Eschenbach Student als Senner auf der Alm

Das Leben auf der Alm: Für Hans Mühlhäuser, gelernter Landwirt und Student aus Eschenbach, ist es der ideale Ferienjob.
Das Leben auf der Alm: Für Hans Mühlhäuser, gelernter Landwirt und Student aus Eschenbach, ist es der ideale Ferienjob. © Foto: Privat
Eschenbach / Inge Czemmel 17.05.2018
Hans Mühlhäuser zieht auf die Alm. Der Student aus Eschenbach liebt seinen Ferienjob als Senner.

Wie ist die Almwirtschaft eigentlich entstanden? Wie hat sie sich bis heute entwickelt? Was ist auf einer Alm alles zu tun? Beim Eschenbacher Seniorenfrühstück erzählte ein junger Mann vom Leben auf der Alm und seinen Erfahrungen. Zwei halbe Almsommer hat Hans Mühlhäuser bereits auf der Weitenbergalm im Pfunderer Tal in Südtirol verbracht. 2016 und 2017 arbeitete Mühlhäuser, der in Nürtingen Landschaftsplanung studiert, jeweils eineinhalb Monate auf einer Almhütte.

„Ich hatte Glück, dass die Almsommer teilbar waren, denn ich hatte im Juli noch Prüfungen“, erklärt Mühlhäuser, der die Alm mit zwei anderen Jungs und einem Mädchen bewirtschaftete. Zwei waren für die Gastronomie, zwei für die Kühe und die Käserei zuständig. Hans Mühlhäuser, der von einem Bauernhof in Eschenbach stammt und vor seinem Studium eine Landwirtschaftslehre absolvierte, war natürlich prädestiniert für das Ressort „Kuh und Käse“.

„Im ersten Sommer war ich als Zusenn tätig“ berichtet er. „Vor dem zweiten Sommer habe ich in Südtirol eine Sennereiausbildung gemacht und war dann der Chefsenn.“ Egal ob Zu- oder Chefsenn, auf der Alm müssen alle früh aus den Federn. „Morgens um fünf werden die Kühe von der Nachtweide in den Melkstall geholt, gemolken und anschließende auf die Tagesweide gebracht“, erläutert Mühlhäuser den Tagesablauf. „Anschließend brachten wir den Käseprozess in Gang und waren bis etwa 12 Uhr in der Käserei beschäftigt. Bei schlechtem Wetter gab es dann eine Pause, bei gutem war Mithilfe in der Gastronomie angesagt.“

Die Almhütte ist stark von Wanderern und Mountainbikern frequentiert. „Der Transalp Alpencross München – Venedig führt direkt daran vorbei“, berichtet Mühlhäuser und lacht: „Die Schnelleren kommen montags, die Langsameren dienstags.“  In den Sommerferien gehen auf der Almhütte 100 bis 120 Essen raus. Die Auswahl ist nicht riesig. Es gibt Vesperteller, Nudeln mit Sugo und als Highlight Käseknödel aus Almkäse mit Krautsalat. Gegen 16 Uhr heißt es dann, die Kühe zur Nachtweide zu treiben, die sich in Nähe der Almhütte befindet. Um 18 Uhr wird noch einmal gemolken und anschließend die Käserei fertig gemacht. Gegen halb acht ist dann Feierabend. Viel unternommen wird da meist nicht mehr. „Zusammen hocken, sich ein bisschen unterhalten, früh ins Bett gehen“, beschreibt Mühlhäuser die eher unspektakulären Almabende. Ins Dorf wird selten mal gefahren. Der Weg kann nur mit Schrittgeschwindigkeit befahren werden, die Fahrt dauert eine halbe Stunde.

Mühlhäuser genießt die Almaufenthalte, obwohl es viel Arbeit und keine freien Tage gibt. Auch die Abgeschiedenheit macht ihm nichts aus. „Nach den stressigen Prüfungszeiten ist das genau das Richtige für mich“, erklärt der 25-Jährige. „Ich genieße die Natur zwischen den hohen Bergen, dass es jeden Tag den gleichen Ablauf gibt und man stressfrei einen festen Plan abarbeitet.“

Kein Fernsehen, kein Handy

Was im Rest der Welt vor sich geht erfährt man von Besuchern. Einmal in der Woche, wenn der Käse ins Dorf gebracht wird, gibt es auch mal eine Zeitung. Ansonsten: Kein Fernsehen, kein Internet, kein Handy. „Bis zum nächsten Empfangspunkt sind es zehn Minuten, das überlegt man sich“, grinst Mühlhäuser und verrät: „Beim Küheholen gibt es ein paar wenige Stellen, an denen man Empfang hat. Dort schau ich dann kurz nach, ob jemand zu Besuch kommen will, aber das war’s auch schon.“

Diesen Sommer geht‘s wieder einen halben Almsommer lag in die Berge. Nach Abschluss seines Studiums plant Mühlhäuser einen kompletten Sommer ein. Vielleicht mal in der Schweiz.

Südtiroler Alm auf fast 2000 Meter Höhe

Standort Die auf 1950 Meter gelegene Weitenbergalm ist vom Parkplatz Dun oberhalb von Pfunders in einer bis anderthalb Gehstunden zu erreichen. Die beiden Almgebäude bestehen aus einer Gaststube und einer Käserei mit Arbeitsräumen, einem Melkstall, sowie Zimmern zur Unterbringung der Belegschaft.

Wanderer Die weitläufigen Wiesen oberhalb der Alm in Richtung Pfunderer Sattel und Pfitschtal oder in Richtung Nachbaralm Engberg und der Gliederscharte und Hochfeiler sind ideal für Wanderungen. Auf der auch stark von Mountainbikern frequentierten Alm werden keine Schlafmöglichkeiten angeboten.

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