"Ich hab mein Auto am Montag gewaschen, jetzt sieht es schon wieder aus wie ein Baustellenfahrzeug." Der Tomerdinger ärgert sich über den Dreck, der durch die Großbaustelle für den sechsspurigen Ausbau der A 8 und Bau der ICE-Trasse entsteht: Tomerdingen, Temmenhausen, Bollingen, Dornstadt, Merklingen, Westerstetten - alle Durchgangsstraßen seien durch die vielen Baustellen-Lkw verdreckt. "Auch die Fassaden der Häuser sind zusehends verspritzt."

Dabei fahren zurzeit nur wenige Lastwagen: Denn zum 13. November hat die Bahn den Betrieb auf der Baustelle eingestellt. Nachdem sich die Klagen der Anwohner und Kommunen gehäuft hatten, sandte die Deutsche Bahn eine Abordnung auf die Alb. Projektleiter Stefan Kielbassa machte sich in Begleitung eines Fernsehteams - mit Gummistiefeln bewaffnet - ein Bild vor Ort. Die Situation durch die Straßenverschmutzung sei "nicht tragbar", daher habe er den Betrieb gestoppt, sagte Kielbassa in Dornstadt.

Die Bahn hebt südlich der bestehenden A 8 die Trasse aus, auf der künftig sowohl die ICE-Gleise wie auch die dann sechsspurige A 8 verlaufen. Millionen Tonnen Erde müssen dafür abgeschoben, ausgebaggert und mit Lastwagen abgefahren werden: Entweder wird der Aushub auf die andere Seite der neuen Brücke zwischen Dornstadt und Bollingen gefahren. Dort wird Richtung Dornstadt hin ein Lärmschutzwall aufgeschüttet. Zum Teil wird die Erde auch nach Westerstetten in den Steinbruch transportiert. Solche Entsorgungsfahrten finden nach Angaben eines Bahnsprechers derzeit nicht mehr statt. Dass einzelne Lastwagen dennoch auf den Straßen sind, sei durchaus möglich. "Doch dann wird gewaschen und gekehrt." Die Bahn verstehe den Ärger über die Verschmutzung. "Aber wir können nicht mehr tun als den Entsorgungsverkehr einstellen."

Wie lange der Betrieb still steht? "Das hängt vom Wetter ab." Zwar gibt es keine Entsorgungsfahrten, dennoch sind Lastwagen zur Baustelle unterwegs. Etwa von Merklingen, um aus dem dortigen Steinbruch Schotter anzuliefern. Dabei fahren sie durch Tomerdingen. "In den letzten Tagen ist es aber ruhiger geworden", sagt ein Anwohner der Hauptstraße. Auch sei vor gut einer Woche zweimal die Kehrmaschine durchgefahren. Sauber sei die Straße zwar nicht. "Aber immerhin." Die Kehrsaugmaschinen sind laut Bahn-Sprecher regelmäßig im Einsatz (siehe Info-Kasten). Zudem stünden an allen Bahnbaustellen Reifenwaschanlagen mit befestigten Abrollstrecken, um die Reifen vom Schmutz zu befreien. Dass die Lastwagenfahrer diese nützen müssen, sei allen beauftragten Firmen deutlich gesagt worden. Ein Teil des Problems sei die Bodenbeschaffenheit auf der Alb, sagt der Bahnsprecher: Der hohe Lehmanteil führe im Zusammenspiel mit Nässe zu der klebrigen Pampe, die die Menschen so nervt.

In punkto Straßenreinigung soll nachgelegt werden