Brauchtum Auch in Uhingen stürmen jetzt die Hexen das Rathaus

Bürgermeister Wittlinger muss sich am Donnerstag warm anziehen: Die Uhinger Butzbachhexa wollen ihn am Gombiga Doschdig erstmals entmachten und ihm den Rathausschlüssel abnehmen.
Bürgermeister Wittlinger muss sich am Donnerstag warm anziehen: Die Uhinger Butzbachhexa wollen ihn am Gombiga Doschdig erstmals entmachten und ihm den Rathausschlüssel abnehmen. © Foto: privat
Uhingen / Ingrid Zeeb 22.02.2017

Das Uhinger Rathaus ist die längste Zeit fasnetsfreie Zone gewesen: Am Donnerstag um 10 Uhr muss Bürgermeister Matthias Wittlinger zum ersten Mal die Macht abgeben. Die neu gegründete Uhinger Narrenzunft Butzbachhexa bläst zum Sturm aufs Rathaus. Mit dabei sind auch die Kinder der Uhinger Kindergärten. Die Erzieherinnen und viele der Kinder bringen allerdings schon einschlägige Erfahrung mit und können den frischgebackenen Zunftmitgliedern vielleicht den einen oder anderen Ratschlag geben: Denn in Uhingen hat es Tradition, dass eine fröhliche Meute verkleideter Kita-Steppkes den Bürgermeister an der Weiberfasnet besucht und ihm seine Krawatte stutzt. Seit freilich die Stadt Uhingen seit diesem Jahr auch eine Hexenzunft ihr eigen nennt, heißt es nicht mehr nur „Kinder an die Macht“.

Halbe Sachen wollen die wilden Weiber, oder was sich sonst noch unter den Masken verbirgt, dabei nicht machen. Wenn die Rathausspitze erst einmal abgesetzt ist, zieht der närrische Tross durch die Geschäfte. „Damit auch ganz Uhingen weiß, dass die Fasnet begonnen hat und der Bürgermeister entmachtet ist“, erklärt Zunftmeister Marcel Löschke. „Es ist toll, dass so viele mitmachen“, sagt der 22-Jährige. „Viele freuen sich über den närrischen Besuch in ihrem Geschäft. Natürlich ist das auch etwas ganz Neues in Uhingen.“

Was genau geplant ist, soll noch eine Überraschung bleiben, Löschke verrät nur so viel: Es werden Reden gehalten, und für stimmungsvolle Musik sorgen die Rommdreibr aus Rechberghausen. Bis Aschermittwoch will man noch die ein oder andere Aktion auf die Beine stellen, kündigt er an. Gute Ideen gebe es viele.

Die Butzbachhexa freuen sich über Zulauf, berichtet der Zunftmeister: „Wir zählen 15 Mitglieder und 7 Schnupperhexen, also Interessenten, die in die Zunft einsteigen möchten.“ Jedes Wochenende sind die Fasnets-Aktivisten derzeit auf Umzügen und anderen närrischen Veranstaltungen. Am Wochenende etwa waren sie beim großen Umzug in Fellbach, das Wochenende davor in Deggingen und abends auf dem Lumpenball in Göppingen. Sogar einen Sponsor hat die aktive Truppe schon: Es ist eine bekannte Uhinger Confiserie-Manufaktur. Statt „Kamelle“ wie in Köln werden in Uhingen Wibele ans Narrenpublikum verteilt.

Die jüngste Narrenzunft im Kreis Göppingen

Die Butzbachhexa wurden erst im Januar gegründet. Am 6. Januar ging es los mit der Hexentaufe. Die blau-schwarzen Gewänder sind selbst geschneidert, die Masken wurden von einem Schnitzer im Schwarzwald gefertigt. Der große Traum der Zunftmitglieder ist ein Umzug in Uhingen.