Rente Armutsgefährdete Rentner im Blick

Göppingen / Oliver Frick 15.10.2018

Zusammen mit dem Netzwerk „arbeitSwelt“ lud die KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung) anlässlich des offiziellen Tages der menschenwürdigen Arbeit am vergangenen Samstag zum gemeinsamen Mittagessen und zur offenen Debatte über Armut im Rentenalter bei der Langen Tafel ein.

Mitten auf dem Marktplatz in Göppingen sollte unter dem Motto „Jetzt löffeln wir die Suppe aus“ die Bevölkerung „mit dem Thema konfrontiert werden“, erklärte der KAB-Sekretär Ákos Csernai-Weimer. Man wolle so stark wie möglich die Öffentlichkeit auf die Sache aufmerksam machen.

Denn wer weniger als 958 Euro Rente netto im Monat zum Leben hat, gilt als armutsgefährdet. Frauen haben hier ein vier Mal höheres Risiko als Männer. Prognostiziert ist, dass 2036 jeder fünfte Rentner betroffen sein wird, was einen Anstieg um fünf Prozent im Vergleich zu 2016 bedeuten würde. Für einen Besucher ist es „essentiell, diese schnelle Entwicklung zu stoppen“, sagte dieser bei der Aktion.

Im Moment beträgt der gesetzliche Rentensatz 48 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Die Bundestagsabgeordnete und SPD-Politikerin Heike Baehrens wurde bei der Aktion interviewt. Sie machte deutlich, dass das jetzige Rentenniveau auf keinen Fall absinken dürfe. Außerdem sei eine solidarische Rente, in welcher beispielsweise durch Schwangerschaft zeitweilig beeinträchtige Erwerbstätige berücksichtigt werden, für die Zukunft fest vereinbart und eingeplant.

Cappuccino-Modell anwenden

„Wir fordern mehr Solidarität in der gesetzlichen Rentenversicherung“, rief Csernai-Weimer über die Mikrofone, und ergänzt später, man wolle das selbstentwickelte Cappuccino-Modell bekannt machen. Dieses besteht aus drei Schichten: Dem Espresso (entspricht der Sockelrente), dem Milchkaffee (entspricht der Erwerbstätigenversicherung) und dem Milchschaum (entspricht der betrieblichen und privaten Vorsorge). Weiteres Ziel der Aktion sei laut dem KAB-Sekretär, dass auf das „sozialpolitische Desaster“ aufmerksam gemacht wird.

Baehrens nannte noch weitere Ziele ihrer Partei. So sollte Arbeit ordentlich honoriert und die Menschen aus der Abhängigkeit gebracht werden, sowie Sicherheit in der Rente nicht nur auf kurze, sondern auf lange Sicht gewährleistet sein. Außerdem sei Österreich eines der Vorbilder. Dort erhalten die Menschen durchschnittlich 54 Prozent mehr Rente als in Deutschland.
Ein weiterer Besucher zeigte sich verärgert über die deutsche Politik. „Wenn die Regierung funktionieren würde, wäre das hier doch gar nicht nötig“, befand er. „Man spricht so oft über die Förderung der Rente, aber davon wird eh fast nichts umgesetzt.“

Gespräche mit Baehrens

Nachdem anfangs der Andrang noch relativ verhalten war, strömten mit der Zeit immer mehr Besucher zur Aktion. Im Anschluss an das Interview mit Heike Baehrens konnten die Besucher noch persönlich mit der Politikerin sprechen und ihre Anliegen loswerden.

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