Eine junge Frau mit einem großen Rucksack mit bunten Plakaten und einer Kamera war in den vergangenen Wochen öfter in Ebersbach unterwegs. Es handelte sich um Corinna Luksch, eine 23-jährige Soziologiestudentin. Die Ebersbacherin macht ein Praktikum bei der Stadtverwaltung im Bereich Flüchtlingshilfe und Integrationsmanagement.

„Integration.Mit.Arbeit“ ist der Titel eines Projekts, für das sie in Ebersbach und Umgebung unterwegs war, um über die Erfahrungen von Arbeitgebern mit der Beschäftigung geflüchteter Menschen zu berichten. Die daraus entstandenen Artikel sind auch im Ebersbacher Stadtblatt nachzulesen. Das Projekt wurde auf großen Bannern fotografisch dokumentiert und mündet in eine Ausstellung, die am Montag, 25. März um 18.30 Uhr im Ebersbacher Rathaus der Bürgerschaft vorgestellt wird. Danach wandern die Roll-up-Banner durch öffentliche Gebäude der Stadt und sind bei Veranstaltungen zu sehen.

Insgesamt besuchte Corinna Luksch zwölf Unternehmen und befragte die Betriebsleitung danach, was gut funktioniert, aber auch nach Schwierigkeiten, wie sich die Migranten in die Teams einfügen, ob und wie sich kulturelle Hintergründe auswirken, ob es bürokratische Hürden gab und warum sie sich für die Einstellung entschieden. Bei einigen Geflüchteten ist das Asylverfahren noch nicht abgeschlossen und die Gefahr einer möglichen Abschiebung steht noch im Raum, stellte sie fest. Das bedeute für sie und ihre Arbeitgeber eine große Unsicherheit. Kaum überraschend stellen die Sprachkenntnisse das größte Hindernis im Arbeitsalltag dar. Viele Geflüchtete müssen nicht nur die deutsche Sprache lernen, sondern zusätzlich die lateinische Schrift. Manche besuchten in ihrem Herkunftsland nie oder nur wenige Jahre die Schule, hat die angehende Soziologin herausgefunden. Gerade deshalb sei es bewundernswert, dass derzeit 40 Prozent der erwachsenen Geflüchteten aus Ebersbach arbeiten – einige davon seien bereits in Ausbildung. Diese Menschen seien häufig hilfsbereit, fleißig und besitzen eine große Motivation, sich in Deutschland ein neues, perspektivenreiches Leben aufzubauen, hat sie herausgefunden. Vor allem in Handwerksbetrieben, aber auch in Branchen wie Pflege und Industrie werde der Nachwuchs dringend benötigt. Es sei auch von anderen positiven Faktoren berichtet worden, wie beispielsweise einer sympathischen Gelassenheit, von der sich einheimische Mitarbeiter in der Hektik des Arbeitsalltags etwas abschauen könnten.

Integration bedeutet nach Lukschs Überzeugung nicht, dass sich eine Gruppe vollkommen an die andere anpasst und ihre kulturellen Praktiken aufgibt. Der soziologische Fachbegriff dazu wäre Assimilation, schreibt sie. Integration bedeute ein gegenseitiges Voneinander-Lernen, das als langer Prozess nie abgeschlossen sein werde. Es sei unrealistisch zu behaupten, dass es dabei keinerlei Schwierigkeiten geben werde. Interaktion sei der Schlüssel für kulturellen Austausch und damit für eine interkulturelle Gesellschaft, so ihr Fazit.