Komik Als Gesamtpaket Profitlich unnachahmlich

Trifft bei Markus Maria Profitlich der 90-jährige, schwerhörige Onkel Hubert auf Amazon-Alexa, ist das Chaos und die Schlagzeile perfekt: „Marianne und Michael marschieren in Polen ein“, heißt es dann.
Trifft bei Markus Maria Profitlich der 90-jährige, schwerhörige Onkel Hubert auf Amazon-Alexa, ist das Chaos und die Schlagzeile perfekt: „Marianne und Michael marschieren in Polen ein“, heißt es dann. © Foto: Axel Raisch
Eislingen / Axel Raisch 12.10.2018

Bringt mich ruhig an den Rande des Wahnsinns, von da aus kenne ich den Heimweg“, ist sich Markus Maria Profitlich vor vollbesetztem Haus bei seinem Auftritt in der Eislinger Stadthalle sicher. Klingt gut, ist gut. Mit seinem Programm „Schwer verrückt“ ist der massige Rheinländer erneut Garant für beste Comedy, die nicht bloßer Klamauk ist, sondern vieles auf den Punkt bringt.

Als „Retter aus der Finsternis der Humorlosigkeit“ angekündigt, bestätigt der Star-Komiker auch an diesem Abend, dass er seinen Heldenstatus verdient hat. Der Überwindung der Finsternis können auch die Passagen mit schwarzem Humor nichts anhaben. Etwa, wenn er von seiner Parkinson-Erkrankung berichtet und daraus neue Programmtitel entwickelt: „Alles, außer Mikado“ oder „Schütteln vor Lachen“.

Es ist das reine Vergnügen, wenn Profitlich seinen Auftritt als „Gefühlsdusel“ beim Männerabend mimt. Schauspiel, Mimik, Gestik und das Gesamtpaket Profitlich sind – nicht nur in dieser Situation – unnachahmlich.

Sehr nett auch, wie er die Amazon-Ausgeburt „Alexa“ in ihre elektronischen Knie zwingt. Mit einem Flächen-Bombardement aus Witzen bringt er den Sprechautomat an den Rande seiner Fähigkeiten und die Zuschauer zum Lachen. Alexa weiß nicht, dass der Steuerberater den Junkie warnt, dass ihn die Fixkosten noch umbringen werden, ebenso wenig, warum der Sarg nicht aufgeht: weil ein Zuhälter drin liegt.

Das Geheimnis der Begeisterung liegt aber in der schieren Menge an Witzen in kurzer Zeit. Wo ein einzelner versackt, ist die Masse neu, gut und wirkungsvoll. Und dann wird er wieder ganz still und nachdenklich, wenn er seinen Sprücheklopferkollegen aus dem Pilateskurs, den Dalai Lama, zitiert: Die Dinge würden geliebt und Menschen gebraucht, wo es doch umgekehrt sein sollte. Mit seiner „Ode an die Eintagsfliege“ zeigt der Komiker, dass er auch von der Muse geküsst ist.

Profitlich ist in jeder Hinsicht schwer; schwer verrückt und schwer gebeutelt. In einer Welt voller veganer Weiber irrt er über die Bühnen auf der Suche nach seinem verlorenen Y-Chromoson, auf dessen Verlust ihn ein Freund aufmerksam gemacht hat. Immer ausgestattet mit einem Notfallpaket Frikadellen. „Flachmann für Fleischesser“ nennt er das. Nervennahrung, um den Alltag mit Frau, zwei Töchtern und deren Freundinnen zu überstehen.

Kindergeburtstage bei Profitlichs werden regelmäßig zu Minenfeldern. Auch davon erzählt er. Von „Gluten – dem Napalm der Gegenwart“ und den anderen Lebensgefahren, die laut der Mütter der Kinder im Essen steckten. Es sind die Eskalationsstufen zum wahren Wahnsinn, die Profitlich zielsicher diagnostiziert und die mit einem Eklat enden, als er auch noch als „böser Sexist“ von einem Mädchen entlarvt wird. Nur, weil er um ihre „Lackhosen-Intoleranz“ nicht wusste.

Als ob es nicht genügte, entwickeln manche Frauen auch noch Unverträglichkeiten der Sprache gegenüber, die Profitlich auf den Magen schlagen. So weit, wie man da müsste, kann nicht mal der Grimassenkünstler Profitlich die Augen verdrehen. „Wird der Wasserhahn jetzt zur Wasserhenne?“, fragt sich MMP.

Es ist der erste Schritt auf dem Weg zurück zum Y-Chromosom. Und dann, wenn er es wieder gefunden hat, dann wagt er sicher auch das Unvorstellbare und sagt den heroischen Satz, der einen Mann zum Mann mache und den Profitlich einmal auf den letzten Metern vor einer Ikea-Kasse, Augen und Ohren ungläubig aufgesperrt, gehört hat: „Nein Schatz, Du brauchst keinen Beutel Teelichter.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel