"Es lohnt sich zu kämpfen." Nach diesem Schlusssatz brandet mächtig Beifall auf - anhaltend und rhythmisch. Andrea Nahles scheint bei den Genossen den richtigen Ton gefunden zu haben. Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales ist in Uhingen angetreten, um der SPD im Wahlkreis Göppingen und ihrem Kandidaten Peter Hofelich den Rücken für den Landtagswahlkampf zu stärken.

Die rund 110 Gäste im Uditorium in Uhingen müssen sich ein wenig gedulden. Der Gast aus Berlin lässt auf sich warten. Während die Helfer des Uhinger SPD-Ortsvereins immer wieder nach draußen eilen, um nach der Ministerin Ausschau zu halten, bleibt dem Kandidaten Zeit, Bilanz zu fünf Jahre Grün-Rot im Land zu ziehen. "Baden-Württemberg geht es besser als zu Zeiten der christlich-liberalen Koalition", das gelte nicht nur für die Polizei nach einer gelungenen Reform. Die Wende im sozialen Wohnungsbau habe die Landesregierung genauso hinbekommen wie die Bewältigung des Flüchtlingsstroms durch eine Steigerung der Erstaufnahmeplätze für Asylbewerber von 900 auf rund 45 000 im vergangenen Jahr. Die Registrierung der Schutzsuchenden sei geradezu vorbildlich und Indiz für eine "gut funktionierende Landesverwaltung".

Auch Hofelichs prominente Wahlkampfhelferin, die mit einer guten halben Stunde Verspätung eintrifft, sich flugs ins goldene Buch der Stadt einträgt, geht gleich in medias res. Eine halbe Stunde lang schlägt Nahles stakkatoartig in lockerer Tonart, untermalt mit knackigen Zitaten, den Bogen von der Bundes- zur Landespolitik. Viele Bundesthemen beschäftigten auch das Land, hatte Peter Hofelich festgestellt. Beispiel Mindestlohn: "Wir sind damit nicht auf dem Holzweg, sondern auf dem Wachstumspfad", schreibt die Ministerin angesichts einer Umsatzsteigerung von mehr als vier Prozent 2015 den Kritikern vom Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga - "einer der lautesten Schreihälse" - ins Stammbuch.

Die Wahl am 13. März sei "mehr als nur eine normale Landtagswahl", erklärt Nahles angesichts des alles andere überlagernden Flüchtlingsthemas. Es drohe ein Rechtsrutsch. Die Ministerin appelliert, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen, "aber ich lasse mich nicht überwältigen von dumpfen Parolen". Bei der Integration müsse das Prinzip "fördern und fordern" gelten. Sie erwarte dabei auch, dass die Zuwanderer aktiv an diesem Prozess mitarbeiten, macht Nahles deutlich. Das gelte auch für Frauen, denn "ich habe keine Lust, die nächste Generation abgeknipster Mütter mitzufinanzieren".

Baden-Württemberg habe nicht nur den Flüchtlingsstrom auf beeindruckende Weise bewältigt, sondern auch in puncto Bildung, Betreuung und Weiterbildung einen "vorbildlichen Weg" eingeschlagen, erklärt die Ministerin. Auch die Weichen für die Zukunft der Arbeitswelt seien unter Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid richtig gestellt worden.

Zitate von Andrea Nahles

Mindestlohn: "Wir sind nicht auf dem Holzweg, sondern auf dem Wachstumspfad."

Tabubruch: "Ich denke, dass solche Leute irgendwo ein Rad ab haben." (Zu den Äußerungen der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry, deutsche Grenzen im Notfall auch durch Schüsse auf Flüchtlinge zu sichern).

Integration: "Ich habe keine Lust, die nächste Generation abgeknipster Mütter zu finanzieren." (Nahles zu ihrer Forderung, auch Frauen mit Migrationshintergrund durch entsprechende Förderung in die Arbeitswelt zu integrieren).

Wahl: "Das ist mehr als nur eine normale Landtagswahl."