Unterkunft Asylbewerber: Privates Wohnen geht kaum

Alfred Renfftlen hat Familie Ahmed ein neues Zuhause in Holzheim gegeben. Die Entscheidung, seinen Wohnraum einer Flüchtlingsfamilie zur Verfügung zu stellen, hat Renfftlen nie bereut.
Alfred Renfftlen hat Familie Ahmed ein neues Zuhause in Holzheim gegeben. Die Entscheidung, seinen Wohnraum einer Flüchtlingsfamilie zur Verfügung zu stellen, hat Renfftlen nie bereut. © Foto: Sabine Ackermann
KRISTINA BETZ 09.09.2015
Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge werden händeringend gesucht. Die Aufnahme in privaten Wohnungen ist jedoch nur in bestimmten Fällen eine Alternative zu überfüllten Unterkünften.

Alfred Renfftlen kennt das Verfahren bereits, das mit der privaten Aufnahme von Flüchtlingen einhergeht. Vor über zwei Jahren nahm der Rentner Familie Ahmed bei sich auf und bot den beiden Eltern und ihren drei Kindern aus Pakistan so eine Alternative zum Leben in der Flüchtlingsunterkunft in der Pappelallee. Er habe sich damals beim Landratsamt gemeldet und sein Haus als Bleibe angeboten. Eine Familie mit Kindern aufzunehmen, war dabei sein ausdrücklicher Wunsch. "Genug Platz hab ich ja", habe Alfred Renfftlen damals schon gesagt.

Dann sei alles ganz zügig gegangen. Das Landratsamt habe sich das Haus angesehen und die Zustimmung erteilt. Kurz darauf zog die fünfköpfige Familie Ahmed bei Renfftlen ein - raus aus der Sammelunterkunft Pappelallee, rein ins idyllische Holzheim. "Das ging alles sehr zügig und unproblematisch", resümiert Renfftlen heute.

Sobald Asylsuchende den Flüchtlingsstatus erlangt haben, dürfen sie sich eine Wohnung suchen, erklärt Rudolf Dangelmayr, Leiter des Kreissozialamts. In diesem Fall spricht man von der sogenannten Anschlussunterbringung. Das Asylgesuch wurde in diesem Fall bereits anerkannt, die vorläufige Unterbringung in der staatlichen Unterkunft ist beendet. Der Antragssteller darf sich dann eine Wohnung suchen. Wie im Fall der Familie Ahmed, kann dies auch bedeuten, dass ein Flüchtling bei einer Privatperson unterkommt. Wer Wohnraum für die Anschlussunterbringung zur Verfügung stellen möchte, solle sich am besten beim Kreissozialamt oder direkt bei der Gemeinde, die für die Unterbringung zuständig ist, melden, erklärt Dangelmayr. Im Folgenden kommt ein normales Mietverhältnis zustande.

Eine private Unterbringung, während eines laufenden Asylverfahrens hingegen, sei kaum möglich, gibt Dangelmayr zu bedenken: "Bürokratisch ist das einfach zu aufwändig. Eine ausreichende Sozialbetreuung muss sichergestellt werden. Das geht einfacher bei großzelligen Lösungen."

Man sei momentan vor allem auf der Suche nach größeren Unterkünften mit hohen Kapazitäten. Aber an die gibt es Anforderungen zuhauf, erklärt Dangelmayr: "4,5 Quadratmeter pro Person sind Pflicht. Außerdem müssen die Brandschutzbestimmungen eingehalten werden und der Standort spielt natürlich auch eine Rolle. Die Kinder müssen zum Beispiel mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule kommen." Aber auch bei der vorläufigen Unterbringung sei man auf die Hilfe von Privatleuten angewiesen. Wer größere Kapazitäten für mehr als zehn Personen zur Verfügung stellen möchte, solle sich beim Kreissozialamt oder direkt bei der zuständigen Kommune melden. Einer Schätzung des deutschen Städtetages zu Folge, werde jährlich mit einem Bedarf von 300 000 zusätzlichen Wohnungen gerechnet. Die bereit zu stellen ist eine Mammutaufgabe, bei der auch privater Wohnraum eine Rolle spielen kann.

Alfred Renfftlen jedenfalls, hat seine Entscheidung nie bereut, seinen privaten Wohnraum mit einer Flüchtlingsfamilie zu teilen. "Ich würde es immer wieder machen und habe damit auch nur positive Erfahrungen gemacht", sagt Renfftlen. Menschen, die auf die gleiche Weise helfen wollen, rät er, auch die Nachbarschaft einzubeziehen: "Wichtig ist, dass man selbst gut integriert ist und mit den Menschen im Umfeld spricht. Dann bekommt man von überall her Zuspruch."

Hilfe bei der Vermittlung

Kreissozialamt: Dort kümmern sich Sozialbetreuer um die Anschlussunterbringung der Flüchtlinge und vermitteln Wohnraum für die Anschlussunterbringung. Der Kreis ist gerade dabei, in dem Bereich zusätzliche Stellen zu schaffen.

Gemeinden: Finden Flüchtlinge für die Anschlussunterbringung keine Wohnung, stehen die Kommunen in der Pflicht. Wer Wohnraum anbieten möchte, kann sich direkt an die zuständige Gemeinde wenden.

Helfer: Auch ehrenamtliche Helfer in Flüchtlingsunterkünften können bei der Vermittlung von Wohnraum helfen. krib