Süßen Gewerbepark Lauter birgt Sprengstoff

Gegen die Dimension des geplanten Gewerbeparks Lauter zwischen Donzdorf und Süßen werden Bedenken laut, weil wertvolle Ackerflächen zerstört würden. Viele Süßener Stadträte wollen die Fläche des Gewerbegebiets halbieren.
Gegen die Dimension des geplanten Gewerbeparks Lauter zwischen Donzdorf und Süßen werden Bedenken laut, weil wertvolle Ackerflächen zerstört würden. Viele Süßener Stadträte wollen die Fläche des Gewerbegebiets halbieren. © Foto: Giacinto Carlucci
Süßen / Karin Tutas 07.11.2018
Der interkommunale Gewerbepark Lauter birgt Sprengstoff. Die Mehrheit des Süßener Gemeinderats wünscht eine Halbierung der Fläche.

Am 3. Dezember soll die Versammlung des Gemeindeverwaltungsverbands Mittlere Fils-Lautertal den Entwurf des neuen Flächennutzungsplans für die Gemarkungen der Kommunen Donzdorf, Gingen, Lauterstein und Süßen absegnen. Die Mehrheit des Süßener Gemeinderats hat noch Gesprächsbedarf bei der Ausweisung von Flächen für den geplanten 28 Hektar großen Gewerbepark Lauter zwischen Donzdorf und Süßen. Rund ein­einhalb Stunden rangen die Stadträte um die Position, die die Stadt Süßen in der Versammlung vertreten soll.

Der dem Planwerk beigelegte Umweltschutzbericht, in dem die Flächen bewertet werden, hat vielen Stadträten zu denken gegeben. Bei einer nichtöffentlichen Informationsveranstaltung im Oktober seien von der Unteren Naturschutzbehörde und Naturschutzverbänden erhebliche Bedenken vorgebracht worden, erklärte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Armin Kuhn und forderte: „Wir sollten behutsamer vorgehen.“ Sehr hochwertige Ackerböden würden auf unabsehbare Zeit kaputt gemacht, warnte der Grünen-Sprecher. Die Vertreter der Stadt Süßen sollten in der Verbandsversammlung die Halbierung der Flächen für den Gewerbepark beantragen. Sollte die Verbandsversammlung dies ablehnen, solle Süßen dem Planentwurf nicht zustimmen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Udo Rössler stieß ins selbe Horn. „Wir müssen Verantwortung für Natur und Landwirtschaft übernehmen.“ Rössler stellte in Frage, „ob unsere Raumschaft auf großflächige Gewerbeflächen auf der grünen Wiese setzen soll“. Es seien innovative Konzepte gefragt, wie die Ansiedlung von Startup-Unternehmen in der Digitalbranche, die sich eher innerorts und nahe des Öffentlichen Nahverkehrs ansiedelten. Auch in Reihen der FPD-AFW wurden Bedenken gegen die Dimensionen des Gewerbeparks laut. „Ich denke nicht, dass wir einen so wahnsinnigen Zulauf von Firmen haben, die große Gebäude errichten, der Markt ist abgegrast“, sagte Annette Prinzing.

Befürchtung, dass alte Konflikte aufflammen

Es gebe durchaus Anfragen für Gewerbeflächen, sagte Bürgermeister Marc Kersting, dem die Richtung der Debatte zunehmend Unbehagen zu bereiten schien. „Wir werden sicher nicht 28 Hektar auf einmal erschließen“, versuchte der Rathauschef zu beschwichtigen. Der Flächennutzungsplan beinhalte keinen Rechtsanspruch zu bauen und die Ausgestaltung des Gewerbeparks werde ohnehin im Bebauungsplan geregelt. Kersting warnte nachdrücklich davor, die Zustimmung zum Flächennutzungsplan von der Halbierung der Gewerbeflächen abhängig zu machen, „das kann ich nicht mittragen“. Kersting befürchtete, dass frühere Konflikte mit den Nachbarkommunen wieder aufflammen:  „Dann beharkt man sich wie früher“ und ein jeder blockiere die Entwicklung des anderen. Der Flächennutzungplan lege ja lediglich einen Rahmen fest, „anschließend haben wir noch viele Gestaltungsmöglichkeiten“, erklärte auch Michael Keller, Fraktionsvorsitzender der FDP-AFW.

„Wenn wir den gesamten Flächennutzungsplan ablehnen, stellen wir wieder alles auf Null“, warnte auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Simon Weißenfels. Jeder beklage die geringen Gewerbesteuereinnahmen Süßens und „wo haben wir in nächster Zeit Platz für ein Gründerzentrum?“, fragte Weißenfels in Richtung Udo Rössler. Einen Kompromissvorschlag machte Bernd Schweighofer (FDP-AFW): Die Stadträte aller Verbandskommunen sollten gemeinsam über eine Reduzierung der Gewerbeparkflächen diskutieren. Diesem Vorschlag stimmten schließlich 13 Stadträte (5 Neinstimmen) zu. Sollte der Termin nicht zustande kommen, sollen die Süßener Vertreter in der Verbandsversammlung die Halbierung der Flächen beantragen. Dafür votierten 10 Stadträte (7 Nein, 1 Enthaltung). Mit knapper Mehrheit, 9 Nein-, 8 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung, stimmte der Gemeinderat gegen den Antrag, den kompletten Flächennutzungsplan abzulehnen.

Fläche wird nur als bedingt geeignet einen Gewerbepark eingestuft

Flächennutzungsplan Der Gemeindeverwaltungsverband Mittlere Fils-Lautertal will im neuen FNP die Entwicklungsziele für die Flächen seines Markungsgebiets bis ins Jahr 2035 festlegen. Vorgaben des FNP müssen bei der Aufstellung von Bebauungsplänen beachtet werden. Nur letztere legen die Nutzung von Flächen verbindlich fest sowie wo und wie gebaut werden darf.

Gewerbegebiet Der geplante Gewerbepark Lauter befindet sich am westlichen Ortseingang von Donzdorf südlich der B 466 und der Süßener Straße.

Beteiligte An dem interkommunalen Gewerbegebiet sind die Städte Donzdorf, Lauterstein und Süßen sowie die Gemeinde Gingen beteiligt.

Größe Geplant ist eine Baufläche von 28 Hektar. Das entspricht in etwa der Größe des Gewerbeparks Göppingen-Voralb (29 Hektar). Die Mehrheit des Süßener Gemeinderats möchte die Fläche des IKG Lauter halbieren.

Bedenken Im Umweltbericht wird die Fläche nur als „bedingt geeignet“ für einen Gewerbepark eingestuft. Hohes Konfliktpotenzial wird im vorgeschriebenen Umweltschutzbericht unter anderem im Verlust wertvoller Ackerflächen und in Flächenversiegelung gesehen. Auch ein keltisches Gräberfeld befindet sich in dem Gebiet.

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