Geislingen Ansteckend und sogartig

Geislingen / SABINE GRASER-KÜHNLE 03.05.2012
Energiegeladen in den Mai: The Help mischten ihr Publikum in der Geislinger Seemühle mächtig auf. Eisenharte Rockklänge trafen auf melodische Sanftheit, schillernde Danceattribute hatten Sogcharakter.

. Wenn Sängerin Dacia Bridges sich ihren Weg auf die Bühne bahnt, weht ein Hauch atemberaubendes Charisma mit. So auch in der Seemühle in der Nacht zum ersten Mai. Dieser Hauch verdichtete sich auf der Bühne zu einer mitreißenden Performance-Show dieser Powerlady. Sie lieferte ein Entertainment hier betörend sexy mit lasziven Hüftbewegungen, dort mitreißend wild mit Headbanging, dass ihre dichte gelockte Mähne flog, dann plauderte die Tochter einer schwarzen Mutter und eines Vaters mit Cherokee-Einflüssen vergnügt mit ihrem Publikum. Das wiederum ließ sich nicht lange bitten, klatschte und jubelte. Erst recht, wenn Bridges Bandmitglieder mit loslegten: Gitarrist Alex Scholpp und Drummer Flo Dauner, beide aus Stuttgart, sowie Bassist Doug Wimbish aus Connecticut. Alle vier zusammen gehen ein vielversprechendes deutsch-amerikanisches Bündnis ein, eine Verbindung, die sich in einer herausragend rhythmischen Präzision spiegelt.

Selten liegen Musiker im Rhythmus so beieinander wie diese drei, deren Instrumente wie von einer Hand gespielt erklingen; der daraus resultierende Groove ist ansteckend und sogartig.

The Help "is on the way" - nach oben, das kann man mit Fug und Recht behaupten und so heißt auch ihr neues Album, das die Band bei der Musikerinitiative in der Seemühle vorgestellt hat.

Bereits die ersten Songs bewiesen den besonderen Mix der Combo. Metallisch hart, dass es knallt, dann wieder fast lyrische Sanftheit. "American Dream" ist ein solch melodischer Titel, beseelt in seiner Lyrik und doch in den Breaks der Musiker immer wieder mit metallener Härte als Fundament. In "Echoes" spielt die Band mit der Elektronik ihrer Instrumente. Die Klänge bereiten einen sogartigen Dance Floor, der ebenso wie in den melodischen Stücken auf Metalanleihen basiert.

Dass die drei Musiker ihre Instrumente aus dem Effeff beherrschen, bewiesen sie zudem in Instrumentalsoli, wofür Bridges die Bühne räumte. In wahnsinnigem und hart peitschendem Uptempo, mit atemraubender Gitarrenakrobatik, dann wieder fast chillig mit nahezu psychedelischem Charakter war "Farcaster" reine Männersache. Und nicht nur hier hatte Flo, der Sohn des Jazzpianisten Wolfgang Dauner, Gelegenheit, sein Schlagwerk in all seinen schillernden und klangstarken Facetten zu bearbeiten.

Schade nur, dass der Lautstärkepegel für die kleine Kneipe bei Weitem zu hoch war. Denn so wurde mancher melodischer Gitarrenriff ebenso Opfer der jeden Klang in sich zerfließen lassenden Phonstärke, wie auch die Instrumente den Gesang von Dacia Bridges meistens übertönten. Die wandelfähige Stimme der in Michigan Geborenen, die nicht nur kraftvoll rockig röhrt, sondern auch wie rauer Samt in souligen Tiefen beseelt klingen kann, drang somit selten durch. Ganz anders bei der Türkheimer Vorband "Deepstack", die ganz und gar nicht "tiefstapeln" muss. Der Gesang der Rockband war trotz rockiger Lautstärke gut im Vordergrund.

Die fünfköpfige Band heizte dem Publikum kräftig ein und bereitete "The Help" einen bebenden Boden. Das wusste Dacia Bridges wohl zu schätzen und forderte nach ihrem ersten Song bei den Zuhörern Beifall für "Deepstack" ein. Äußerst sympathisch.