Energieversorgung Am „Ziel der Träume“

In den Startlöchern für die Netzübernahme durch das Stauferwerk: die Monteure Daniel Frasch (r.) und Christof Szneadr.
In den Startlöchern für die Netzübernahme durch das Stauferwerk: die Monteure Daniel Frasch (r.) und Christof Szneadr. © Foto: Staufenpress
Eislingen / Karin Tutas 31.07.2018

Die Spannung ist fast mit Händen greifbar. Christian Gropp, Geschäftsführer des in Eislingen ansässigen Stauferwerks, und seine Mitarbeiter verspüren ein gewisses „Kribbeln“. Seit Wochen fiebern sie auf diesen Tag hin und „jetzt muss es auch losgehen“, sagt Gropp. Ab 0.01 Uhr am morgigen Mittwoch ist der kommunale Energieversorger dafür zuständig, dass es im Stromnetz von Donzdorf, Eislingen und Ottenbach rund läuft. Mit der Übernahme des bislang an die Netze BW verpachteten Netzes wird das Stauferwerk für alle Belange der Stromversorgung für insgesamt 35 000 Einwohner zuständig sein – „vom Baustrom bis zur Weihnachtsbeleuchtung“.

Auf diesen Tag haben die drei Kommunen und das ebenfalls beteiligte Alb-Elektrizitätswerk seit langem hingearbeitet. Fast euphorisch gibt der Aufsichtsratsvorsitzende des Staufwerkers, Donzdorfs Bürgermeister Martin Stölzle, die Gemütslage wieder: „Wir sind am Ziel der Träume.“ Nahezu zwei Jahrzehnte habe der Prozess gedauert, die Aufgaben der Energiewirtschaft in kommunale Hände zu geben, erinnert Stölzle an die ersten Verhandlungen mit den Energieversorgern, die erst allmählich in Gang gekommen seien, als vor zehn Jahren die Neuvergabe der Stromkonzession für Donzdorf spruchreif wurde und die Stadt auf das Albwerk zugegangen sei.

2011 wurde das Stauferwerk gegründet, „die Motivation war, dass das Geld, das mit dem Strom verdient wird, bei den Kommunen bleibt“, erklärt Stölzle. Der neue Energieversorger bekam damals zwar die Stromkonzessionen in allen drei Kommunen, aber nach langwierigen Verhandlungen mit den bisherigen Konzessionären (Netze BW und Netzgesellschaft Ost-Württemberg) wurde das Netz zunächst an die Netze BW verpachtet, mit der Option, dass das Stauferwerk nach Ablauf dieser Zeit das Netz selbst pachtet und in Eigenregie betreibt. „Diese Option haben wir jetzt gezogen“, sagt Christian Gropp und spricht von einem Meilenstein.

„Wir werden damit zum vollwertigen Partner“, erklärt Gropp, durch die Netzübernahme würden sich in den kommenden Jahren ganz andere Geschäftsfelder eröffnen. Größter Vorteil sei aber: „Wir können den Strompreis eigenständiger gestalten“, der, „wenn es so klappt wie wir uns vorstellen“, auf längere Sicht für alle günstiger werde.

Der Energieversorger, der bislang lediglich Strom verkaufte, ist ab 1. August für das reibungslose Funktionieren der Stromversorgung – Anschlüsse, Wartung, das Beheben von Störungen und Ablesen von Zählern – verantwortlich. Rund 800 000 Euro seien in den Aufbau des Netzbetriebs gesteckt worden, etwa dieselbe Summe solle künftig pro Jahr in den Erhalt der Substanz und die Versorgungssicherheit investiert werden. Um für die neuen Aufgaben finanziell gewappnet zu sein, wurde das Eigenkapital von den Gesellschaftern um 400 000 auf 7,5 Millionen Euro aufgestockt.

Ziel ist die Nummer eins

Das Ziel ist klar gesteckt: „Wir wollen vor Ort die Nummer eins sein“, erklärt Geschäftsführer Gropp, der einen weiteren Vorteil auf Seiten des Stauferwerks sieht: „Wir sind direkt vor Ort, man nimmt uns wahr und man kann zu uns kommen.“ Die Technikabteilung hat bereits ihre Räume im künftigen Mobilitätspunkt am Eislinger Bahnhof bezogen. Gegen Ende des Jahres wird auch der Vertrieb dort einziehen. Mit einer erfahrenen Mannschaft aus Ingenieuren, Monteuren und Vertriebsmitarbeitern – vier in Geislingen und 14 in Eislingen – sei man gut aufgestellt. Das Albwerk, das die strategische Personalplanung übernommen habe, habe weitsichtige Vorleistungen erbracht.

Für den Aufsichtsratsvorsitzenden Stölzle schreibt das Stauferwerk schon jetzt eine Erfolgsgeschichte. Im vierten Jahr in Folge werden Schwarze Zahlen geschrieben – erstmals hat der Energieversorger nun Geld an die Kommunen ausgeschüttet. Zufrieden ist Geschäftsführer Gropp auch mit der Entwicklung der Kundenzahlen. Zu den bereits 4000 Strombeziehern seien dank einer Werbekampagne in zwei Wochen rund 500 hinzu gekommen. Dass da auch ein profitlicher Wechselbonus eine Rolle gespielt hat, räumt Gropp ein. die Herausforderung werde nun sein, auf dem Markt zu bestehen. Der Geschäftsführer ist zuversichtlich: „Wir sind gut aufgestellt.“

Wertschöpfung bleibt in der Region

Unternehmen Am Stauferwerk sind die Kommunen Donzdorf (21,6 %), Eislingen (35 %) und Ottenbach (5,4 %) sowie das Alb-Elektrizitätswerk Geislingen (40 %) beteiligt.

Zahlen Das Stromnetz von insgesamt 589 Kilometern (149 km Mittelspannungs-, 440 km Niederspannungsnetz) und 234 Trafostationen versorgt 35 000 Einwohner mit 18 400 Zählern und 8400 Hausanschlüssen.

Ausschüttung Der Jahresüberschuss betrug 2017 410 000 Euro. Ausgeschüttet werden 72 600 Euro an die Stadt Eislingen, 47 500 an Donzdorf, 11 880 Euro an Ottenbach und 88 000 Euro an das Alb-Elektrizitätswerk.

Dienstleistung Ab 2019 wird das Stauferwerk die Straßenbeleuchtung der Kommunen komplett betreuen.

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