Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises will am Zeitplan für den Bürgerinformationsprozess zur geplanten Kapazitätsausweitung des Müllofens festhalten. Daran ändert auch ein Brief von Dr. Michael Jaumann und Jörn Rasch von der Initiative „Müllkonzept Göppingen“ nichts. Sie fordern in dem Schreiben an den Geschäftsführer der Verbrennungsanlage, Morten Holpert: „Nach der Veröffentlichung der beiden Gutachten (Boden, Immissionen) sind mindestens vier Wochen nötig, um diese angemessen zu prüfen und zu bewerten. Eine Veröffentlichung am Tag der öffentlichen Veranstaltung am 12. September ist abzulehnen.“

Erst an diesem Tag werden die zwei Gutachten vorgestellt – und noch am gleichen Abend soll die öffentliche Diskussion darüber stattfinden. Zum einen hat der Betreiber des Müllheizkraftwerks, EEW, ein Bodengutachten beim Tüv Süd in Auftrag gegeben. Außerdem hat der Landkreis einen unabhängigen Immissionsschutzgutachter beauftragt. Für den Leiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft des Landkreises, Dirk Hausmann, ist klar: „Wir haben keine Zeit, nochmals zwei oder drei Wochen dranzuhängen, dann bekommt EEW in diesem Jahr seine Genehmigung nicht mehr.“

Diskussion geht weiter

Hausmann verweist aber auch darauf, dass die Diskussion am 12. September nicht beendet sei. Noch bis zur entscheidenden Kreistagssitzung am 13. Oktober könnten Fragen gestellt werden, die Antworten werde das Landratsamt dann im Internet veröffentlichen. Dort könnten nach dem 12. September auch die Gutachten eingesehen werden.

Hausmann rechnet mit einer mehrstündigen Veranstaltung im September. Da sind erst einmal die beiden Gutachter. Ihnen soll ein klares Zeitfenster vorgegeben werden: „Die müssen dann halt das in zehn Minuten unterbringen, wofür sie sonst 30 Minuten brauchen.“ Anschließend sollen Fragen beantwortet und diskutiert werden. Es steht auch die Beantwortung von 28 Fragen zum Thema an, die der Göppinger OB Guido Till an Landrat Edgar Wolff gerichtet hat. Damit nicht genug: Auch alle bis dahin von Bürgern gestellten Fragen sollen an dem Abend erschöpfend beantwortet werden. Zu guter Letzt ist vorgesehen, Vertreter der Fachbehörden des Landratsamts sowie mehrere Fachärzte zu hören.

Zwei bis drei Stunden

„Nach drei Stunden steigen die meisten aus“, sagt Hausmann und veranschlagt deshalb für den Abend zwei bis drei Stunden. „Aber wenn wir merken sollten, dass noch wichtige Fragen auftauchen, hören wir natürlich nicht auf.“ Dennoch soll der Prozess am 13. Oktober abgeschlossen sein. „Eine Verschiebung auf nächstes Jahr hätte bedeutet, das ganze Verhandlungspaket noch einmal aufzuschnüren.“

Info Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft hat eine Seite mit Informationen und zur Bürgerbeteiligung ins Netz gestellt:

www.awb-gp.de/mhkw-2017

Auch die Kritiker der Pläne sind online:

www.muell-konzept-goeppingen.de

Belastung durch Stickoxid nimmt kontinuierlich zu


Schadstoffe: Durch die geplante Ausweitung der Verbrennungskapazitäten des Müllofens würde sich auch die Menge der Schadstoffe erhöhen. Zum Beispiel die Stickoxide, die derzeit im Zusammenhang mit Dieselmotoren und möglicherweise drohenden Fahrverboten Schlagzeilen machen.

Stickoxid: Als der neue Kessel 1998 in Betrieb genommen wurde, veröffentlichte der damalige Betreiber VKR folgende Zahlen: 51 Milligramm pro Kubikmeter (mg/m³) Stickoxid (NOx), genehmigt waren (und sind) 70 mg. Die Verbrennungskapazität betrug 120 000 Tonnen im Jahr. Für 2016 gab der jetzige Betreiber EEW den Ausstoß von NOx  mit 62,3 mg/m³ im Jahresmittel an, insgesamt betrug der Ausstoß demnach rund 54,9 Tonnen.

Ausweitung: Bei der Ausweitung der Kapazität von 156.000 auf 180.000 Tonnen sollen laut Landratsamt zusätzliche 4,3 Tonnen NOx im Jahr in die Luft abgegeben werden. Das entspricht mehr als 50 Millionen gefahrenen Kilometern eines Diesel-Pkw mit Euro 6 – sofern er den Grenz­wert (80 mg/km) einhält. Oder 3500 Pkw, die 15.000 Kilometer im Jahr fahren.