Mehr als tausend natürliche Rohstoffe braucht die Wala für ihre Kosmetikherstellung. Dazu kommen noch 300 Zwischenprodukte. Für die Überprüfung hat die Wala ihr neues Technikum für 30 Millionen Euro, das am Badwasen  drei Stockwerke hoch herausragt. Seit Mai ist es in Betrieb. Im Juni kam Ministerpräsident Winfried Kretschmann zur Einweihung. Jetzt ist auch Verbraucherschutzminister Peter Hauk gekommen. Mehr Prominenz für ein neues Werksgebäude ist kaum möglich. Und: Es ist heute auch eine kleine Premiere.

Der Minister sieht erstmals in seienr Amtszeit das Landeskontrollteam für Lebensmittelsicherheit an einem Ort ihres Wirkens. Es existiert erst seit zweieinhalb Jahren. In Person von Frank Schmalzried waren die Landes-Kontrolleure im Oktober erstmals im Wala-Technikum. Zusammen mit Kollegen vom Landratsamt, dem Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz. Sie nahmen sich viel Zeit, den internen Kontrollapparat der Wala zu prüfen.

Der Minister bekommt Einblick, was im Bauch dieses großen Gebäudes geschieht. In einem der Labore, die sich wie Stafetten reihen, steht Professor Dietmar Kammerer zwischen einem gefliesten Tisch, wie man ihn vom Chemiesaal der Schule kennt, und einem Destillator hinter Glas. Ein Dauergeräusch erfüllt den Raum – das Gebläse. Über das Rohrsystem, das über den Köpfen hängt, wird ständig Luft eingeblasen und abgesaugt. Der Raum ist wie eine Insel, nach außen hermetisch abgetrennt. Schutzkleidung und Brille sind arbeitsrechtliche Vorschriften.

Tausend Stoffe – zwei Beispiele. Die Wala verwendet ätherisches Rosenöl. Ein kostbarer Stoff. Ein Kilogramm kostete 13.000 bis 14.000 Euro. „Jedenfalls in der Bio-Qualität, die wir wollen“, sagt Kammerer. Es kommt aus Bulgarien, der Türkei, Afghanistan, dem Iran. Jetzt auch aus Äthiopien, wo die Wala wieder ein soziales Anbau-Projekt begründet hat. Man braucht hektarweise Rosen, um ein einziges Kilo Öl zu gewinnen. Wieviele Pflanzen sind das? fragt der Minister. Hans-Jörg Rösch, Gruppenleiter für Kosmetiksicherheit und Information: „Das sind fünf Tonnen Rosenblüten.“

Es können auch mal nur vier Kilo sein sein, die hier geprüft werden, sagt Kammerer. In Alu-Kannen kommt das Rosenöl ins Labor. Die Behälter müssen kontaminationsfrei sein. Der Prüfer nutzt auch die Nase. Ätherisches Rosenöl riecht noch in kleinsten Mengen intensiv, es ist ein Duftöl, kein Fettöl. Die Ware wird durch einen Destillator geschickt, ein Gas-Chromatograf zeigt die Zusammensetzung haarklein auf. Wenn ein Lieferant tricksen wollte und seinen Stoff mit billigerem Zusatz strecken wollte – hier fliegt das auf. Die Chemiker können auch erkennen, dass Rosenöl je nach Herkunft noch ein feines eigenes Profil hat. In Äthiopien liegen die Felder in 1200 Meter Höhe und blühen auch länger.

Pestizide sind ein Thema, Weichmacher auch. Beides prüft die Wala nicht selbst, sie vergibt das an Auftragslabors. Bei Pestiziden sind das über 200 Stoffe, sagt Kammerer. Da muss eine Charge schon mal einen Monat in Quarantäne bleiben, bis entschieden wird, was mit ihr geschieht.

Bei Weichmachern hat die Wala selbst ein Auge drauf. „Einmal im Jahr besuchen wir die Anbauer“, sagt Rösch.

Die Besucher erfahren auch viel über den Rohstoff Mandel. Als Mehl und Öl steckt sie in Wala-Produkten. Das Mehl muss die richtige Korngröße haben, darf aber nicht zu stark gepresst werden, weil Restfett drinbleiben soll. Kammerer nimmt ein Prüfblatt vom letzten Juli. „Fettgehalt 16,7 Prozent.“ Um das zu bekommen, braucht man eine klassische Ölmühle, die mit traditioneller Stempelpresse arbeitet. Eine moderne würde das Öl viel stärker herauspressen. Auch bei Mandeln ist der Mensch als Prüfer gefragt: Es geht um Geruch und Geschmack, die Mandeln werden verkostet. Gleich als ganze Nüsse, vor dem Mahlen.

Mandeln aus Spanien, Rosenöl aus der weiten Welt: das sind eigentlich Ausnahmen. Die Wala versteht sich als regionaler Produzent, sie kann in Bad Boll aus dem Vollen schöpfen. In Eckwälden hat sie ihren Heilkräutergarten, beim Sonnenhof baut sie vieles an. Bekannt sind die Felder mit Calendula, der Ringelblume.

Sechs bis acht Stunden waren Schmalzried und Kollegen im Oktober bei der Wala. So lange dauert eine große Kontrolle. Mit Vor- und Nachbereitung sogar zwei Wochen. Sie wollen da nicht nur Kontrollblätter sehen, sondern den ganzen Kontroll- und Dokumentationsprozess, der einen Rohstoff bis zum Vertrieb begleitet. Damit die Wala im Ernstfall fähig wäre für Rückholaktionen, sagt Schmalzried. Unterm Jahr nehmen seine Kollegen vom Landratsamt Proben, sei es vom Rohstoff oder vom Endprodukt. Die werden dann an das Chemische Veterinäruntersuchungsamt in Karlsruhe geschickt. Das ist normalerweise auch bei Schwerpunktproben dabei. Sie waren auch Kontrolleure vor der Gründung des Landeskontrollteams. Sie waren auch nicht nur bei der Wala, sondern bei 15 Kosmetikherstellern im Land. So viele gibt es – und das sind nicht alle, sagt Schmalzried.

Forschung zu Umwelt und Heilpfanzen


Entwicklung: Professor Kammerer leitet die Abteilung für analytische Entwicklung und Forschung, die sich mit Spezialfragen beschäftigt. „Ein ganz wichtiges Thema sind die ätherischen Öle und deren Stabilität, weil dies auch mit deren Verträglichkeit in Zusammenhang steht. Wir müssen dallein deswegen Daten erheben, weil es praktisch keine veröffentlichten Daten dazu gibt.“ So erläutert Wala-
Wissenschaftsleiter Professor Florian Stintzing die Situation.

Wissenschaft: Fragestellungen aus dem Routinebetrieb führen auch zu Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten in der Wala. Weitere Forschungsfelder: Umweltgifte, die sich überallhin verbreiten, und neues Wissen über traditionelle Heilpflanzen.

Artenvielfalt: Wenn sich verborgene Potenziale für Arzneimittel und Kosmetika in der heimischen Pflanzenwelt finden, sei dies letztlich auch für die „heute so dringenden Frage der Bio­diversität ganz entscheidend“.