Hebammen Auch im Kreis ist der Berufsstand der Hebammen in Gefahr

Kreis Göppingen / KARIN TUTAS 12.08.2015
Junge Mütter haben es auch im Kreis Göppingen immer schwerer, eine Hebamme zu finden. Die Klinik tut sich zunehmend schwer, Stellen zu besetzen.

Die Hebammen im Landkreis Göppingen sehen ihren Berufsstand in Gefahr. Seit dem ersten Juli ist die Haftpflichtprämie für freiberufliche Geburtshelferinnen erneut um bis zu 23 Prozent gestiegen. Eine Steigerung, die die Freiberuflerinnen bislang alleine schultern müssen, weil die Verhandlungen über die Beteiligungen der Krankenkassen kürzlich gescheitert sind. Dies verschlechtere die ohnehin schon schwierige Lage der Geburtshelferinnen, erklärt die Vorsitzende des Hebammenverbandes im Kreis Göppingen, Manuela Krall.

Viele ihrer Kolleginnen stünden vor einer ungewissen Zukunft, sagt die Vorsitzende. Aktuell hat sich eine Hebamme entschlossen, ihre Praxis zu schließen. Denn die Gruppen-Haftpflichtversicherung des Deutschen Hebammenverbandes läuft Ende Juni 2016 aus. "Wie es dann weitergeht, ist unklar", berichtet Krall. Ohne Haftpflicht könnten Hebammen nicht arbeiten. Die Folgen der ungewissen Situation seien schon heute spürbar - auch im Landkreis Göppingen.

Viele verzweifelte Anrufe von Müttern

"Im letzten halben Jahr ist es immer schwieriger geworden, eine Hebamme zu finden", berichtet Krall, die selbst Anrufe von vielen verzweifelten Frauen bekommen habe. Dies betreffe nicht nur die Nachsorge während des Wochenbettes. "Viele Gynäkologen nehmen keine Patientinnen mehr auf", hat Krall erfahren. Die Frauen wandten sich deshalb wegen der Schwangerschaftsvorsorge an eine Hebamme.

Auch die Alb-Fils-Kliniken tun sich zunehmend schwer, Kräfte in der Geburtshilfe zu gewinnen. Derzeit sei eine Stelle frei, die aber im Oktober wieder besetzt werde, erklärt die Leitende Hebamme, Bettina Hartmann. 18 Geburtshelferinnen sind an der Klinik am Eichert in drei Schichten rund um die Uhr präsent und betreuen durchschnittlich vier Geburten in 24 Stunden.

Von einem Versorgungsnotstand will der Chefarzt der Frauenklinik, Dr. Falk Clemens Thiel, nicht sprechen. Indes beobachte man auch an der Klinik mit einer gewissen Sorge den Hebammenschwund. Weil die Generationen nicht mehr so eng zusammenlebten, fehlten Vorbilder. "Hebammen, die jungen Müttern zur Seite stehen, werden immer wichtiger", erklärt Thiel. Bettina Hartmann berichtet von Anrufen verzweifelter Mütter, die sich mit ihren Säuglingen nicht zu helfen wissen. "Eine so enge Betreuung wie die freien Hebammen können wir als Klinik nicht leisten", stellt Thiel klar.

Aus Sicht der Klinik sei die Arbeit der Freien Hebammen sehr wichtig - "weil sie nah an den Frauen dran sind und wir so wichtige Rückmeldungen für unser Arbeit bekommen. Das kann auch unsere Arbeit verbessern", sagt Bettina Hartmann.

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