oder in dieser Region zugestellt werden soll, wird laut Gimber im Briefzentrum Göppingen sortiert und versandfertig gemacht: „Das können bis zu 1,5 Millionen Sendungen pro Tag sein. In den letzten 20 Jahren sind rund fünf Milliarden Briefe durch das Briefzentrum gegangen. Würde man die alle aufeinander legen, könnte man damit den Stuttgarter Fernsehturm – was die Höhe angeht – 33 000 Mal nachbauen.“