In einer Pressemitteilung hatte der Bundesverband mittelständischer Wirtschaft die Situation der Physiotherapeuten beklagt. So sei eine Wartezeit von vier Wochen bei Physiotherapeuten keine Seltenheit. In den Praxen fehlten zudem Mitarbeiter und das vorhandene Personal arbeite am Limit, beklagte der Verband. Physiotherapeuten aus dem Kreis Göppingen bestätigten dies.

Nun meldet sich die AOK zu Wort und widerspricht in einer Pressemitteilung, die der Bundesverband mittelständischer Wirtschaft verschickte, den Physiotherapeuten in Teilen. Patienten, die von einem Physiotherapeuten behandelt werden müssen, warten nicht vier Wochen oder länger auf einen Termin, heißt es darin. Die AOK Neckar-Fils widerspricht somit den Aussagen im Bericht „Physiotherapeuten arbeiten am Limit“

„Nach unseren Erkenntnissen bewegt sich die Zeit zwischen Verordnung und Inanspruchnahme einer physiotherapeutischen Maßnahme für AOK-Versicherte im Land unter den 14 Kalendertagen, die die Heilmittel-Richtlinie vorsieht“, so AOK-Sprecher Jörg Portius. Die Zahl der zugelassenen Heilmittelerbringer in Baden-Württemberg sei im Verlauf der letzten Jahre ebenfalls stabil geblieben. Die Physiotherapeuten aus dem Landkreis hatten im Bericht zunehmenden Personalmangel beklagt.

AOK habe maßgeblichen Anteil an Finanzierung

„Die Krankenkassen in Baden-Württemberg stellen den Kliniken im Land 2019 über 340 Millionen für die Ausbildung von Gesundheitsfachkräften an Kliniken (darunter auch Physiotherapeuten) zur Verfügung“, so Portius weiter. Die AOK Baden-Württemberg trage daran mit über 150 Millionen Euro den Löwenanteil und habe somit einen maßgeblichen Anteil an der Finanzierung der Gesundheitsfachberufe. „Zudem erhalten betrieblich-schulisch Auszubildende ab 2019 – darunter auch Physiotherapeuten – eine Ausbildungsvergütung“ so der AOK-Sprecher.

Die AOK Baden-Württemberg habe zudem mit den Berufsverbänden zwischen 2017 und 2020 Vergütungserhöhungen von rund 30 Prozent im Bereich der Physiotherapie vereinbart. „Die Höhe des Gehaltes wird aber zwischen Praxisinhaber und Angestellten vereinbart“, ergänzt Portius.

* In einer früheren Version stand wörtlich „die AOK sieht auch keine Notwendigkeit, mehr Geld zur Verfügung zu stellen, um die Ausbildung von Physiotherapeuten attraktiver zu gestalten.“ Wie die AOK mitteilt, sei dieser Rückschluss, den der Bundesverband mittelständischer Unternehmen in der Mitteilung zieht, falsch. Eine starke und gesunde Physiotherapie sei im Interesse der AOK. Nicht im Interesse der Krankenkasse sei es hingegen, in Opposition zu Physiotherapeuten zu gehen.

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