Neben fünf bis zehn Fachingenieuren arbeiten täglich im Schnitt etwa 80 Handwerker auf dem ehemaligen SBI-Areal zwischen historischer Arbeitersiedlung und neu angelegtem Park. Aus dem alten Spinnereigebäude machen sie eine Seniorenresidenz. Erst kürzlich bestätigte ein Baustofflieferant dem örtlichen Bauleiter Albert Appenzeller, dass die Kuchener Großbaustelle derzeit wohl das größte Umbauprojekt zwischen Ulm und Plochingen sei. Rund zehn Millionen Euro sind als Bausumme veranschlagt.

Anfang April haben die Bauhandwerker in Kuchen Einzug gehalten und sind seitdem mit Rausreißen, Sanieren und Wiederaufbau beschäftigt. Sie haben alte Decken und Wände entfernt, Heizungs-, Sanitär- und Elektroleitungen ausgebaut und rund 210 Fenster demontiert. Das Denkmalamt hat dabei immer ein wachsames Auge auf die Arbeiten. Um der Behörde die Arbeit zu erleichtern, stimmen die Bauleiter ihre Arbeit ständig mit dem Denkmalschutz ab, auch wenn das teilweise sehr zeitaufwendig ist. Gute Vorplanung sei das A und O, sagt Markus Sohler, der Bauleiter des Totalunternehmers i+R Dietrich Wohnbau GmbH aus Lindau. Zusammen mit dem örtlichen Bauleiter, Albert Appenzeller aus Kuchen, stemmt Sohler alles Organisatorische. Sein Unternehmen hat am Hauptsitz in Voralberg rund 800 Mitarbeiter und weist unter seinen Referenzen auch einige Vorhaben aus, die dem in Kuchen gleichen.

Rund 20 Gewerke wurden bisher an die unterschiedlichsten Firmen von nah und fern vergeben. Dabei legt die Bauleitung Wert darauf, dass auch heimische Unternehmen zum Zuge kommen und ihre Leistungsfähigkeit beweisen können. Auf der Baustelle geht es international zu und selbst Albert Appenzeller stößt manchmal an seine sprachlichen Grenzen, wenn er neue Anweisungen geben will. Zugute kommt ihm, dass die Handwerker im Elf-Tage-Rhythmus mit einer kurzen Überschneidungszeit arbeiten. Dadurch sind zeitweise zwei Bautrupps vor Ort. Das sicherlich größte und aufwendigste Gewerk ist dabei der Trockenbau samt Brand- und Schallschutz. Auf Trockenbauweise setzt man im Innenraum aus vier Gründen. Die historischen Fußböden müssen erhalten bleiben – Trockenbau bringt weniger Gewicht, der Schall- und Brandschutz ist besser gewährt. Weil die Wände nicht erst trocknen müssen wie Mauerwerk, wird außerdem die Bauzeit kürzer. Rund 1000 Tonnen Gipsplatten werden die Handwerker auf der Baustelle verarbeiten und etwa 210 Fenster austauschen.

Derzeit baut die Westerheimer Firma Kneer 165 große alte Fenster aus Holz, die dem Gebäude sein charakteristisches Aussehen verliehen, nach Vorgaben des Denkmalschutzes neu ein. Alte Materialien wie Steine und Holzbalken werden an vielen Stellen im und am Gebäude wieder verwendet. Wo die markanten Stützen aus Gusseisen das statische Konzept passen, werden sie mit einer speziellen Brandschutzmasse behandelt und bleiben sichtbar Zeitzeugen.

Im dritten Obergeschoss, wo 19 Mietwohnungen entstehen sollen, findet man derzeit die Großbaustelle von Zimmermann Christian. Der Allgäuer zieht mit seinen Kollegen die Wohnungstrennwände ein. Wegen der Statik bestehen sie aus Holz. Im zweiten und dritten Obergeschoss gibt es 64 Pflegezimmer. Die Handwerker aus dem Heizungs- und Sanitärbereich der Firma Stolz aus Bludenz und die Elektriker des Geislinger Albwerks ziehen ihre Kabel durch alle Etagen. Im Erdgeschoss, mit direktem Durchgang vom Parkplatz in den SBI-Park, werden ein Friseur, eine Logopädin, die Verwaltung und ein kleines Café zu finden sein.

Die Bauzeit ist ein wichtiger Faktor auf der Großbaustelle und der tägliche Zeitdruck enorm. Ende Februar 2016 muss alles bezugsfertig sein. Kein Problem, erklärt Markus Sohler: „Wir liegen momentan sehr gut im Zeitplan.“ Ein wenig Kopfzerbrechen macht dem Bauleiter lediglich die Außenanlage, die bis Oktober fertig sein soll. Der Liefertermin für alle Einrichtungsgegenstände ist auf Februar fixiert. Offen ist noch die farbliche Abstimmung der Außenfassade mit dem Denkmalamt. Die nächste große Aktion folgt dann im August, wenn das mittlere der drei Satteldächer entfernt und der neue Lichthof geboren wird.

Info Am Samstag um 10 Uhr können Interessierte in kleinen Gruppen die Baustelle besichtigen. Zudem gibt es Informationen aus erster Hand, was wo und wie entstehen wird.